Zwölf Optionen zum Weihepriestertum

Profilieren statt nivellieren

Eine Initiative der Verantwortlichen für die Priesterbildung


Im März 2003 legte die Regentenkonferenz, d.h. die Leiter der Priesterseminare in Deutschland, folgende zwölf Optionen zum Weihepriestertum vor. Der WEGBEREITER dokumentiert sie mit dem gekürzten Vorwort, um im Sinne der Regenten zum Gespräch anzuregen.

Vorwort

Der Dienst geweihter Priester ist unverzichtbar für die Kirche. Aufgrund dieser Überzeugung kann sich die Deutsche Regentenkonferenz nicht ab­finden mit sinkenden Zahlen von Priestern und Priesterkandidaten in un­serem Land. In aller Entschiedenheit starten die Verantwortlichen für die Priesterbildung in Deutschland hiermit eine Initiative, welche das Verständ­nis für das sakramentale Amt fördern, Lebens- und Arbeitsmöglichkeiten von Priestern sichern und verbessern, die Priesterbildung an die Heraus­forderungen der Zeit anpassen und die Berufungspastoral profilieren soll. Die vorgelegten zwölf Optionen sollen auf allen kirchlichen Ebenen und bei allen interessierten Gesprächspart­nern zur Auseinandersetzung mit dem Weihepriestertum anregen.

Wenn die Deutsche Regentenkonferenz engagiert für das Priestertum des Dienstes eintritt und durchaus zugespitzte und provozierende Optionen formuliert, dann geschieht dies in Wertschätzung anderer pastoraler Be­rufe, allerdings auch in der Sorge, dass die Besonderheit und unverzicht­bare Bedeutung des Weihepriestertums zum Schaden aller Glieder der Kir­che verdunkelt werden könnte. Handeln nach dem Grundsatz „Profilie­rung statt Nivellierung" kommt allen pastoralen Berufen zugute! Für den priesterlichen Dienst wie für den Entscheidungsprozess von Priesterkan­didaten bedarf es einer klaren Ortsbestimmung des priesterlichen Diens­tes sowie Rahmenbedingungen, welche die menschliche und geistliche Exi­stenz fördern.

Eine 24seitige Broschüre mit Kommentar zu den Optionen kann im Priesterseminar Paderborn, Leostr. 19, 33098 Paderborn bestellt werden. 

E-Mail: priesterseminar@erzbistum-paderborn.de

Optionen

Jesus Christus führt die Menschen zur Einheit mit Gott und unter­einander. Diesem Heilshandeln als Zeichen und Werkzeug zu die­nen ist der Auftrag der Kirche und ihrer Seelsorge. Sendung des Priesters ist es, an den Angelpunkten kirchlichen Lebens darzustel­len, dass Christus Grund, Herr und Mitte der Kirche ist.

ZUR BEDEUTUNG DES SAKRAMENTALEN AMTES

1. Mut zum Wesentlichen

Besser den Hirtendienst Christi sichtbar machen durch Ver­kündigung des Wortes Gottes, Feier der Sakramente und die­nende Hingabe - als sich im Vielerlei anderer Aufgaben ver­lieren.

2. Mut zur Vielfalt

Besser das je eigene Profil der pastoralen Dienste schärfen - als sie zu Lückenbüßern für fehlende Priester machen.

3. Mut zur Lücke

Besser im Vertrauen auf Jesus Christus das Fehlen von Pries­tern aushalten - als das Wesen der Kirche und ihres Amtes durch pragmatische Ersatzlösungen verdunkeln.

ZUM DIENST UND LEBEN DER PRIESTER

4. Mut zur geistlichen Mitte

Besser sich als Seelsorger vor und in allem um die geistliche Mitte bemühen - als alle überkommenen Ansprüche und Er­wartungen bedienen wollen.

5. Mut zu missionarischem Geist

Besser neue missionarische Akzente setzen - als alle Kräfte im binnenkirchlichen Raum binden.

6. Mut zur Communio

Besser um der Sendung willen Formen gemeinsamen Lebens verwirklichen - als für eine flächendeckende Versorgung die Vereinsamung von Priestern in Kauf nehmen.

ZUR PRIESTERBILDUNG

7. Mut zu Entschiedenheit

Besser von Priesterkandidaten eindeutige Zeichen für die Eig­nung zum priesterlichen Dienst einfordern - als die Betroffe­nen der Überforderung aussetzen und den Gemeinden zumu­ten.

8. Mut zu Verbindlichkeit

Besser in der Seminarzeit ein verbindliches Leben nach dem Evangelium verwirklichen sowie die Gemeinschafts- und Kooperationsfähigkeit einüben - als Strukturen der Überversor­gung konservieren.

9. Mut zur Konzentration

Besser eine qualifizierte Priesterbildung in lebensfähigen Se­minargemeinschaften gewährleisten - als am Eigenleben zu kleiner Seminare mit aller Kraft festhalten.

ZUR BERUFUNGSPASTORAL

10. Mut zu Idealen

Besser die faszinierende Herausforderung der Christusnach­folge zumuten - als durch ständiges Problematisieren die Glaubensfreude ersticken.

11. Mut zu Realismus

Besser offensiv für das Priesteramt in seiner derzeitigen Ge­stalt eintreten - als durch fehlende Ermutigung ein Lebensengagement in der Kirche erschweren.

12. Mut zu gemeinsamer Verantwortung

Besser das Volk Gottes in seiner Verantwortung für Priesterberufe in die Pflicht nehmen - als das kirchliche Leben priester­los organisieren.