| Barbara
Götz, Augsburg, Bundesvorsitzende der Berufsgemeinschaft
der Pfarrhaushälterinnen im Gespräch mit P. Werder SDS
WB: Wie ist das
Verhältnis von „Angebot und Nachfrage“ beim Beruf der
Pfarrhausfrau?
Barbara Götz: Bayernweit
gibt es mehr Frauen, die sich für diesen Dienst
interessieren als Pfarrer, die eine Pfarrhausfrau suchen.
Es gibt heute weniger Pfarrer und von den wenigen wollen
auch immer weniger eine Vollzeithaushälterin. Diese
Tendenz bei den Pfarrern hängt sicher zum einen damit
zusammen, dass sie sich nicht so eng binden wollen, z.B.
was ihre Zeiteinteilung anbelangt. Aber es ist auch die
unmittelbare Nähe, die Tatsache, mit einer Frau unter
einem Dach zu wohnen, was manche scheuen, denn sie sind
heute dem kritischen Blick einer Öffentlichkeit
ausgesetzt, die ein solches Lebensmodell nicht versteht.
Eine Rolle spielt auch die finanzielle Belastung, die für
den Pfarrer trotz des Zuschusses, den die Diözesen heute
geben, entsteht.
WB: Nicht selten kann
man die Klage hören, dass dieser Beruf zu wenig wertgeschätzt
wird.
Barbara Götz: Die
Hausfrau erfährt relativ wenig Wertschätzung in unserer
Gesellschaft. Und damit hängt auch die Wertschätzung der
Pfarrhausfrau zusammen. Dazu kommt, dass die Entwicklung
der verschiedenen Dienste in der Kirche die Haushälterin
ziemlich an den Rand gedrängt hat. Das wird auch sichtbar
in den Darstellungen der Berufungspastoral, wo wir oft gar
nicht vorkommen. Aber wo man Gastfreundschaft in einem
Pfarrhaus als Wert erkennt, wo Menschen spüren, dass sie
willkommen sind und daheim sein dürfen, da erfährt auch
eine Pfarrhausfrau Wertschätzung.
Eine Rolle spielt auch die Entwicklung des Lebensstils
heute, die Tendenz zu Fastfood; das
Um-den-Tisch-versammelt sein, diese Kultur geht oft
verloren, wer sorgt sich darum? Dieses Versammelt sein um
den Tisch war Jesus wichtig, er ist gerne bei Maria und
Marta eingekehrt. Ein Beispiel ist auch Lydia, die Purpurhändlerin,
die Paulus eingeladen hat. Wenn heute ein Priester
Gottesdienst feiert, wo ist dann die Fortsetzung im Leben,
wo kann er am anderen Tisch seine Gäste einladen, wo ist
es möglich, Agape zu feiern, nicht nur an besonderen
Festtagen, sondern im Alltag?
WB: Die Pfarrhausfrau
ist nicht nur Angestellte des Pfarrers, es braucht auch
ein Vertrauensverhältnis. Ist das nicht eine schwierige
Balance von Nähe und Distanz?
Barbara Götz: Es ist
immer die Kunst das richtige Maß zu finden. Es ist
bestimmt ein ganz besonderes Arbeitsverhältnis. Nur in
einem Verhältnis des Vertrauens und der Solidarität ist
es möglich, dass die Pfarrhausfrau dem Pfarrer auch
einmal etwas sagen kann, was ihm sonst in der Gemeinde
niemand sagen würde, oder dass sie für eine gewisse
Lebenskultur auch im Privaten sorgt, ihn auch einmal an
Termine oder Zeiten erinnert.
Ein solches Verhältnis ist nur möglich, wenn man es vom
Religiösen, vom Geistlichen her sieht. Ich darf als
Pfarrhaushälterin auch nicht einfach auf den Pfarrer
fixiert sein. Das Pfarrhaus sollte auch nicht der einzige
Lebensraum sein. Darin sehe ich auch eine Aufgabe unserer
Berufsgemeinschaft, die nicht nur berufsbezogen ist,
sondern auch eine Form schwesterlicher Verbundenheit
darstellt, wo ich mich auch mal von der Nähe zu einem
Menschen distanzieren kann und noch eine andere
Gemeinschaft habe.
WB: Zu diesem Beruf
gehört eine Berufung.
Barbara Götz: Ja, ich
muss einen Ruf Gottes für diesen Weg erspüren, weil
meine ganze Existenz dabei sein muss. Diese Lebensform ist
nur aus dem Glauben heraus zu verstehen und gut zu
gestalten und insofern ist es auch ein geistlicher Beruf.
Eine Frau, die spirituell offen ist, kann in dieser
Aufgabe und in diesem Lebensmodell Erfüllung finden.
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Berufsgemeinschaft
- Sie ist von der Dekanats- bis auf Bundesebene vertreten
- Sie ist ein Ort der Gemeinschaft und des geistlichen Lebens, eine Plattform, um sich gegenseitig zu unterstützen und miteinander zu beraten und sich weiterzubilden
Orientierungskurs
Er bietet die Möglichkeit, das notwendige Wissen für die vielfältigen Aufgaben des Berufes zu erwerben und über die persönliche Einstellung und Haltung zu den Menschen zu reflektieren.
E Inhalte:
- Was ist ein Pfarrhaus?
- Warum bin ich Pfarrhaushälterin?
- Wer bin ich? Wer bin ich als Glaubende?
- Wer begegnet mir im Pfarrhaus?
- Wer begegnet mir in der Gemeinde?
- Was muss ich über die pastorale Arbeit wissen?
- Feste im Pfarrhaus und in der Gemeinde
- Das Pfarrhaus – mein Arbeitsplatz
- Die Berufsgemeinschaft der Pfarrhaushälterinnen
- Anregungen zu kreativem Tun in Freizeit und Beruf
- Der Kurs besteht in drei Wocheneinheiten, die auf drei Jahre verteilt sind, so dass Bildungsurlaub beantragt werden kann.
Verdienst
Im Alter von 35 Jahren nach drei Dienstjahren ca. 1500,- € Brutto, darin sind die Sachbezugswerte von Kost und Wohnung enthalten.
Kontakt
Berufsverband
Prinz-Georg-Straße 44
40477 Düsseldorf
Tel.: 0211/449 92 56 |