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Wenn es im Leben unmöglich ist, die Uhr zurückzustellen und aus der Zeit auszusteigen, so lebt in uns allen doch diese unbändige Hoffnung und Sehnsucht, mitten in den Verwirrungen und Verwicklungen des Lebens, nochmals neu anfangen zu dürfen; ganz neu anknüpfen an dem Ursprung, der in der Tiefe unseres Herzens wie eine ganz lebendige Quelle und Lebenskraft verborgen ist. Eine wirkliche, tief greifende Erneuerung und Entwirrung unseres Lebens kann nur geschehen, wenn wir diesen Ursprung in der Tiefe unseres Herzens wieder finden und mit ihm in Berührung kommen. Es ist der Anfang in uns, den Gott gesetzt hat und an dem ER uns schon immer berührt hat. Aus dieser Tiefe, nicht aus dem angestrengten Nachdenken, nicht aus räsonierender Unzufriedenheit, nicht aus heiligen Willensentschlüssen und sonstigen hilflosen Versuchen entspringt die Kraft zum Neuwerden und zum Neubeginn.
Diese Sehnsucht ist in uns allen im Blick auf die eigene Person. Sie bezieht sich darüber hinaus auf unsere Familien, sie taucht auch auf in den Orden und geistlichen Gemeinschaften, in jeder Pfarrei und in der ganzen Kirche. Hat sich da nicht auch so viel verwickelt, verheddert? Ist da nicht auch Vieles abgeirrt und verdorben, so dass die Menschen darin nicht mehr Jesus den Salvator, den Heiland zu erkennen vermögen? Stehen wir nicht vor vielen Ausweglosigkeiten – ich denke hier auch an die Nachwuchsfragen für die Orden? Hier ist guter Rat teuer und die Prognosen sind menschlich betrachtet ernüchternd. Sollten wir nicht – angetrieben von einem großen Schmerz und einer brennenden Sehnsucht rufen, ja einander zuschreien „Lasst uns, ganz neu und ganz von vorne anfangen!“.
Ja, fangen wir noch mal ganz von vorne an – dort wo Gott mit uns angefangen hat! In diesem Anfang liegt die Verheißung der Fruchtbarkeit, dort ist die Quelle für neues Leben zu finden, das wir aus uns nicht machen können.
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Wenn wir ganz von vorne anfangen wollen – auch mit unseren Orden und mit den Berufungen – dann lasst uns dort anknüpfen, wo Gott angefangen hat: bei Maria in ihrer unbefleckten Empfängnis! Über ihrem Leben steht das göttlichste aller Worte: das uneingeschränkte „JA“ seiner schöpferischen Liebe. Maria ist vom Ja Gottes eingehüllt wie von einem Mantel; sie ist davon bis in die Wurzel – radikal – durchdrungen. Nichts fällt aus diesem Ja heraus. Und weil sie so durchdrungen ist von diesem liebenden, machtvollen Ja, kann sie auf dieses göttlichste aller Worte antworten mit dem menschlichsten aller Worte: mit dem kleinen „ja“, mir geschehe nach deinem Wort!
Ahnen wir, was sich in uns – den Einzelnen und den Gemeinschaften – verwandeln würde, wenn wir nicht an der Oberfläche blieben, sondern uns heute entscheiden würden, uns radikal in diesen Anfang Gottes, in ein großes JA hinein nehmen zu lassen und mit unserem kleinen ja zu beantworten? Wir finden diesen Neuanfang am besten, wenn wir die Nähe zu Maria suchen und uns von ihr führen lassen. Durch diesen Schritt wären wir auch unserem eigenen Ursprung nahe – und Gott könnte Unerwartetes und Neuaufbrüche wirken, - die wir mit allem Machen und Anstrengen niemals erlangen werden. Es ist Zeit für den wirklichen Neuanfang – bei Maria und mit ihr.
Lasst uns Abschied nehmen von den Kopf- und Willensgeburten unserer vielen Bemühungen und unserer Auswege, sondern lasst uns in die Tiefe gehen und dort den neuen Anfang suchen. Ich bin gewiss, dass der Nachwuchsmangel an Priestern, an Ordensleuten und an Männern und Frauen, die der Kirche dienen, fast so etwas wie ein Druckmittel Gottes ist, nicht weiterhin an der Oberfläche zu bleiben und dort zu rackern, wo es nichts zu ernten gibt. Es ist das Gebot der Stunde, einen Weg nach innen gehen.
Die Sorge für die Priesterberufe und für alle Berufungen beginnt damit, dass wir eintreten in das Geheimnis unserer Seele, in das verborgene Heiligtum unseres Herzens; es ist ein „Heiligtum der Berufung“. Den Zugang finden wir nur im Gebet, bei dem wir aber nicht primär sagen, was Gott tun soll, sondern in dem wir uns ihm radikal öffnen und überlassen. Dieses innere Heiligtum, das der Heilige Geist in uns öffnen will, ist erfüllt vom großen „JA“ Gottes, das unser kleines „ja“ ermöglicht und hervorbringt. Das ist auch die Quelle des Segens, den es braucht, um junge Menschen für ihre Berufung aufzuschließen und Priester auf dem Weg der Heiligung zu begleiten.
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