Chefsache Berufungspastoral

In der Diözese Eichstätt begleitet der Bischof selbst 
eine Weggemeinschaft zur Förderung geistlicher Berufe.

Seit 1998 gibt es in der Diözese Eichstätt den „Interessentenkreis für Glaubens- und Lebensfragen“, der einerseits völlig offen ist, anderseits aber auch bewusst geistliche Berufe, besonders Priesterberufe fördern will. Der Kreis wurde von Bischof Dr. Walter Mixa gegründet, und er nimmt auch in aller Regel an den jährlich sechs Wochenenden teil. Marco Schneider, der seit Anfang dabei ist, berichtet. 

Etwas Neues
Der Besuch in einem von Benediktinerinnen geführten Kindergarten in Eichstätt war für mich der ausschlaggebende Faktor, nach der Erstkommunion im Jahr 1993 als Ministrant im Eichstätter Dom am Altar zu dienen. Schnell wurde daraus ein großes Interesse für die Liturgie und die Lehre der katholischen Kirche. Am 7. Juli 1998, dem „Tag der pastoralen Dienste” gab Bischof Dr. Walter Mixa (Eichstätt) die Gründung eines Interessentenkreises für Glaubens- und Lebensfragen bekannt. Auf Grund meiner Tätigkeit als Domministrant war ich einer der „Gründungsmitglieder” dieses Kreises - bin also seit November 1998, als ein erstes Treffen stattfand, dabei.
Anfangs geht man in so ein Projekt mit mulmigen Gefühlen hinein - auch, wenn man nicht Initiator, sondern „nur“ Mitglied ist. Schließlich weiß man ja überhaupt nicht, was einen da erwartet. Sicher war nur: Gleichgesinnte! Aus allen Teilen der Diözese kamen sie dann - an die 20 junge Männer, alle etwa in meinem Alter, mancher etwas älter oder jünger; alle geworben vom Bischof, bei Pfarrvisitationen oder sonstigen Anlässen, die ihn ins Bistum hinausführen. Inzwischen ist der Kreis auf 150 Mitglieder angewachsen; eine Zahl, die sicher für den Erfolg dieses Projektes sprechen kann.

Das Programm
Sechsmal im Jahr treffen wir uns von Freitag auf Samstag im Eichstätter Priesterseminar, zu diesen Begegnungen kommen immer zwischen 20 und 25 Personen. In der Karwoche werden Besinnungstage angeboten und im August gibt’s eine Urlaubsfahrt. Die Treffen werden unter bestimmte Themen gestellt, die von uns Mitgliedern ausgewählt werden. Brennpunkte und „heiße Eisen” werden dabei genauso wenig ausgespart wie oftmals als „Tabu” bezeichnete Themen: Im September 1999 beschäftigten wir uns mit der damals aktuellen Diskussion um die Zukunft der Schwangerenkonfliktberatung, kurz darauf mit der Rechtfertigungslehre, im September 2000 mit dem Lehrschreiben,„Dominus Jesus”, dann auch mit der Lehre über die Gottesmutterschaft Mariens und der damit zusammenhängenden Frage der unbefleckten Empfängnis - alles Themen, die nicht einfach zu erarbeiten sind. Gut vorbereitete Reader, die vom Direktor des Zentrums für Berufungspastoral im Bistum Eichstätt in Absprache mit dem Bischof, der im Übrigen an jedem Treffen selbst teilnimmt,

 zusammengestellt werden, erleichtern die Arbeit; in Gruppen wird das Thema erörtert und erarbeitet. In der anschließenden Diskussion über die Ergebnisse kann jeder seine Bedenken und Kritik äußern - ohne dabei gleich mit skeptischen Blicken angeschaut zu werden. Beeindruckend für mich ist hier immer wieder, wie ehrlich und offen Bischof Walter zu uns spricht, oftmals auch persönliche Erfahrungen, die er teilweise aus seiner 25-Jährigen Erfahrung als Stadtpfarrer und Religionslehrer in Schrobenhausen gemacht hat, in die Runde einbringt.
„Mit Gott fang an, mit Gott hör’ auf: das ist der schönste Lebenslauf”, besagt ein Sprichwort. Die Zusammenkünfte des Interessentenkreises beginnen am Freitagabend mit dem Gebet der Vesper und enden am Samstag mit der gemeinsamen Eucharistiefeier. Gottesdienst nimmt also hier einen breiten Raum ein; es sind für mich auch immer Zeiten des „Zur-Ruhe-Kommens”, des „Sich-auf-Gott-einlassens” - denn oft bleibt gerade für das Stundengebet der Kirche im Alltag wenig Zeit. Bewusst halte ich mir die Termine des Interessentenkreises frei und bleibe nur weg, wenn es unumgänglich ist: aus jedem Treffen nehme ich etwas mit, das mich in meinem Alltag und auch in meinem Glauben stärkt, und wenn es nur ein Gedanke, ein Wort ist, das sich mir eingeprägt hat.

Kein Rekrutierungsbüro
Ein weiterer Zielpunkt von Bischof Walter Mixa war bei der Gründung des Kreises sicher auch die Förderung der geistlichen Berufe. Er betont immer wieder, wenn „Neue” dazukommen, dass der Kreis kein „Rekrutierungsbüro” für das Priesteramt, aber durchaus für geistliche Berufungen offen ist. Da ich selber ab und an über meine eigene Berufung nachdenke, ist der Interessentenkreis sicher eine Hilfe, ja vielleicht sogar eine Stütze, dieser Berufung nachzuspüren und sie dann auch zu entfalten; bestimmt aber ein Prozess, der nicht nach der Teilnahme an einem Treffen abgeschlossen ist. Gerade für diesen Gesichtspunkt der eigenen Berufung ist es vielleicht nicht falsch gewesen, damals die Treffen des Interessentenkreises im Priesterseminar stattfinden zu lassen. In ungezwungener Atmosphäre besteht hier durchaus die Möglichkeit, mit dem einen oder anderen Priesteramtskandidaten ins Gespräch über dessen Berufungsweg zu kommen.

Gemeinschaft im Glauben
Gemeinsame Erlebnisse wie die Teilnahme am Weltjugendtag 2000 in Rom, die zurückliegende Urlaubsfahrt, die uns im August letzten Jahres nach Ungarn geführt hat und nicht zuletzt die Wochenenden im Priesterseminar, sind Aspekte der Gemeinschaft, die der Interessentenkreis auch bietet. Ich kann mich verbunden wissen mit vielen anderen Jugendlichen und weiß: „Du bist mit dem Glauben an Gott nicht allein!” Für mich war es sicher keine falsche Entscheidung, zu der Anfrage von Bischof Mixa im August 1998 „ja” zu sagen.