Seelsorger mit Managementqualitäten

Interview mit Pfarrer Herbert Gugler, Dinkelscherben

WEGBEREITER: Herr Pfarrer Gugler, sagen Sie bitte ein paar Sätze über sich? Wer ist Pfarrer Gugler?
Pfarrer Herbert Gugler: Meine Heimat ist in Augsburg die Pfarrei St. Georg und Michael. Nach dem Abitur habe ich Verwaltungswirtschaft studiert und erst dann bin ich ins Priesterseminar eingetreten. Vor sieben Jahren habe ich die Priesterweihe empfangen. Nach Dinkelscherben kam ich als Pfarrer September des Jahres 2006. Also, ich bin relativ neu in dem Pfarrverband.

WB: Pfarrverband?
Pfarrer Gugler: Ja, Dinkelscherben ist eine Pfarreiengemeinschaft mit sechs Pfarrgemeinden.

WB: Sind sie gerne Pfarrer? Was gefällt Ihnen gerade an Ihrem Beruf?
Pfarrer Gugler: Ja, ich bin sehr gerne Priester. Das ist ein Beruf bzw. eine Berufung, an dem mir vor allem der Kontakt mit Menschen gefällt, vom Baby bis zum Senior, in Freude und in Leid. Zudem habe ich die Möglichkeit, Ideen zu verwirklichen und somit zu gestalten.

WB: Ideen, wie Kirche renovieren?
Pfarrer Gugler: Nicht unbedingt. Als ich hierherkam habe ich gleich gemerkt, dass das gerade notwendig ist und im Oktober des letzten Jahres haben wir tatsächlich mit der Renovierung unserer St.-Anna-Kirche angefangen.
Mir wäre es natürlich lieber wenn ich mehr Zeit für die Menschen hätte, wenn ich mich auf meine priesterlichen Aufgaben konzentrieren könnte, aber - wie ich schon sagte -, das war notwendig.

WB: Was meinen Sie: was erwartet Ihre Pfarrei von Ihnen?
Pfarrer Gugler: Ich glaube, zunächst erwartet die Gemeinde wohl den Seelsorgs- und Verkündigungsdienst. Ansprechpartner zu sein, aber auch selber ansprechend die frohe Botschaft und damit auch die Kirche als Ganzes zu repräsentieren.
Sicher gibt es aber auch die Erwartung, dass der Pfarrer als Leiter der Gemeinde „den Betrieb im Griff hat” und damit auch eine Art Manager ist; dass ich auch der Bauherr werde und mich darum kümmere, dass unsere Kirche renoviert wird.

WB: Es gibt immer weniger Priester. Braucht Ihrer Meinung nach jede Pfarrei einen Pfarrer?
Pfarrer Gugler: Klar wäre es ideal, wenn jede Pfarrei ihren Pfarrer hätte, zumal dann der persönliche Kontakt viel intensiver sein könnte. Andererseits ist der Pfarrermangel auch eine Chance: es gibt Aufgaben, gerade im Verwaltungsbereich, die Laien viel besser ausführen können, die aber, wenn alle Pfarreien besetzt werden, gar nicht zum Zug kommen würden.

WB: Was bedeutet es für Sie Seelsorger zu sein? Was macht einen Seelsorger aus?
Pfarrer Gugler: Ein Seelsorger muss die Menschen mögen, wie sie sind. Er sollte ein Mensch sein, der in Beziehung leben kann: Beziehung mit den Mitmenschen und mit Gott.
Oft erlebe ich Menschen, die erwarten, dass ich für sie da bin, dass sie mich ansprechen können, dass ich ihnen zuhöre, wenn sie ein Problem haben.

WB: Wie Sie schon gesagt haben - neben dem Seelsorger müssen Sie auch ein „Manager“ und Bauherr sein. Sind Sie dafür vorbereitet worden - haben Sie dafür eine Ausbildung erhalten?
Pfarrer Gugler: Bei den Aufgaben kommt mir sicher meine Ausbildung zum Diplom- Verwaltungswirt (FH) zugute, die ich vor dem Theologiestudium absolviert habe.
Priesterseminar dient vor allem der Einführung in geistliches Leben, es ist kein Managementcenter. Erst in dem Pastoraljahr, das nach dem Studium kommt, da folgt Verwaltungslehre, da wird man in die Führungs- und Begleitungskunst eingeführt, was natürlich auch nur eine Grundlage ist.
Unsere Diözese versucht auch in speziellen Kursen Kapläne auf ihre neuen Aufgaben als Pfarrer vorzubereiten. Gerade auch im Verwaltungsbereich finden Schulungen statt.

WB: Wie viele Angestellte hat Ihr Pfarrverband, und wer sind Sie für sie: nur Arbeitgeber oder dieses und auch Seelsorger?
Pfarrer Gugler: In der Kirchenstiftung Dinkelscherben, zu der zwei Kindergärten gehören, gibt es insgesamt 47 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Voll-und Teilzeit. Nimmt man die mit wenigen Stunden beschäftigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den 5 weiteren Kirchenstiftungen der Pfarreiengemeinschaft dazu, sind es knapp 100.
Klar ist, dass ich als Pfarrer quasi deren Arbeitgeber bin. Das heißt für mich aber auch, meiner Sorgfaltspflicht für meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nachzukommen. So suche ich so oft wie möglich den Kontakt für Einzelgespräche, um mich über ihre Situation im Beruf - aber auch in der Familie - zu informieren.
In der Kirchenverwaltung haben wir zudem ein Betreuungskonzept entwickelt, das beispielsweise Geburtstage, Hochzeiten, Geburten von Kindern, aber auch Trauerfälle aufgreift.

WB: Haben Sie neben der Arbeit in der Organisation auch noch genügend Zeit Seelsorger zu sein?
Pfarrer Gugler: Gott sei Dank steht mir eine sehr gute Kirchenverwaltung zur Seite, die mich von Verwaltungsaufgaben stark entlastet. So bleibt mir trotz allem Zeit für pastorale Besuche und Gespräche, auch mit den zahlreichen Vereinen und Verbänden in unserer Pfarreiengemeinschaft.
Zur Seelsorge zähle ich auch das Stundengebet sowie die Feier der heiligen Messe. Beides selbstverständliche Fixpunkte bei meinem Dienst.

WB: Haben Sie noch Zeit nur für sich?
Pfarrer Gugler: Zeit für mich ist da, wenn ich mir sie nehme. Zeitmanagement und Prioritätensetzung sind dafür unerlässlich. Der freie Montag ist für mich zur Erholung unverzichtbar.

WB: Was würden Sie Priesterkandidaten sagen, die Angst haben, dass Sie nach der Priesterweihe statt Seelsorger, mehr Manager einer Pfarrei oder eines Pfarrverbandes sein müssen?
Pfarrer Gugler: Letztlich ist es Gott, der einen in seine Nachfolge ruft. Er ruft jeden mit seinen Stärken und Schwächen. Dem einen liegt Management mehr, einem anderen weniger. Kirche ist ein Leib mit vielen Gliedern. So ergänzen wir uns gerade auch im Presbyterium. Jesus sagt: „ich bin bei euch, an allen Tagen, bis zum Ende der Welt.” (Matthäus 28).