Beziehungsweise

von Robert Flossmann, Referent für Ministrantenpastoral und liturgische Bildung Jugendlicher, Augsburg

 

Ministranten. Ministrantinnen und Ministranten. Es gibt sie in fast allen unseren Pfarreien, und es werden immer mehr. Eine Zählung quer durch alle deutschen Bistümer im Jahr 2004 ergab, dass bei steigender Tendenz 391.886 Kinder und Jugendliche in den Pfarrgemeinden ihren Dienst am Altar tun. Die Quote der Mädchen ist mit 49.63% fast genau so hoch wie die der Buben. 1 Für die Ministrantinnen und Ministranten beginnt die „Karriere“ meist nach der Erstkommunion. In den Schulen werben Pfarrer, hauptberufliche Mitarbeiter oder Gruppenleiter, oft ist der Dienst ergänzt durch Gruppenstunden und andere Freizeit-aktivitäten.

Hinter diesen Zahlen verbirgt sich eine große Chance, aber auch eine große Verantwortung, sind es doch Kinder und Jugendliche, die einen wichtigen Abschnitt in ihrem Leben und der Entwicklung ihres Glaubens durchmachen.

Bei denjenigen, die in den Pfarrgemeinden als Ministrantinnen und Ministranten aktiv sind, handelt es sich gerade in Landgemeinden um die Altersgruppe 9 – 14 Jahre. Es sind also junge Menschen in einer Phase, in der der Glaube „laufen lernt“, wie es auch durch die Firmspendung in diesem Alter betont wird. Deshalb ist es sehr wichtig, die jungen Christinnen und Christen zu begleiten, sie nicht für Handlangerdienste auszunutzen und ihnen mit der gleichen Wertschätzung zu begegnen, die etwa Jubilaren in den Pfarrgemeinden zukommt. Kinder und Jugendliche spüren, ob sie willkommen sind und reagieren darauf – mit Beheimatung oder aber auch Entfremdung. Ältere Ministranten sind aus dem gleichen Grund wertvolle Vorbilder für die jüngeren: sie vermitteln, dass der Glaube in unserer Welt Relevanz hat, dass er im täglichen Leben Gottes Kraft spüren lässt.

Die Ministranten vermitteln der Gottesdienstgemeinschaft durch ihren Dienst, was im Gottesdienst passiert. Sie agieren mit den starken Symbolen unserer katholischen Heiligen Messe: Licht, Wasser, Duft und Rauch, dem Kreuz. Ihre Gewänder sind eine Zeitansage: Zeit für Gott - aus dem Alltag heraus und Zeit im Jahr – die vielfältige Zuwendung Gottes, wie sie sich über die Hochfeste und Festzeiten des Kirchenjahres mitteilt.

Ihr Engagement, das meist über das Dienen zu den eingeteilten Zeiten hinausgeht, macht deutlich, dass Gottesdienst und Pfarreileben ein vielschichtiges Miteinander sind, mit verschiedenen Begabungen, Aufgaben und Diensten. Im Gottesdienst erlebt die Gemeinde aktive, junge Gemeindemitglieder, die Botschafter für eine junge Kirche sind.

Ministrantinnen und Ministranten - sie sind „von Beruf“ interessiert am liturgischen Geschehen. Sie sind stolz darauf, „ganz vorne mit dabei zu sein“, das liturgische Geschehen aus nächster Nähe mit verfolgen und mitgestalten zu können. In Sakristei, Pfarrheim und Pfarrhaus erleben sie ehrenamtliche und hauptberufliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Priester und Laien in vielfältigen Aufgaben, Ämtern und Diensten. Oft ergeben sich Gespräche über deren Leben und Berufung und so Impulse für das eigene Leben. Bei wenigen anderen engagierten Gruppen ist die Nähe zum Gottesdienst so selbstverständlich wie bei den Ministranten.

Die sich verändernden Strukturen unserer Pfarrgemeinden – als Stichworte seien nur Seelsorgeeinheiten oder Pfarreiengemeinschaften genannt – bringen auch Einschnitte in den Dienst der Ministrantinnen und Ministranten. Oftmals wird die Zahl der Eucharistiefeiern in den Einzelgemeinden stark reduziert werden müssen, Laien übernehmen den Dienst des Wortgottesdienst-Helfers. Um die Vollwertigkeit von solchen nicht-eucharistischen Gottesdiensten zu betonen, aber auch um den Ministranten das Gefühl zu geben, weiterhin gebraucht zu werden, sollten die Ministranten nicht arbeitslos werden. Teams von Wortgottesdienst-Helfern und die zuständigen Priester sollten sich zusammen mit den (Ober-)Ministranten Gedanken machen, welche Aufgaben Ministranten auch in nicht-eucharistischen Gottesdienstformen übernehmen können.

Neben einer Verarmung für die Vielfalt der Pfarrgemeinden würde ein Rückgang der Sorge um die Ministrantinnen und Ministranten auch den Kindern und Jugendlichen selbst große Chancen für die Gestaltung ihres Lebens nehmen – sie entwickeln ein Gespür für Feierlichkeit, gewöhnen sich an ein Auftreten in der Öffentlichkeit und übernehmen Verantwortung für andere. Dass das nicht nur leere Worte sind, zeigt die große Zahl bekannter bekennender Ex-Ministranten.

Ministrantenpastoral (die Begleitung und Seelsorge an den Ministranten) BEZIEHUNGSWEISE Ministrantenarbeit (das gemeinsame Tun in der Freizeit und auf die Liturgie hin) sind zusammen mit dem Dienst der Ministrantinnen und Ministranten unverzichtbar für die Pfarrgemeinden.

1 Quelle: Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz, afj-pd 05/04 vom 8. Juni.2004