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Ministrantinnen in St. Willibald Ein Erfolgsmodell! von Birgit Janda, München
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Die Ministrantinnen sind in St. Willibald heute vom Altar kaum noch wegzudenken. Doch das war nicht immer so. Vor gut 15 Jahren wurde das Thema ‚Mädchen bei den Ministranten‘ heiß diskutiert, da nicht wie in vielen anderen Gemeinden der Pfarrer, sondern die Ministranten vehement gegen Mädchen im Altardienst waren. Viele der etwa 80 Ministranten hatten sogar gedroht, sofort auszutreten, falls Mädchen kämen, die Zahl der tatsächlichen Austritte blieb jedoch mit zwei (von denen einer später wieder zurückkehrte) recht gering. Denn auch das Hauptargument ‚Mädchen können nicht Fußball spielen‘, konnte den Lauf der Zeit nicht aufhalten: im September 1990 durften Mädchen bei den Ministranten in St. Willibald anfangen. So formierte sich die erste gemischte Gruppe aus Erstkommunionkindern, die von Peter Panitz und mir geleitet worden ist. Anders als die stürmische Diskussionsphase hatte vermuten lassen, empfingen die Ministranten die Mädchen außerordentlich freundlich. Bis Weihnachten konnten alle Frischlinge bereits so gut ministrieren, dass dem ersten großen Auftritt vor der Gemeinde nichts mehr im Wege stand: Die neuen Ministrantinnen und Ministranten führten stolz die größeren an. Die Gruppenstunden der ersten Zeit waren vor allem dem Erlernen des Ministrierens gewidmet, wobei sich bald herausstellte, dass die Mädchen genauso gut und schnell ministrieren lernten wie die Buben, diese jedoch hinsichtlich Eifer und Zuverlässigkeit beim Dienst sogar bald übertrafen, woran sich bis heute nichts geändert hat. Neu waren aber nicht nur die ‚kleinen‘ Ministrantinnen, auch in der Mini-Gruppenleiterunde saß plötzlich eine Ministrantin. Die Zusammenarbeit mit den anderen Gruppenleitern war von Anfang an sehr angenehm, von der anfänglichen Skepsis spürte ich jedenfalls nichts mehr. Die sommerlichen Gruppenstunden der gemischten Minis liefen zwar etwas anders als bei den übrigen Minigruppen – es wurde nur hin und wieder Fußball gespielt – aber dennoch gut. Zu Beginn der Sommerferien fand auch 1991 die traditionelle Ferienfreizeit der Ministranten in Lonato am Gardasse statt. ‚Lonato‘ hatte im Vorfeld ein Großteil des Unwillens der Minis gegenüber Mädchen ausgemacht |
: Mädchen und Buben unter einem Dach – muss man die nicht ständig beaufsichtigen? Was machen die Mädchen bei unserem Fußballturnier? Müssen wir den Tagesablauf völlig umstellen? usw. Bereits die erste ‚gemischte‘ Fahrt nach Lonato hat jedoch gezeigt, dass alle Sorgen unnötig gewesen waren: Die Mädchen fügten sich sehr gut in die Gruppe ein, sie machten bei den Aktivitäten mit und spielten sogar Fußball. Nach der geglückten Lonatofahrt fiel es mir besonders schwer, mich von meiner ersten Gruppe zu verabschieden. Im September übernahm ich dennoch die neue gemischte Gruppe gemeinsam mit dem Praktikanten Michael Riedle, meinen Platz in der vorherigen Gruppe bekam Steffi Immler. Das Projekt ‚Mädchen bei den Ministranten’ – soviel war bereits nach dem ersten Jahr sicher – hatte die Erwartungen der Befürworter übertroffen und die Befürchtungen der Ministranten nicht erfüllt. Die Ministranten in St. Willibald hatten sich in diesem einen Jahr aber nicht nur intern verändert, auch der übrigen Pfarrjugend gegenüber waren sie plötzlich aufgeschlossener. Der ‚Club‘, der gemeinsame Raum aller Jugendlicher ab 16, wurde nach und nach auch zu einem Treffpunkt der größeren Minis. Diese Entwicklung war mir sehr wichtig, da ich auch der neu gewählten Pfarrjugendleitung angehörte und mir somit das Zusammenwachsen der Pfarrjugend am Herzen lag. Mit der zweiten gemischten Gruppe, in der die Mädchen bereits die Mehrheit stellten, waren die ‚Mädchen bei den Ministranten‘ kein Thema mehr. Sowohl der Alltag, also die Gruppenstunden und der Dienst bei den Gottesdiensten, als auch besondere Ereignisse wie Zirkusbesuch, Einkehrtag, Minigruppenleiterwochenende oder der Höhepunkt des Jahres, Lonato, verliefen völlig reibungslos. Auch auf Gruppenleiterebene war die Zusammenarbeit nach wie vor sehr angenehm, inzwischen war ich natürlich auch nicht mehr allein. Obwohl die Mädchen jetzt ganz selbstverständlich zu den Ministranten gehörten, war ich überrascht, nach dem Rücktritt eines Oberminis in das Team der Oberministranten gewählt zu werden. Es bedeutete mir sehr viel die erste Oberministrantin in St. Willibald zu sein. Auch in dieses Amt sind mir mittlerweile andere gefolgt, eine Oberministrantin ist in St. Willibald nichts Außergewöhnliches mehr. Und das ist gut so. |
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