Qualifizierung für die Schulpastoral

Von Ulrich Geißler, Würzburg

Die Schule wird in Gesellschaft und Kirche immer mehr als ein wichtiger Lebensbereich wahrgenommen. Sie ist der einzige pastorale Ort, an dem wir als Kirche noch mit allen Kindern und Jugendlichen in Kontakt treten. Der Lernort Schule hat sich in den vergangenen Jahren verstärkt auch zum Lebensraum für viele Menschen entwickelt. Weitere gesellschaftliche Veränderungen veranlassen Staat, Gesellschaft und Kirche dazu, Schulleben, Schulkultur und Schulentwicklung mit unterschiedlichen Beiträgen zu fördern und zu unterstützen.

Qualifikation für schulpastorale Arbeit

Um das zu verwirklichen, braucht es vielfältige fachliche, pädagogische, didaktische und personale Kompetenzen.

Lehrerinnen und Lehrer werden im Studium in erster Linie fachwissenschaftlich gebildet. In der 2. Ausbildungsphase steht die didaktische, methodische und pädagogische Qualifizierung für den Unterricht im Vordergrund. Für die schulpastorale Praxis braucht es noch weitere Fähigkeiten, die teilweise auch für den Unterricht vorausgesetzt werden, die aber in der herkömmlichen Ausbildung bisher nicht unbedingt im Mittelpunkt standen. Dazu gehören z.B. Teamfähigkeit, Kooperationsfähigkeit und Kommunikationsfähigkeit, Empathie, Fähigkeit zur strukturellen Analyse der Schule als System sowie schließlich die hermeneutische und spirituelle Kompetenz, die jeweilige Situation im alltäglichen Schulleben sinnvoll zu deuten und entsprechend zu handeln.

In der 2. Ausbildungsphase der pastoralen Berufe spielt nach meinem Eindruck die Förderung personaler Kompetenzen eine wichtigere Rolle als bei Lehrkräften. In der Fülle der Arbeitsfelder der Gemeindepastoral läuft jedoch teilweise die Schule „mehr am Rande mit". Erstmals in der Diözese Würzburg beschäftigten sich im Schuljahr 2002/2003 sowohl die Berufsgruppen der Gemeindeassistent(inn)en und Religionslehrer/innen i.K. als auch der Kapläne und Pastoralassistent(inn)en in ihrer 2. Ausbildungsphase jeweils einen Tag lang mit Schulpastoral.

In der „3. Phase" der Berufspraxis bietet für alle an Schulpastoral interessierten Lehrkräfte und pastoralen Berufe das Referat Schulpastoral, zum Teil in Kooperation mit den Fortbildungsreferenten des Schulreferates, Fortbildungsveranstaltungen an, um schrittweise Kompetenzen auszubauen und die Qualifikation für schulpastorale Arbeit zu stärken.

Die Auseinandersetzung mit inhaltlichen Schwerpunkten wechselt sich ab mit spirituellen und persönlichkeitsbildenden Angeboten.

 

Fortbildungsveranstaltungen

Ab September 2005 wird zum dritten Mal in unserer Diözese der eineinhalb Jahre dauernde Weiterbildungskurs Schulpastoral angeboten. Bei dieser Weiterbildung geht es in großer Breite und Vernetzung verschiedener Lernebenen um die Bildung umfassender Kompetenzen für das Arbeitsfeld Schulpastoral.

Ziel des Kurses ist es, dass die Teilnehmer/innen persönliche, kommunikative, fachliche und methodische Kompetenz in ihrem beruflichen Handeln erwerben und vertiefen. Zu den Inhalten gehören die Auseinandersetzung mit der eigenen Person und Rolle, der eigenen Spiritualität, der Glaubens- und Lebensgeschichte ebenso wie die institutionellen Rahmenbedingungen, die Lebenswelten von Schülerinnen und Schülern als auch methodisches Arbeiten mit Einzelnen und Gruppen.

Die Fortbildung ermöglicht den Teilnehmer/-innen, theoretische Grundlagen und praktisches Handeln in einem langfristigen Lernprozess zu verknüpfen und ein eigenes Konzept der Schulpastoral zu entwickeln. Das Lernen im Hier und Jetzt der Kursgruppe und die Weiterentfaltung der beruflichen Praxis gehen dabei Hand in Hand. Im Mittelpunkt steht das Lernen an und mit der eigenen Person als wichtigstem „Medium" im Umgang mit Menschen.

Diese Weiterbildung erfordert von den Teilnehmer/-innen einen hohen Aufwand an Zeit und Kraft. Gleichzeitig wurde dadurch bei allen bisherigen Kursabsolventen die berufliche Zufriedenheit und Motivation erhöht.

Eine Absolventin des 1. Kurses schrieb in ihrer Abschlussarbeit: „Die Weiterbildung Schulpastoral und die damit verbundene Zusatzqualifikation haben mir in meinem Beruf als Religionslehrerin maßgeblich geholfen, den Blick zu schärfen in vielerlei Hinsicht. Wenn es auch manchmal so aussieht, als geschehe Schulpastoral in einigen wenigen Aktionen, oder wenn es scheint, als sei es nichts Neues, so kann ich dem nur entgegenstellen, dass sich für mich Qualität und Intensität verändert, ja zum Positiven hin verändert haben. Ich fühle mich durch die verschiedenen Angebote und Stationen der Ausbildung qualifiziert in vielerlei Hinsicht, besonders in der Wahrnehmung von Zusammenhängen im System Schule, aber auch in der Wahrnehmung von Menschen. Mittlerweile sehe ich die schulpastorale Arbeit als eine sehr ernst zu nehmende, ja wichtige und gehaltvolle Tätigkeit an, die den Menschen in unserem Schulsystem wieder mehr in den Mittelpunkt stellt, den Menschen mit seinen Sorgen und Nöten, Ängsten, Schwächen und mit seiner religiösen Sehnsucht."

Weitere Informationen: www.schulpastoral.bistum-wuerzburg.de