|
Ministrantenarbeit und Berufungspastoral Es ist an der Zeitvon Michael Küchn, Leiter der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz, Düsseldorf |
|
Es war einmal Es war einmal: Die Ministranten galten immer als gutes Reservoir für Priesterberufe. Und wer bei älteren Priestergenerationen nachfragt, erhält diese Aussage bestätigt. Der Dienst am Altar, das Erleben des Heimatpfarrers und die Einbindung in die Gruppe und Gemeinde waren wichtige Erfahrungen, die die Berufswahl Priester unterstützt haben. Ein Wunsch Die Nachwuchsfrage für geistliche Berufe ist in vielen Bereichen der Kirche aktuell. Sie trifft nicht mehr nur auf den Priesterberuf zu. Besonders der Rückgang der Ordensberufe ist erheblich. Aber auch im Bereich der Laienberufe sind erste Anzeichen eines Rückganges zu erkennen. Deshalb ist im Nachklang des Weltjugendtages und der erlebten Begeisterung junger Menschen für den Glauben der Wunsch laut geworden, der Berufungspastoral ein neues Gewicht zu geben. Dabei rückt die Ministrantenarbeit erneut ins Blickfeld. Kann sie es nicht leisten, ja muss sie es nicht leisten, Begeisterung für kirchliche Berufe zu wecken, wie sie es früher getan hat? Die Ministrantenarbeit – ein wichtiges Feld der Jugendpastoral Die Ministrantenarbeit hat sich als wichtige Säule der gemeindlichen Jugendarbeit, neben der verbandlichen, etabliert. Gerade die Aufnahme von Mädchen in den siebziger Jahren gab ihr eine neue Prägung. Eine enorme Zahl von Jungen und Mädchen (ca. 350000) engagieren sich heute allen Unkenrufen zum Trotz in der Kirche. Der Vorteil der Ministrantenarbeit ist, dass den Kindern und Jugendlichen eine konkrete und sichtbare Aufgabe in der Gemeinde übertragen wird. Der Wert und die Qualität der Ministrantenarbeit als gemeindliche Arbeit lassen sich an vier Kompetenzen festmachen, die ihr Profil verleihen: die liturgische Kompetenz als Einsicht in und Erleben der liturgischen Feier des Glaubens, als Gespür für den Umgang mit Liturgie und Fähigkeit sich öffentlich zu bewegen; die Glaubenskompetenz als Ermutigung zum Glauben, als Vertiefung des Glaubens und seiner Alltagsrelevanz und in einem Umfeld, in dem das Wissen über Christentum abnimmt sowie die Fähigkeit für die eigene Sache einstehen können; die sozial-menschliche Kompetenz als Entdeckung und Erprobung der eigenen Fähigkeiten, als Förderung von sozialem Verhalten durch Respekt vor dem Anderen, als Wahrnehmen der eigenen Bedürfnisse und der der Anderen, als Erlernen von Interaktions- und Kommunikationsverhalten, als Übernahme von Verantwortung sowie als Einübung in Konfliktlösung; und die diakonische Kompetenz als Motivation junger Menschen zum Engagement im Aufzeigen von konkreten Gestaltungsmöglichkeiten, damit sie als „Baumeister einer Zivilisation der Liebe und der Gerechtigkeit (Johannes Paul II.)“ in verschiedensten Alltagssituationen sich für Menschen und das Gute einzusetzen können. |
Die Ministrantenarbeit stellt Kindern und Jugendlichen Räume zur Verfügung, in denen sie wesentliche menschliche und religiöse Erfahrungen für eigene Entwicklungen machen und eigenes Engagement entwickeln können. Dies geschieht sinnvoller weise nicht in einer zwanghaft angestrengten Vermittlung, sondern freiwillig und subjektorientiert im begegnenden Miteinander, im freudigen Tun und im spielerischen Gestalten. Die Ministrantenpastoral sollte als wichtige, qualitativ wertvolle Plattform genutzt und gepflegt werden, damit eine größtmögliche Zahl von Kindern und Jugendlichen über sie Zugang zum Glauben findet. Entdecke den Glauben Die Zugänge zum Glauben sind für Kinder und Jugendliche heute nicht mehr so selbstverständlich. Deshalb richtet sich das Augenmerk in der gesamten Jugendpastoral verstärkt auf die Glaubensvermittlung. Der Zugang zum Glauben setzt bei den Fragen junger Menschen an und nimmt diese ernst. So darf Ministrantenpastoral eben nicht nur auf den liturgischen Dienst fixiert sein. Sondern sie wird zu einer gemeinsamen Suche, zu einem gemeinsamen Weg zur Begegnung mit Gott und zur Entdeckung des Glaubens. Kinder und Jugendliche dürfen über ihre eigenen Fragen zu sich selbst, ihrem Menschsein und ihrer Welt entdecken, dass der Glaube eine Bereicherung ist und Perspektiven für das eigene Leben eröffnet. Wie lebe ich mein Christsein – die Frage der Berufung Die Entdeckung des Glaubens als Perspektive für das eigene Leben lässt junge Menschen, die in der Kirche als Ministranten und Ministrantinnen engagiert sind, weiter fragen. Wie kann ich als Christ leben? Was bedeutet Christsein für mich konkret? Wie gelingen meine Beziehungen? Wie entscheide und handle ich richtig? Wo und wie finde ich meinen Platz in der Welt und in der Kirche? Was will Gott von mir? Sicherlich stellen eher ältere Jugendliche diese Fragen. Aber es sind die Fragen nach der eigenen Berufung. Das Thema Berufung ist ein Grundthema der Pastoral und es bietet Chancen jungen Menschen die vielfältigen Möglichkeiten christlichen Lebens aufzuzeigen. Ministrantenarbeit sollte dabei nicht nur die geistlichen Berufe als Antwort parat haben. Das wäre eine bedauerliche Engführung. Sondern sie sollte sich mit den jungen Menschen auf die Suche nach den möglichen und geeigneten Lebensformen und Handlungsweisen machen. Sie sollte junge Menschen für die Anwesenheit Gottes und seinen Ruf im persönlichen Leben sensibilisieren. Ein Verzicht auf die Vorstellung der geistlichen Berufe wäre dabei genauso falsch. Die Bandbreite christlicher Lebensentwürfe und Lebensformen, von der Ehe über Ordensberufe bis zum Priestertum, stellen einen Reichtum dar, der jungen Menschen für ein gelingendes und erfüllendes Leben vielfältige und interessante Wege zeigt. Das Thema Berufung, also die Frage junger Menschen nach ihren Möglichkeiten Christsein zu leben, ist und bleibt aktuell. Es ist sogar an der Zeit verstärkt ohne Scheu, natürlich, überzeugt und ehrlich von den vielfältigen Möglichkeiten christlichen Lebens zu sprechen. Dabei brauchen junge Menschen Personen, die sich mit ihnen auf die Suche machen und von ihren Erfahrungen und Entscheidungen erzählen. Ministrantenarbeit kann einen wichtigen Beitrag liefern, wenn das Thema Berufung immer wieder bewusst einbezogen und sie durch Menschen unterstützt wird, die Zeugen eines gelungenen und erfüllten christlichen Lebens und Begleiter junger Menschen sind. |