Das Jahr der Berufung in der Diözese Augsburg
„Ihr habt Berufung aus der Ecke geholt"
Von Pfarrer Herbert Kohler, Leiter der Diözesanstelle Berufe der Kirche
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Vom 1. Adventssonntag 2003 bis zum Christkönigssonntag 2004 fand in der Diözese Augsburg das Jahr der Berufung statt. Domkapitular Dr. Bertram Meier und das Team der Diözesanstelle Berufe der Kirche, Pfarrer Herbert Kohler, Sr. Emmanuela Hartmann und Gemeindereferentin Maria Rettig waren mit der Durchführung betraut. Pfarrer Herbert Kohler blickt im folgenden Beitrag auf dieses Jahr zurück. Gratulation! Das Jahr der Berufung war ja eine Erfolgsgeschichte." Der junge Mann, Jugendpfleger an einer Regionaljugendstelle, schüttelt mir die Hand und blickt mir offen ins Gesicht. Er scheint es ernst zu meinen. Ich bin trotzdem etwas unsicher und frage: „Ja, danke, aber was meinst Du mit ‚Erfolgsgeschichte’?" Mein Kollege zögert nicht: „Na, es war doch überall vom Jahr der Berufung zu hören. Bis in die kleinsten Dörfer. Immer wieder sah man die Plakate und Materialien. Ihr habt ‚Berufung’ wirklich aus der Ecke geholt!" Solche und ähnliche Reaktionen erreichen uns immer wieder. Sie entsprechen auch unserem Eindruck. Im vergangenen Kirchenjahr ist „Berufung" in der Diözese Augsburg auf allen Ebenen, an vielen Orten und bei vielen Gelegenheiten neu ins Bewusstsein gekommen. Sie ist aus ihrer Nische bei „Berufe der Kirche" heraus und in die breite Öffentlichkeit unseres Bistums hinein getreten. Dabei gibt es natürlich große Unterschiede von Ort zu Ort: von gelegentlichen Gebeten und Fürbitten angefangen über Predigtreihen und persönliche Lebenszeugnisse bis hin zu eigens angesetzten Familientagen oder Wallfahrten. Das Jahr der Berufung hat eine große Breitenwirkung entfaltet. Ist es aber auch in die Tiefe gegangen? Hat es Menschen wirklich berührt und auf die Spur ihrer Berufung gebracht? Diese Frage lässt sich nur ansatzweise beantworten. Berufung geht das Innerste des Menschen an und entzieht sich dem Blick von außen. Trotzdem möchte ich versuchen, an drei Beispielen tiefer gehende Wirkungen aufzuzeigen. Berufung – ein Schlüsselwort für Ehrenamtliche Vor und während des Berufungsjahres haben meine Kolleginnen und ich zahlreiche Einkehr- und Studientage mit Pfarrgemeinderäten durchgeführt. Dabei machten wir die Erfahrung, welche Kraft die Sache der Berufung bei den so genannten „Ehrenamtlichen" entfaltet. Die meisten von ihnen brachten das Wort bisher ausschließlich mit Priestern und Ordensleuten in Verbindung. Es war faszinierend, wie berührt viele waren, sich selbst ernsthaft als „Berufene" zu sehen. Und es war bewegend, erste Versuche anzustoßen und zu begleiten, über die eigene Berufung zu sprechen. „Ich bin doch nichts Besonderes", meinten viele und staunten, wenn andere ihnen Wertschätzung und eine Beschreibung ihrer Talente entgegen brachten. Nach meinem Eindruck haben viele ihr „kirchliches Ehrenamt" auf ihre Berufung hin vertieft. Der Satz von Kardinal Newman: „Ich bin berufen, etwas zu sein oder zu tun, wozu keinen anderer an meiner Stelle berufen ist" zog sich wie ein roter Faden durch das Jahr. Dieser Faden muss dringend weiter gesponnen werden und möglichst viele Christen mit einbinden. Unsere Gemeinden brauchen in Zukunft mehr denn je „berufene Ehrenamtliche"! Berufung lebt von Begegnung Das Jahr der Berufung gab den Anstoß zu vielen Begegnungen von (jungen) Menschen mit kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. - So bot etwa das Augsburger Priesterseminar über unser „Bonheft" an, in kleinen Gruppen Pfarrgemeinden zu besuchen und sich dem Gespräch und der Begegnung zu stellen. Dieses Angebot war in wenigen Tagen „ausgebucht" und verlief so erfolgreich, dass es bereits wiederholt wurde. |
- Berühmt wurde der „Berufungshocker" der Gemeinde Seefeld. Auf ihm sitzend erzählten bei Gottesdiensten ganz unterschiedliche Menschen aus Kirche, Politik und Wirtschaft von ihrem Lebens- und Berufungsweg. - Tausende Besucher lernten bei der „Nacht der Klöster" am 31. Januar 2004 das Ordensleben besser kennen und kamen mit den Ordensleuten ganz persönlich ins Gespräch. - Pastoral- und Gemeindereferentinnen und –referenten, Diakone, Priester und Ordens-christen kamen auf Einladung in Schulklassen und berichteten von ihrem Beruf und ihrer Berufung. Auch „face to face", so der Name dieses Angebots, läuft auf Wunsch vieler Lehrer/-innen weiter. - Unvergessen bleiben viele Begegnungen bei den Jugendvespern in unserer Diözese. In St. Ottilien musste Anfang Mai 2004 die Kirche wegen Überfüllung geschlossen werden. Über 1.000 meist junge Besucher waren von der Atmosphäre und der Berufungsgeschichte eines ehemaligen Internatsschülers sehr bewegt. Die Liste könnte noch länger werden. Sie zeigt: Berufung bekommt durch Menschen und ihre ganz persönlichen Lebenswege ein Gesicht. Sie wird konkret und greifbar, oft sogar spannend und aufregend, nicht selten auch dramatisch. Und dadurch „lebt" Berufung. Der Funke ist übergesprungen. Berufung heißt Gott ins Spiel bringen Berufung geschieht in Begegnungen und ist zugleich ein Weg nach innen. Es geht darum, Gott ins Spiel des eigenen Lebens zu bringen. Um dies zu unterstützen, fanden im Jahr der Berufung eine ganze Fülle von spirituellen Angeboten statt: Einkehrtage, Besinnungswochenenden, Exerzitien. Dabei konnten wir mit vielen Ordensgemeinschaften und Bildungshäusern kooperieren. In der Fastenzeit 2004 startete der Internetkurs „Touch me, Gott", bei dem Hunderte von Jugendlichen vier Wochen lang täglich einen geistlichen Impuls in der „soularea" fanden und für sich bearbeiten konnten. Tausende von Erwachsenen beteiligten sich an den Exerzitien im Alltag zum Jahr der Berufung. Eine Reihe von jungen Menschen ließ sich auf Intensiv-angebote zur persönlichen Orientierung ein, beispielsweise auf den Berufungs-Suchweg. Durch diese Angebote wurden junge Menschen ermutigt, sich für einen geistlichen Beruf oder kirchlichen Dienst zu entscheiden. Darüber freuen wir uns und dafür sind wir dankbar, denn das kann letztlich nicht gemacht werden. Gleichzeitig bedauern wir, dass durch die Sparzwänge in unserer Diözese nicht allen Interessierten eine Anstellung im kirchlichen Dienst zugesichert werden kann. Umso mehr haben wir großen Respekt vor denjenigen, die trotz unsicherer Perspektiven ihre Ausbildung für einen pastoralen Beruf fortführen. Wir ermutigen und unterstützen sie, ihren Berufungsweg zu gehen. Das Anliegen geht weiter Das Jahr der Berufung ist zu Ende, aber das Anliegen geht weiter! Auch wenn bei diesem Projekt vieles angestoßen wurde, sehen wir noch genügend Brachland. Wir werden uns dafür einsetzen, dass „Berufung" noch stärker in der Schule thematisiert wird, und zwar nicht nur im Religionsunterricht. Das Gleiche gilt für die kirchliche Jugendarbeit und die Jugendverbände. Und nach wie vor sehen wir es als unsere Herausforderung, „Berufung" aus der Ecke des bloß Spirituellen oder der Priester- und Ordensberufe zu holen, um sie als Schlüsselwort des Lebens und Glaubens zu erschließen. Weitere Informationen finden Sie auf unserer Homepage: www.berufung-augsburg.de |
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