Priester aus PassionVon Peter Klasvogt, Regens im Priesterseminar Paderborn |
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Unverständnis der Zeitgenossen |
Bedenkt man, dass Jesus selbst ehelos gelebt und die Jünger in seine radikale Nachfolge gerufen hat, wird man keineswegs behaupten können, der Zölibat habe keine biblische Verwurzelung; und ich finde es beeindruckend, dass die katholische Kirche durch die Jahrhunderte diejenigen, die in ihr den Dienst der Leitung ausüben, auf diese zölibatäre Lebensform verpflichtet. Durch diese prophetische Gestalt ihres Amtes sind die Priester immer wieder auch existentiell auf den verwiesen, den sie in und gegenüber der Gemeinde repräsentieren sollen. Wäre es nicht zu kurz gegriffen, wollte man den Zölibat der Priester abschaffen, bloß weil man ihn heute nicht mehr versteht? Nach meiner Beobachtung wächst in letzter Zeit wieder die Einsicht, „dass die Krise des Zölibats letztlich nicht zu beheben ist durch eine weitere gutbürgerliche Liberalisierung, sondern nur durch jene evangelische Radikalisierung“ (Bischof Koch). Im Kontakt mit Ordensleuten oder Priestern wird man feststellen, dass sie – in der Regel jedenfalls - keine verklemmten oder verknöcherten Typen sind, die sich vom Leben betrogen fühlen. Natürlich gibt es auch bei Priestern Krisen oder ein Scheitern des eigenen Lebensentwurfs, und die Gründe mögen vielfältig sein. Doch steht dem die übergroße Zahl derer gegenüber, die mit sich selbst identisch sind und sehr überzeugend und authentisch ihr Priestersein leben - trotz oder gerade wegen des Zölibats. Spirituelle Verankerung Wenn ich mit jungen Leuten über die Priesterberufung spreche, staune ich oft über ihren Idealismus, ihre Großherzigkeit und Bereitschaft, für den Glauben das eigene Leben in die Waagschale zu werfen, auch um den Preis des Zölibats. Aber sie machen sich Sorgen, wie sie später mit der Alleinsein umgehen können, und ob man im pastoralen Alltag geistlich bestehen kann, ohne zum Organisator, Manager oder Funktionär zu verkümmern. Die Sorgen sind nicht neu. Schon von Jesus und seinen Jüngern wird berichtet, dass die ganze Stadt vor ihrem Haus versammelt war. Aber Jesus braucht und nimmt sich die Zeit, um allein beim Vater zu sein. „In aller Frühe, als es noch dunkel war, stand er auf und ging an einen einsamen Ort, um zu beten“ (Mk 1,35). Als die Jünger später von ihrem pastoralen Auftrag zurückkehren, lädt er sie ebenfalls ein: „Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus. Denn sie fanden nicht einmal Zeit zum Essen, so zahlreich waren die Leute, die kamen und gingen.“ (Mk 6,31). Es braucht diese spirituelle Verankerung, jenen beständigen Rückbezug auf Gott, allein und mit geistlichen Weggefährten, ohne den der Zölibat um seine Kraft gebracht wird und auch kein prophetisches Zeichen mehr ist. |
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