„Um Menschen bei Ihrer Suche nach sich selber, nach Sinn, nach Gott zur Seite zu stehen“

von Maria Rettig, Augsburg

 

In Tutzing am Starnbergersee befindet sich das Kloster der Missions-Benediktinerinnen. Im Moment gibt es dort 4 Novizinnen. Insgesamt leben aber zur Zeit knapp 80 Schwestern im Klosterkonvent. In Ihrem Angebot haben Sie auch „Kloster auf Zeit“. 
Der WEGBEREITER hat sie besucht und mit der Priorin Sr. Hildegard Jansing, mit der Novizenmeisterin Sr. Rachel Feller (Foto links) und mit zwei jungen Frauen, die in Tutzing das Kloster besuchten, gesprochen.

WEGBEREITER: Sr. Hildegard, was bewegt Ihren Orden das Angebot „Kloster auf Zeit“ zu machen?

Sr. Hildegard: Kloster auf Zeit ist in unserer Gemeinschaft eines von mehreren Angeboten, um Menschen bei Ihrer Suche nach sich selber, nach Sinn, nach Gott zur Seite zu stehen. Da die Fragestellung und Ausgangslage der Frauen sehr unterschiedlich ist, haben wir nicht nur das Angebot „Kloster auf Zeit“, sondern auch die Möglichkeit, „Stille Tage“ bei uns zu verleben. 
Wenn die Frage schon etwas näher dahin geht, ob Leben in Gemeinschaft eine mögliche Lebensform für sie sein könnte, dann ist unser Angebot für diese Frauen passend.

WB: Was bedeutet das für Ihre Gemeinschaft? Mussten sie dadurch Ihren Lebensstil ändern?

Sr. Hildegard: Für unsere Gemeinschaft bedeutet das in erster Linie, dass wir uns öffnen. Wenn junge Frauen bereits zum zweiten oder dritten Male zu uns kommen, besteht die Möglichkeit, dass wir sie einladen, mit uns in der Klausur zu leben, um noch näher mitzubekommen, wie wir leben.
Das schließt ein, dass wir uns ggf. auch „stören“ lassen.
Ansonsten ist es eher so, dass wir die jungen Frauen mit hineinnehmen und ihnen Anteil geben an dem, was uns wichtig ist, am gemeinsamen Beten, am Schweigen, am gemeinsamen Arbeiten, an den Zeiten des (nicht nur geistlichen) Austauschs und des Gesprächs und nicht zuletzt an unserem Feste-Feiern.

WB: Sr. Rachel, wie viele Frauen haben im letzten Jahr das Angebot Kloster auf Zeit“ angenomen. 

Sr. Rachel: Im Jahr 2006 waren es ca. 20 junge Frauen, die das Angebot „Kloster auf Zeit” angenommen haben. Einige zum ersten Mal, andere kamen zu wiederholtem Male. Näheres gibt es unter 
www.missions-benediktinerinnen.de zu erfahren.

WB: Inwieweit spielt die Berufungspastoral eine Rolle dabei?

Sr. Rachel: Ich glaube, es ist eher umgekehrt. Weil sich Frauen in irgend einer Weise ge- oder berufen fühlen, suchen sie ein solches Angebot, um den vielleicht noch unklar wahrgenommenen Ruf zu deuten, zu verifizieren oder auch zu falsifizieren. 
In diesem Sinne der Unterscheidung ist unser Angebot vielleicht eine Hilfe auf dem Weg.

WB: Hallo Theresa, Sie haben das Angebot der Schwestern wahrgenohmen und verbringen jetzt ein par Tage hier im Kloster. Bitte stellen Sie sich doch kurz vor.

Theresa: Ich heiße Theresa und bin 20 Jahre alt. Im Jahre 1998 haben sich meine Eltern scheiden lassen und wir Kinder haben mit unserer Mutter zusammen Zuflucht bei einer katholischen Familie gefunden, welche uns dann in die Gemeinschaft der Seligpreisungen mitgenommen hat, und wo wir zu unserem Glauben finden konnten. In der Osternacht 2000 bin ich dann zusammen mit meiner Schwester von der evangelischen zur katholische Kirche übergetreten, da mich die dortige Spiritualität mehr berührt hat, und ich somit das Gefühl hatte, meinen Glauben besser leben zu können.

WB: Sie haben schon einmal das Angebot für „Kloster auf Zeit“ angenommen.
Wie sind Sie darauf gekommen?

Theresa: Ich habe oft darüber nachgedacht, ob ich vielleicht mein Leben Gott schenken möchte, aber ich wollte wirklich wissen, ob dies auch mein Weg ist und nichts überstürzen. Daher habe ich mir vorgenommen, zwei Wochen in einem Kloster zu verbringen, um das dortige Leben besser kennen lernen zu können. Jedoch wusste ich nicht, in welches Kloster ich gehen könnte und so habe ich mich dann mit meiner Mutter unterhalten. Sie hat eine Schwester gekannt, welche mir dann die Adresse von Sr. Rachel Feller aus Tutzing gegeben hat, und so ist der Ball ins Rollen gekommen. Nach einigen Briefen stand dann fest, dass ich nach dem Weltjugendtag in Köln das erste Mal nach Tutzing zu den Missionsbenediktinerinnen fahren würde.

WB: Welche Menschen haben Sie auf Ihrem bisherigen spirituellen Weg besonders begleitet?

Theresa: Auf meinem spirituellen Weg begleiten mich eigentlich viele Menschen, aber besonders bedeutend sind drei Personen für mich: Da ist Pater Klemens, er kommt aus der Gemeinschaft der Seligpreisungen, und ich kenne ihn schon, seit ich 11 Jahre alt bin. Er hat mir zusammen mit Sr. Mirjam die ersten Gehhilfen auf dem Weg zum katholischen Glauben gegeben. Und die dritte Person ist Sr. Rachel. Bei all diesen Personen weiß ich, dass ich auf sie zählen kann, wenn ich Hilfe oder einen Rat brauche, wie ich meinen Weg am besten erforschen kann, um die Worte, die mir Gott sagt, immer besser erfahren zu können.

WB: Was fällt Ihnen bei dem Gedanken, in einen Orden einzutreten, ganz schwer? Oder was ist es, was Sie anspricht?

Theresa: Nach dem Besuch in Tutzing hat mich die Suche nach meinem Weg nicht losgelassen und ich denke oft darüber nach, was eigentlich dafür oder dagegen spricht ins Kloster zu gehen.
Am schwersten ist es für mich, dass man vielleicht Freunde verlieren wird, weil sie nicht verstehen, wie man einen solchen Weg gehen kann. Vielleicht auch, dass es die eigenen Familienmitglieder nicht akzeptieren. Und am schwierigsten ist es, dass man das „Ja“ zu Gott sagt.
Aber das ist eben das, was mich auch daran reizt. Nämlich mein Leben ganz Gott zu geben.

WB:
Möchten Sie sonst noch etwas sagen?

Theresa: Ich möchte mich noch einmal ganz herzlich bei all den Menschen bedanken, die mir immer zur Seite stehen und immer versuchen, einem die ehrlichsten Ratschläge zu geben.

WB: Vielen Dank, Theresa.

WB: Hallo Miriam, auch Sie nutzen sie das Angebot „Kloster auf Zeit“. Bitte stellen Sie sich doch kurz vor.

Miriam: Mein Name ist Miriam und ich bin 27 Jahre alt. Ich studiere an der katholischen Universität Eichstätt Politikwissenschaft, Französisch und Betriebswirtschaftslehre und schreibe gerade an meiner Abschlussarbeit. Im Sommer habe ich die letzten Prüfungen und dann, so Gott will, einen Magisterabschluss in Politikwissenschaft.

WB: Sie haben schon einmal das Angebot „Kloster auf Zeit“ angenommen.
Wie sind Sie darauf gekommen?

Miriam: Seit ein paar Jahren beschäftige ich mich mit dem Gedanken, ob Gott mich dazu beruft, in einer Ordensgemeinschaft zu leben und mit der Frage, wie stark dieser Wunsch auch in meinem Herzen ruht. Und um Klarheit darüber zu bekommen, gibt es keinen besseren Ort als bei IHM selbst, zum Beispiel in einer Ordensgemeinschaft. Auf die Missionsbenediktinerinnen in Tutzing wurde ich durch Mutter Franziska, die Äbtissin vom Benediktinerinnen-Kloster St. Walburg in Eichstätt, aufmerksam.

WB: Wonach suchen Sie?

Miriam: Ich suche nach Gott und damit verbunden natürlich auch nach dem Weg, den Er für mich bestimmt hat.

WB: Welche Menschen haben Sie auf Ihrem bisherigen spirituellen Weg besonders begleitet?

Miriam: Eine Person, die meinen Weg nachhaltig geprägt hat, ist ein Priester aus meiner Pariser Gemeinde während meines Auslandsstudiums. Er war nicht nur Vorbild, wie man die Nachfolge Christi konkret gestaltet, er war auch ein geduldiger Berater für alle Fragen rund um unseren Glauben.
Aber irgendwie habe ich auch das Gefühl, dass der liebe Herrgott uns immer Menschen schickt, die unsere Wegbegleiter werden. Meine besten Freunde, ein verheiratetes protestantisches Ehepaar, haben mich auch immer wieder durch ihre andere Sicht dazu gebracht, meinen Glauben zu hinterfragen, zu überdenken und dann im gemeinsamen Gebet zu stärken. 

WB: Haben Sie auch andere Ordensgemeinschaften besucht, wenn ja, was war anders als in Tutzing?
Miriam: Ich habe natürlich auch andere Ordensgemeinschaften kennengelernt und mich mit den unterschiedlichen Spiritualitäten verschiedener Gemeinschaften auseinandergesetzt. Ich glaube, es gibt da kein Patentrezept, was richtig oder falsch ist. Jeder muss den Ort finden, an dem die eigene Seele zur Ruhe kommt.

WB: Was fällt Ihnen am schwersten, wenn Sie über einen Eintritt in eine Ordensgemeinschaft nachdenken?

Miriam: Ich glaube, ich würde meine Familie und Freunde vermissen. Natürlich kann ich besucht werden, aber es ist doch anders.
Ich reise außerdem sehr gerne und nach einem Eintritt würde ich nicht mehr entscheiden können, morgen möchte ich dahin reisen, und es dann tun. 

WB: Was lockt Sie? 

Miriam: Am meisten zieht es mich in eine Ordensgemeinschaft, weil ich dort mein Leben ganz Christus hingeben kann. Diese Freiheit hat man in der „Welt“ auch, aber es ist bedeutend schwieriger beispielsweise ein so intensives Gebetsleben, wie man es im Kloster hat, zu pflegen.

WB: Was geben Sie anderen jungen Frauen in ähnlichen Situationen mit auf den Weg?

Miriam: Ich würde ihnen sagen, dass sie dem Ruf, der immer wieder im Inneren erklingt, nachgehen sollen. Gott schickt uns keinen Brief, in dem Er uns mitteilt, was er mit uns vorhat, denn das würde bedeuten, dass er uns unserer Freiheit beraubt. Ich denke, dass es auch wichtig ist, Ansprechpartner zu finden, bzw. zu erkennen, um sich über alle Fragen, die mit so einem Weg aufkommen, austauschen zu können. Die Erkenntnis, dass es ein echter Weg ist und nicht eine Entscheidung von heute auf morgen, hat mir persönlich dabei auch weitergeholfen, denn so kann man in die Entscheidung hineinwachsen.

WB: Vielen Dank.