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Packendes,
Glaubhaftes
Ringen
Von Markus Krell (38),
Pfarrer in Ruderting bei Passau.
Bodenhaftung
Auch wenn es etwas paradox klingen mag: ich ermutige den PGR immer wieder, anderer Meinung als ich zu sein, mich gegebenenfalls zu überstimmen und damit von irgendeinem Holzweg abzubringen. Meine Aufgabe kann es doch nicht sein, „kraft Amtes“ etwas durchzusetzen, sondern durch Überzeugungsarbeit Anhänger für ein Vorhaben zu gewinnen. Sicher ist es manchmal nicht leicht, bei entsprechenden Abstimmungen zu unterliegen - ich werde dann aber auf den Boden der Tatsachen gebracht, ein Abheben ist fast nicht möglich. Und vieles ist eben auch für mich viel leichter auf die Wege zu bringen, wenn ich genügend Rückendeckung habe - wobei ich den PGR schon manchmal freundlich ermahne, zu den gefassten Beschlüssen zu stehen und bei Kritik von außen dann nicht gleich „umzufallen“. Umgekehrt verlange ich von mir auch, dass ich in der Öffentlichkeit hinter Beschlüssen stehe, die eigentlich gegen meine Ansicht waren - dies ist eine Sache der Fairness und guter demokratischer Gepflogenheit. Im übrigen bin ich auch schon sehr dankbar gewesen, wenn der PGR hinter mir gestanden ist, wenn mich erzkonservative „liebe“ MitchristInnen abzuschießen versuchten ...
Demokratie
Apropos Demokratie in der Kirche - für manche bekanntlich immer noch ein Reizwort: Meines Erachtens kann und darf es nicht sein, dass beim Übertreten der Schwelle zur Kirche oder zum Sitzungssaal der gesunde Menschenverstand abgegeben werden muss, sprich alle demokratischen Rechte (und Pflichten) draußen bleiben müssen. Und deswegen hat in der Ordnung für das Apostolat der Laien im Bistum Passau, bei deren (mittlerweile in kraft gesetzten) Neufassung ich auf ausdrücklichen Wunsch des Diözesanrates mitarbeiten sollte und durfte, etwas durchaus Pikantes seinen Platz gefunden: Der Paragraph 3 „Rechte“: „Der Pfarrgemeinderat wirkt bei allen Aufgaben, die die Pfarrgemeinde betreffen, je nach Sachbereich beratend oder beschließend mit...”
Sitzungskultur
Was die Sitzungskultur in PGR’s betrifft, so hat es sich sehr bewährt, die Sitzungsleitung immer dem oder der Vorsitzenden zu lassen (sowieso selbstverständlich), sie sich aber als Pfarrer auch nie zuschieben zu lassen. Gute Erfahrungen habe ich auch mit den Ausschüssen gemacht - so manche sonst elend lange PGR-Sitzung hat sich durch gute Vorarbeit eines Ausschusses (z.B. Festausschuss) sehr sinnvoll verkürzen lassen. Auch PGR-Sitzungen ohne mich (natürlich nicht grundsätzlich, sondern nur im Verhinderungsfall) gehört zur Eigen- und Selbständigkeit des PGR’s. Im übrigen gibt es auch Situationen, in denen der PGR-Vorsitzende sehr spontan und damit schnell (in der Regel in Absprache mit dem Seelsorger) entscheiden muss, ohne vorher die übrigen PGR-Mitglieder gehört zu haben - und das ist für Ausnahmefälle auch gut so, damit die Handlungsfähigkeit des PGR immer gewahrt bleibt. Bewährt hat es sich sicher, im Pfarrbrief einen kurzen Bericht über die vergangene Sitzung abzudrucken, jedes Mal von einem anderen PGR-Mitglied verfasst.
Wertschätzung
Humor, Spaß, kleine Sticheleien in der PGR-Arbeit dürfen nicht zu kurz kommen, so etwa: „Schön, Herr Pfarrer, heute pünktlich...!” - „Ja - äh, habe übrigens gemeint, die Sitzung hat schon vor einer Viertelstunde angefangen...” Und das gemeinsame Fortgehen ins Wirtshaus, in die Kneipe ist ein guter Ausklang der vorangegangenen Anstrengungen... Immer wieder zu danken (und damit auch zu motivieren) für die ehrenamtlich geleistete Arbeit ist durch einen Jahresempfang möglich, kann aber auch durch ganz kleine Gesten geschehen, z.B. durch eine Schnapspraline, wenn die Heizung im Sitzungssaal wieder einmal nicht funktioniert...
Für die anstehenden PGR-Wahlen habe ich wieder „meinen“ PGR gebeten, mich bei der KandidatInnen-Suche nicht mit einzuplanen - wenn der Pfarrer nicht irgendwelche eigenen „Lieblinge“ wirbt, wird die Kandidatenliste bunter, haben Querdenker auch mehr Chancen. Wenn allerdings ein möglicher Kandidat noch unschlüssig ist, bin ich gerne bereit, ihm oder ihr den letzten „Kick“ zu geben, also ein hoffentlich motivierendes Gespräch zu führen.
So habe ich insgesamt gesehen den Pfarrgemeinderat und seine Arbeit mit ganz wenigen Ausnahmen positiv erlebt und - das Wortspiel sei mir erlaubt - nicht als Pausenlos Grimmiges Rödeln, sondern als Packendes Glaubhaftes Ringen.
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Kirche mitgestalten - trotz allem
Von Dorothea Lange (56), Pfarrgemeinderatsvorsitzende in St. Josef der Arbeiter, Nördlingen, und Mitglied weiterer Laiengremien in der Diözese Augsburg.
Die Pfarrgemeinderatsperiode geht zu Ende. Zwanzig Jahre gehöre ich nun diesem Gremium an und habe mich entschlossen, mich noch einmal zur Wahl zu stellen. Noch gibt es Ideen zu verwirklichen, für die ich gerne meine freie Zeit und Kraft gebe.
Herausforderung Zusammenarbeit
Im Pfarrgemeinderat gibt es viele Themen, die uns beschäftigen, besonders wichtig ist dabei die Zusammenarbeit. Wenn jedes Mitglied seinen Platz findet, lassen sich Ideen oft verwirklichen. Durch eine gute Gemeinschaft kann viel geleistet werden auch ohne direktes Mitwirken des Pfarrers. Das wurde mir im Laufe der Zeit, besonders aber seit ich Pfarrgemeinderatsvorsitzende bin, bewusst. Ob Pfarrer ihre Wünsche ausdrücken können, uns um Rat fragen, mit uns pastorale Themen besprechen wollen, liegt oft nicht bei uns. Vor allem gibt es oft Kommunikationsschwierigkeiten, wie meine Erfahrung zeigt. Sie erschweren die Arbeit. Wünschenswert wäre, wenn unsere Pfarrer sich mit der persönlichen Motivation ihrer Pfarrgemeinderäte auseinandersetzen würden. Nur ein Pfarrer, es war ein Aushilfsseelsorger, wollte von mir wissen, was ich glaube. Diese Gespräche über den Glauben geben mir heute noch Kraft und bestärken mich in meiner Arbeit.
Mein soziales Engagement konnte ich allerdings mehr in Verbindung mit dem Frauenbund verwirklichen. Der Besuchsdienst im Altenheim und die Nachmittage, die wir dort gestalten, sind immer wieder eine Aufgabe, die mich sehr befriedigt. Es ist ein echtes Geben und Nehmen. Kurz vor Weihnachten verstarb eine alte Dame in meinem Beisein, die ich zehn Jahre jede Woche besuchte. Es war für mich ein bewegendes Erlebnis, das mir den Sinn unseres Besuchsdienstes wieder voll zum Bewusstsein brachte. Die Verbindung der Verbände wie z. B. der Frauenbund mit dem Pfarrgemeinderat und dem Dekanatsrat scheint mir auch sehr sinnvoll, und ich versuche sie zu fördern, denn die Verbände leisten gute Arbeit, deshalb sollten die Räte ihre Arbeit unterstützen.
Pfarrgemeinderat als Motor der Ökumene
Mein besonderes Aufgabengebiet sah ich und sehe ich auch heute noch in der Ökumene, es ist der Leitfaden meiner Arbeit, denn ich lebe in einer ehemals freien Reichstadt, die besonders evangelisch geprägt ist. Durch den zweiten Weltkrieg hat sich aber die konfessionelle Situation verschoben und die positive Auseinandersetzung mit der anderen Konfession hat ein größeres Gewicht bekommen. Als junge Frau kam ich aus einem rein katholischem Gebiet, - neben meinem Elternhaus stand zwar die evangelische Kirche, aber ich hatte sie nie betreten, - hierher nach Nördlingen. Mein Mann entstammt einer sehr evangelisch geprägten Familie. Erst jetzt wurde mir bewusst, welche Vorurteile und Aggressionen zwischen den Konfessionen bestehen. Wie viele Familien haben unter dieser konfessionellen Trennung gelitten. Dankbar habe ich den Pfarrgemeinderat als Gremium begrüßt, um durch Gesprächskreise oder den Weltgebetstag der Frauen einen Dialog aufzubauen. Auch versuche ich den Pfarrgemeinderat für solche theologische Themen zu interessieren. Als Mitglied des Pfarrgemeinderates hat mir kein Pfarrer diese Arbeit verwehrt. Jedoch war das Interesse der Pfarrer auch oft zu gering. Aber „machen sie das nur liebe Frau“ und der Kommentar in der nächsten Predigt haben mich nicht zurückgeschreckt.
Die evangelische Gemeinde ist an synodale Strukturen gewöhnt, davon können wir in der katholischen Kirche lernen; deshalb war und ist mir die Mitgliedschaft im Pfarrgemeinderat wichtig und hilfreich. Eine Freundschaft mit einem evangelischen Pfarrersehepaar begleitet mich schon viele Jahre. Mein Verständnis für konfessionsverschiedene Paare ist gewachsen und mein Mann und ich versuchen bei Ehevorbereitungstagen unsere Erfahrungen weiterzugeben und ihnen die Auseinandersetzung mit der eigenen und der anderen Konfession schmackhaft zu machen.
Geben und Nehmen
Als meine Kinder zum Studium das Haus verlassen hatten, konnte ich mich auch vermehrt in andere Gremien wählen lassen. Es ist eine für mich sinnvoll gestaltete Freizeit. Mein Horizont hat sich geweitet. Besonders genieße ich die Kontakte mit Menschen, die wie ich ihren Glauben leben wollen und auch die Weitergabe des Glaubens als wichtig erachten, denn wir wollen aktiv an der Kirche mitarbeiten und nicht nur als Kritiker dastehen. An unserem Leben sollen die anderen uns als Christen erkennen.
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