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Ministrantenpastoral – ein konzeptioneller Einblick
Ziele der Ministrantenpastoral
von Domvikar Dr. Hans Bauernfeind, Ministrantenpfarrer, Diözesanstelle für geistliche Berufe und Dienste der Kirche, Subregens, Passau
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Ministrantenpastoral Im Bistum Passau gibt es über 8000 Ministranten, die täglich ihren Dienst in den Pfarrgemeinden leisten. Für die jeweils über 4000 Jungen und 4000 Mädchen sind ein Ministrantenpfarrer, eine Referentin (Frau Edith Drexler) und ein Referent (Herr Robert Guder) zuständig. Die Referenten können auf eine große Erfahrung in ihrer Arbeit zurückblicken und haben bei den in unregelmäßigen Abständen wechselnden Ministrantenpfarrern eine gute Kontinuität in die Minis-Pastoral eingebracht. Bewusst ist die Rede von der Ministrantenpastoral. Selbstverständlich handelt es sich im Zusammenwirken mit jungen Menschen immer auch um Kinder- und Jugendarbeit. Dennoch muss kirchlicherseits die Pastoral im Vordergrund stehen. Gemeint ist das Hineinbegleiten in den Glauben und die Pflege einer Glaubenskultur in den schwierigen Lebensphasen persönlicher Entwicklung. Im Blick auf den Dienst, den die Ministrant(inn)en vollziehen, ist dies ein unerlässlicher Aspekt. Haus St. Maximilian und Berufungspastoral Peter Hahnen (Referat Ministrantenpastoral und musisch-kulturelle Bildung bei der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz) hebt in seinem „Survey Ministrantenpastoral 2005“ hervor, dass die Seelsorge mit Ministranten „im Großteil der deutschen Bistümer als wichtiges Arbeitsfeld geschätzt und unterstützt“ wird. Dies trifft unbedingt auf das Bistum Passau zu. Die diözesane Ministrantenpastoral ist im Haus St. Maximilian, dem Haus für geistliche Berufe und kirchliche Dienste, angesiedelt. Dort sind die Diözesanstelle für geistliche Berufe und Dienste der Kirche, die Ausbildungsleitung für die Gemeindereferent(inn)en, das Fortbildungsreferat für die pastoralen Dienste und die Ministrantenpastoral untergebracht. St. Maximilian vernetzt also die Thematik der Berufung in die verschiedenen Bereiche pastoralen Handelns hinein. Den Dienst, zu ministrieren, als Berufung von Christus her zu verstehen und die Entwicklung in der persönlichen Berufung zu fördern, ist daher durchgehendes Thema in der Ministrantenpastoral. Das Bistum Passau greift dabei die Gedanken des verstorbenen Papstes Johannes Paul II. auf, der in seinem Schreiben an die Priester am Gründonnerstag 2004 den engen Konnex zwischen Ministrantenpastoral und Berufungspastoral hervorgehoben hat (vgl. Abs. 6). Ziele der Ministrantenpastoral Aus dieser Perspektive heraus gilt es mit den Pfarrgemeinden, den Priestern, Diakonen, hauptamtlichen und ehrenamtlichen Frauen und Männern zusammenzuarbeiten und die Ministrantenpastoral durch personalen Einsatz, in Gruppenarbeit und Einzelgesprächen, im geistlichen Leben, zeitlich, finanziell sowie alters- und geschlechterdifferenziert zu fördern. Zu den unerlässlichen Aufgaben gehören, den Ministrant(inn)en soziale, liturgische, spirituelle, konfessionelle und berufungspastorale Kompetenz zu vermitteln. Soziale Kompetenz Gemeinschaftsfähigkeit ist wesentlicher Inhalt in der sozialen Kompetenzvermittlung. Es geht darum, miteinander auszukommen, verlässlich zu arbeiten und in der Gemeinschaft sich seiner/ihrer selber immer mehr gewiss zu werden. Hier kann gelernt werden, Konflikte im Gespräch zu lösen und im Blick auf Inhalte diskursfähig zu werden. Aus dem Miteinander in der Gruppe erwächst die Fähigkeit, sich selbstbewusst darzustellen und mutig in der Öffentlichkeit aufzutreten. Für den Dienst am Altar ist dies eine wichtige Qualität. Nicht zuletzt achten die Verantwortlichen darauf, Begabte zu ermutigen, an Gruppenleiterkursen teilzunehmen, um so selbst Mitverantwortung zu übernehmen. Es ist beeindruckend zu erfahren, wie im Laufe der Jahre aus Kindern Jugendliche werden, die selbstbewusst und entschieden Tätigkeiten für die Gruppen vor Ort und bei Kursen in St. Maximilian übernehmen. Liturgische Kompetenz Wenn von der liturgischen Kompetenz die Rede ist, dann geht es um liturgisch-choreografisches Können, aber nicht nur. Mit dem choreografischen Geschick muss sich die Fähigkeit verbinden, das gottesdienstliche Handeln mit dem eigenen Glauben zu verbinden. Der Ministrant/die Ministrantin soll den Dienst als persönlichen Ausdruck des Glaubens verstehen können. Wenn ich hier ministriere, dann bezeuge ich, dass ich glaube. Ich diene dem Priester, dem Diakon, der Gemeinde und in allem diene ich Christus. Darüber hinaus ist darauf zu achten, dass Liturgie als ein Dialog von Gott und Mensch zu verstehen ist, als ein Geschehen, bei dem Christus an und mit uns wirkt und die gottesdienstliche Feier, das Gebet, der Gesang und jedes Tun, auch das des Ministrierens, gläubige, dankbare, lobpreisende Antwort auf das Wirken Christi darstellt. Die Minis sollen immer offener werden für das Geschehen, dem sie dienen. Sie sollen lernen, zu hinterfragen und sich mit eigener Sprache die Feier der Eucharistie erschließen. Schließlich gilt es, sich in verschiedenen liturgischen Feierformen beheimatet zu wissen. |
Spirituelle und konfessionelle Kompetenz Es handelt sich um das Anliegen, dass die MinistrantInnen im Glauben wachsen und sich für die geistliche Wirklichkeit begeistern können – wie Papst Johannes Paul II in seinem Gründonnerstagsschreiben 2004 hervorhebt (vgl. Abs. 6). Es geht also darum, den jungen Menschen zu helfen, sich in der Herzens- und Glaubensbildung zu entwickeln, eine Du-Beziehung zu Christus zu entdecken. Das Vorbild der Verantwortlichen in St. Maximilian und in den Pfarrgemeinden muss dazu beitragen, dass diese Du-Beziehung wachsen kann. Dafür müssen Katechesen, Gebetshilfen, Gottesdienst- und Gebetszeiten zur Verfügung gestellt werden. Gebet und Liturgie-feier bei Wochenenden und Einkehrzeiten müssen von den Ministrant(inn)en schön und erhebend erfahren werden. Es soll klar werden, dass eine feierliche Liturgie den Glauben stärkt. Eine vorbildlich gestaltete eucharistische Anbetung öffnet junge Menschen für die Begegnung mit dem Herrn und vertieft diese. Die Erfahrungen während des Weltjugendtages in Köln 2005 zeigen, dass junge Menschen offen sind für solche Andachtsformen. Unermüdlich ist unser Bemühen, zu vermitteln, dass der eigene Dienst dem Glauben der Gemeinde dient und Kirche aufbaut. Nicht zuletzt gilt es die Ministrant(inn)en zu stärken, entschieden zu Glaube und Kirche im säkularen Milieu stehen zu können. Schon in den Klassenzimmern hören sie, dass sie wohl etwas verrückt sein müssten, wenn sie ministrieren. Um so mehr brauchen sie unsere Unterstützung. Dazu gehört auch die Ermutigung, den Minisdienst nicht an der Sakristeitür enden zu lassen. Man soll es erkennen können, dass ich als Ministrant/als Ministrantin ein Christ, eine Christin bin. Berufungspastorale Kompetenz Papst Johannes Paul II. ruft die Priester in seinem bereits oben genannten Gründonnerstagsschreiben auf, der Sorge für die Ministranten neben anderen Initiativen den Vorzug zu geben, weil diese ein Gewächshaus für Priesterberufungen darstelle. Die Ministrantenschar könne so zu einer Art Vorseminar werden. (vgl. Abs. 6). Ministrantenpastoral hat also einen Ausblick hin auf geistliche Berufungen zum Priester, Diakon und zum Ordensleben. Es geht aber auch darum, dass die Ministranten und die Ministrant(inn)en, befähigt werden, ihren Dienst als Berufung von Christus her zu verstehen. Ein solches Verständnis ermutigt, künftig als Vater oder Mutter die eigenen Kinder im Glauben zu erziehen und in der Kirche zu beheimaten. Es motiviert, sich selbstbewusst ehrenamtlich in der Kirche zu engagieren oder einen hauptamtlichen Dienst in der Kirche anzustreben. Bei der berufungspastoralen Kompetenz handelt es sich also um die Fähigkeit, die eigene Berufung zum Menschsein, zum Christsein und zum ehrenamtlichen oder hauptamtlichen Dienst der Kirche von Christus her erschließen zu können. Nicht zuletzt gehört in diesen Rahmen die Fähigkeit, den Weg zum geistlichen Dienst des Priesters, Diakons oder Ordenschristen/-christin als möglich ansehen und im Blick auf andere im Glauben ein- und wertschätzen zu können. Im Bistum beheimatet Die genannten Ziele leiten dazu an, Ministrantenpastoral im Bistum Passau mit hohem Anspruch zu unternehmen. Selbstverständlich verbindet sich diese Seelsorge mit jugendlichem Elan, wenn es um Fußballturniere von Ministrant(inn)en oder um geistliche Musikveranstaltungen wie der sogenannten Palm-Rock-Night geht, bei der bekannte Gruppen wie Beatbetrieb oder Judy Bailey spielen. Dazu gehören Glaubensfahrten, die große Romwallfahrt 2006, Mädchenarbeit, internationale Zeltlager, eine Ministranten-Arbeitsgemeinschaft und der Einsatz bei größeren Veranstaltungen in der Diözese. Um unsere Ziele öffentlich zu machen, arbeiten wir mit dem Passauer Bistumsblatt, dem Pressereferenten der Diözese, der lokalen Presse und dem ansässigen Privatfernsehen und –radio zusammen. Sehr wichtig ist es, unsere pastoralen Inhalte bei der Ausbildung der Priester und Diakone sowie bei den Pastoralkursen einzubringen. Ebenso bedeutsam sind Fortbildungskurse für die Verantwortlichen der Minispastoral und die Bereitstellung von Materialien. Besonders muss erwähnt werden, dass im Ministrantenreferat jährlich zwei Praktikant(inn)en begleitet werden. Einen wichtigen Faktor bildet die gute Zusammenarbeit mit den Priestern, Diakonen, Ehren- und Hauptamtlichen vor Ort sowie das Vertrauen der Eltern. Bei Ministrantenaufnahmefeiern in den Gemeinden gilt es darum immer wieder, den Eltern und Angehörigen der Ministrant(inn)en und den Gemeinden zu danken; denn aus ihrer Glaubensgemeinschaft sind die jungen Menschen hervorgegangen und trauen sich nun ihren Dienst zu leisten. Damit ein Konzept der Ministrantenpastoral im Bistum daheim sein und wirken kann, braucht es die Akzeptanz und die Unterstützung der Bistumsleitung. Unserem Bischof Wilhelm Schraml liegt die Ministrantenpastoral sehr am Herzen und er fördert sie in den vorliegenden Zielen und in unserer Arbeit. So kann Zukunft wachsen. |
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