Kirche und Sport
Von Pfarrer Hans-Gerd Schütt, Krefeld, Geistl. Bundesbeirat der DJK
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Bei der Wahl des Leitwortes für die Berufungspastoral 2004 ließ man sich auch von den beiden sportlichen Großereignissen dieses Jahres inspirieren, der Fußball-Europameisterschaft in Portugal und den Olympischen Spielen in Athen. „Damit Gott ins Spiel kommt – Nachfolge wagen, Berufung leben" nimmt Sport und Spiel als Bild auf und ist offen für viele Assoziationen. Das Wort regt aber auch zu Überlegungen an, wie Gott in jenes Spiel kommt, das für viele Menschen das halbe Leben bedeutet und wie er von da aus überhaupt ins Spiel des Lebens kommt. Im katholischen Sportverband DJK ist dieses Anliegen nicht nur Thema, sondern stets angestrebte Lebenswirklichkeit. Das Leben des heutigen Menschen zerfällt zunehmend in unterschiedliche Lebensräume. Meist sind die Lebensräume streng von einander getrennt. So gibt es den Lebensraum Kirche und den Lebensraum Sport, hier der Glaube, dort Freizeit und sportliche Aktivität. Erschwerend kommt für die Kirche hinzu, dass man sie meist mit dem gemauerten Gebäude assoziiert. So scheint der Glaube gewissermaßen von einer Mauer umfasst und eingefriedet zu sein und draußen in der Welt spielt er eher eine untergeordnete Rolle. Dabei will gerade der Glaube das Leben durchdringen und zu einem gelingenden Leben beitragen. So darf die Kirche sich nicht in ihre Mauern zurückziehen, sondern sie ist gesendet zu den Menschen. Der Sport als Freude und Ausgleich zum Lebensalltag bietet viele Möglichkeiten, als Christ ein Stück Nachfolge zu wagen und seine Berufung zu leben. Berufung zu sich selbst Wir Christen stehen ja immer wieder in der Versuchung unseren Glauben als eine exklusive Sache unseres Denkens zu verstehen. Der Körper mit seinen vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten gehört genauso dazu und damit auch die Freude an Sport und Spiel und an Bewegung. Im Sport erfahren wir, dass unser Körper uns anvertraut ist, dass wir Verantwortung für ihn tragen. In und mit ihm gestalte ich mein Leben. Ich entdecke meine Möglichkeiten, zugleich aber auch meine Grenzen. Ich habe ganz persönliche Möglichkeiten und Fähigkeiten auch in Sport und Spiel. Vor Gott braucht nicht jeder ein Hochleistungssportler zu sein. Er sagt sein Ja zu uns mit unseren je persönlichen Fähigkeiten, unabhängig von Lebensalter, Leistungsvermögen und körperlicher Verfassung. So kann der Sport zu einem Lebensraum werden, in dem ich in besonderer Weise das christliche Menschenbild erfahren und gestalten kann. Berufung zur Gemeinschaft Sport hat auch immer mit Gemeinschaft zu tun. Ob als Sportlerin oder Sportler oder als Sportbegeisterter, immer wieder erfahre ich mich auch |
als Teil einer Gemeinschaft, sei es im Verein oder im sportlichen Miteinander. So erfahre ich als Mensch, dass ich auch immer wieder auf andere, auf die Gemeinschaft verwiesen bin. Und so wie ich von der Gemeinschaft Verantwortung mir gegenüber erwarte, so habe ich selbst auch Verantwortung gegenüber der Gemeinschaft und der Gesellschaft. So sind Christen im Sport aufgerufen, aus ihrem christlichen Glauben heraus Antworten zu geben, Hilfe zu bieten und den Lebensraum Sport zu gestalten. Dazu brauchen wir Werte und Orientierung. Der Sport aus sich heraus kann diese nicht schaffen und definieren. Der Mensch braucht ein Bezugssystem. Für uns ist dies die lebendige Botschaft des Evangeliums. Berufung zur Freude Schon König David brachte im Tanzen seine Freude vor Gott zum Ausdruck. Freude an Sport und Spiel kann somit eine Fortsetzung jener Lebensfreude sein, die uns Christen auszeichnen sollte. Freude kann aber auch auf vielfältige Weise getrübt sein, gerade der Sport weiß davon zu berichten. So gibt es vielfältige Bedrohungen dieser Freude, da ist Leistungsmanipulation (Doping), da ist unfaires Verhalten, da ist das Absolutsetzen von Höchstleistungen um jeden Preis. Die Frage nach den Finanzen gehört ebenso dazu, wie die Frage nach Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit. In diesen Spannungsfeldern bin ich als Christ herausgefordert zur Verantwortung und zum Zeugnis. Besinnung und Bewegung Hinzu kommt aber noch etwas anderes. Da für die allermeisten Sport und Spiel als eine Qualität ihrer Freizeit erfahren wird, somit als außerhalb des Lebens- und Berufsalltages erfahren wird, sind Menschen hier oft empfänglicher auch für Themen, die mit dem Sport zunächst direkt nichts zu tun zu haben scheinen. Dazu gehört auch die Frage des Glaubens und die Frage nach dem Weg und Ziel unseres Lebens. Immer wieder darf ich in meiner Arbeit die frohe Erfahrung machen, dass Menschen aller Generationen dankbar sind für Zeiten der Ruhe und der Besinnung auch im sportlichen Tun. Die Erfahrung, das sportliche Miteinander mit einem Impuls, mit einem Gebet, mit einer kleinen Meditation zu beginnen und zu beschließen, bringt für viele auf dezente Weise in ihrem Leben noch einmal Gott ins Spiel. Dies zeigt auch die zunehmende Inanspruchnahme von Sportexerzitien, die Besinnung und Bewegung miteinander verknüpfen. Hier liegt auch die große Herausforderung für einen katholischen Sportverband wie die DJK. Wo die christliche Botschaft wie ein Staffelstab weitergereicht wird und Halt und Orientierung bietet, kommt Gott ins Spiel des Lebens. |
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