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Bei der Gedenkfeier am Fest Mariä Empfängnis wurden Kerzen mit einem Bild von P. Paschalis Schmid verkauft. Es ist mir wohl vertraut, da es – solange ich mich erinnern kann - immer in der Stube meiner Großeltern hing. Von Anfang an faszinierte mich dieser Mann mit dem gütigen Lächeln. Sein Foto hing zwischen Bildern verschiedener Heiliger, wie der Heiligen Theresia von Lisieux, und anderer Glaubensvorbilder, die meinen Großeltern sehr wichtig waren. So dauerte es einige Zeit, bis ich begriff, welche besondere Beziehung unsere Familie mit P. Paschalis verbindet.
Klara, die Mutter meines Großvaters Anton Pfanner, war eine Schwester von P. Paschalis. Den engen Kontakt, der zwischen ihnen bestand, hat auch mein Großvater fortgeführt. Gerne haben meine Großeltern auch das Anliegen von P. Paschalis mitgetragen: den Priestersamstag und die Verbreitung des „Priestersamstagsblättle“ - wie der heutige „Wegbereiter“ in unserer Familie hieß. Den Kindern wurde aufgetragen, in der Heimatgemeinde von Haus zu Haus zu gehen und die Schrift zu verkaufen.
Die Unterstützung seitens meiner Großeltern lag nicht nur an der persönlichen Verbindung, sondern auch an ihrem tiefen Glauben. Vor allem bei meinem Großvater war dieser sicherlich auch stark vom „Pateronkel“ geprägt, wie P. Paschalis in der Familie genannt wurde.
Besonders in den letzten Jahren hat sich mein Wissen um Person und Anliegen von P. Paschalis immer mehr verdichtet, wobei Geschichten und Anekdoten aus der Familie sich mit weiteren Informationen, vor allem aus dem Wegbereiter, verbinden.
Sehr interessant waren für mich die Beiträge bei der Gedächtnisfeier am 8. Dezember: Die Lebensstationen mit Bildern, die P. Leonhard Berchtold präsentierte, der Vortrag über „Berufungspastoral im Spannungsfeld zweier Welten“ von P. Karl Hoffmann und die Predigt von Monsignore Dr. Rainer Birkenmaier aus der Erzdiözese Freiburg bei der anschließenden Eucharistiefeier (siehe S. 24).
P. Paschalis wurde 1887 in Hergensweiler bei Lindau geboren und auf den Namen Anton getauft. Er wuchs in der Pfarrei Scheffau im Allgäu auf, wo der Vater eine Mühle übernommen hatte. Die Katzenmühle liegt ein wenig abgelegen in einer Senke. Man war nicht besonders reich und um die Familie mit den acht Kindern zu ernähren, betrieb man zusätzlich eine kleine Landwirtschaft.
Als der kleine Anton Schmid damals den Wunsch äußerte, Priester werden zu wollen, war die Familie gerade dabei Heu zu machen. Seine Mutter soll sich auf den Rechen gestützt und geseufzt haben: „Ach Bub, da müssen wir noch viel beten!“ Bei dieser Anekdote, die in unserer Familie erzählt wird, ist nicht bekannt, worauf sich ihr Gebetsanliegen eigentlich bezog, ob auf die Heiligkeit des zukünftigen Priesters oder auf das mangelnde Geld für die schulische Ausbildung. Letzteres war sicherlich der Fall: Paschalis musste in der näheren Umgebung um Almosen bitten, um die Ausbildung zumindest halbwegs finanzieren zu können, aber ausgereicht hätte es eigentlich dennoch nicht. In seinen Aufzeichnungen erwähnt P. Paschalis, dass sein Wunsch Priester zu werden ihm wohl verwehrt geblieben wäre, hätte man ihn im Gymnasium des Salvatorkollegs in Lochau nicht „für 100 Mark und evtl. Almosen aufgenommen“.
Ganz neu und ausgesprochen interessant war für mich der Verlauf der folgenden Jahre seines Lebens. 1908 kam P. Paschalis ins Noviziat auf dem Hamberg bei Passau. Nach dessen Ende führte ihn sein Weg im folgenden Jahr nach Rom für sein Philosophie- und Theologiestudium. Im dortigen Mutterhaus der Salvatorianer hatte er auch seine Ewige Profess. Durch den Ersten Weltkrieg war P. Paschalis wie die anderen Deutschen 1915 gezwungen Rom zu verlassen und so beendete er sein Studium in Freiburg in der Schweiz. Dort fand im gleichen Jahr auch seine Priesterweihe statt. Zur Primiz kam er natürlich auch in seine Heimatpfarrei. Die Fotos, die es davon noch gibt, zeigen ein reich geschmücktes Elternhaus und lassen erahnen, welche Freude dieses Ereignis darstellte.
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Sein weiterer Weg führte ihn dann nach München, wo P. Paschalis von 1915 bis 1919 ein zweites Studium der Fächer Mathematik und Kunst anschloss. Vom Orden war er gemeinsam mit seinem Kurskollegen P. Lukas Kloose für die Lehrtätigkeit am eigenen Gymnasium bestimmt worden. Ohne Prüfungsabschluss wurden beide nach dem Weltkrieg wegen des großen Lehrermangels dann in Lochau eingesetzt. Wie auch in unserer Familie in groben Zügen bekannt war, war P. Paschalis nach einiger Zeit in Lochau auch in Wurzach eingesetzt und wurde schließlich 1930 nach Berlin berufen.
In all diesen Jahren begleitete ihn bereits das Streben, einer ganz besonderen Sache zu dienen, zu der er sich berufen fühlte. Ihm stand vor Augen, etwas ins Leben zu rufen, damit arme Jungen, die sich zum Priestertum berufen fühlten, diesem Ruf auch folgen könnten. Dieser Wunsch verband sich mit einer Sehnsucht nach Heiligkeit: Die Priester sollten in ihrer Berufung durch Gebet bestärkt und unterstützt werden, denn nichts sei wichtiger als heiligmäßige Priester. Der Ursprung dieser Sehnsucht war eine persönliche Erfahrung der Liebe Gottes, wie Monsignore Birkenmaier in seiner Predigt erläuterte. P. Paschalis bemühte sich unermüdlich darum, dieses Anliegen in die Tat umzusetzen, setzte sich mit verschiedensten Personen in Verbindung und war schließlich erfolgreich. Im September 1934 fand in Berlin erstmals der Priestersamstag statt.
Mich fasziniert dabei, dass diese Sehnsucht nach Heiligkeit, angetrieben durch die Liebe Gottes, auch beim verstorbenen Papst Johannes Paul II. und seinem Nachfolger Benedikt XVI. spürbar und deutlich wird. Auch wenn das Zweite Vatikanische Konzil die Spiritualität und Liturgie in der Kirche verändert hat, die Liebe und auch Heiligmäßigkeit bleiben von zentraler Bedeutung.
Wertvoll sind mir auch die Aufzeichnungen von P. Paschalis über die Anfänge des Priestersamstages, aus denen bei Lebensstationen, Vortrag und Predigt bei der Gedächtnisfeier zitiert wurde. Über meine Großeltern wurde P. Paschalis als großes Vorbild in der Familie in Erinnerung behalten. Dass auch er als solches Vorbild mit Zweifeln, Rückschlägen und Ringen kämpfen musste und davon in seinen Aufzeichnungen berichtet, lassen ihn noch menschlicher erscheinen. Mein Respekt und meine Bewunderung nehmen dadurch noch zu. Er tritt als Person klarer hervor und ist nicht mehr nur ein hochstehendes Ideal, sondern wirkliches Vorbild – gerade in seiner Auseinandersetzung mit den Schwierigkeiten und Selbstzweifeln.
Beim Vergleich mit Biografien anderer Glaubensvorbilder – sei es ein Heiliger oder eine Person aus heutiger Zeit, wie etwa Mutter Teresa von Kalkutta oder Papst Johannes Paul II – so fällt ein Weiteres auf: Am Anfang steht häufig eine ganz persönliche Glaubenserfahrung. Jemand hat die Liebe Gottes zu sich auf besondere Weise erfahren und mit ihr einen besonderen Ruf, eine eigene Berufung. Und nicht aus eigener Kraft, sondern angetrieben von dieser Liebe setzt der oder diejenige alles daran, dieser Berufung zu folgen. Und gerade diejenigen beeindrucken besonders, die trotz allem, was sie leisten oder geleistet haben, demütig und bescheiden bleiben. Nicht um ihres eigenen Ruhmes willen handeln sie, sondern allein zur größeren Ehre Gottes. Und dieser Gedanke zieht sich auch bei P. Paschalis durch seine Ausführungen über die Anfänge des Priestersamstags.
So bleibt meine Faszination und fordert mich heraus mich weiterhin und intensiver mit P. Paschalis, meinem Urgroßonkel, auseinanderzusetzen. Dadurch kann auch ich ihm ein ehrendes Andenken bewahren und einen Beitrag dazu leisten, dass sein Anliegen weiterverfolgt und -gedacht wird, wie es schon meine Großeltern taten.
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