Was für ein Priesterbild habe ich?

Ein Selbsttest - 
nicht nur für Priester

Die Studie „Priester 2000“ von P.M. Zulehner, Wien, förderte vier Priesterbilder zutage.

Im Jahr 2000 befragte ein Forschungsteam der „Arbeitsstelle für kirchliche Sozialforschung“ unter Leitung von Prof. Paul M. Zulehner, Wien, 2500 Priester in Österreich, Deutschland Ost und West, in der Schweiz, in Kroatien und Polen über ihren Dienst und Ihr Leben. Eine vorrangig an der Personalentwicklung der Priester interessierte Interpretation der Studie findet sich in: Zulehner Paul M./Hennersperger, Anna: „Sie gehen und werden nicht matt” (Jes 40,31). Priester in heutiger Kultur, Ostfildern 2001, Schwabenverlag. Daraus ist mit freundlicher Genehmigung des Autors folgender Selbsttest entnommen. 


Vier Priestertypen
Das wohl wichtigste Ergebnis der Studie PRIESTER 2000© sind die vier Haupttypen. Gespeist werden diese je nach ihrem Bezug zu Christus und zur Gemeinde sowie zur modernen Kultur. Erleben sich die „Kleriker” sehr eng an Christus rückgebunden, so spüren die „Gemeindeleiter” eine starke Einwebung in die Gemeinde, in der sie ihren Dienst tun. Dazwischen sind Priester, die weniger an eine Gemeinde, sondern mehr an die Kirche gebunden sind („Kirchenmänner“). Und schließlich gibt es „Gottesmänner“, welche die Brücke zwischen Christus und der Gemeinde bauen.
Hinsichtlich der modernen Welt sind die „Kleriker” weltabgewandt, die „Gottesmänner” weltzugewandt, die „Kirchenmänner” weltgewandt, die „Gemeindeleiter” weltverwandt.
Daraus ergibt sich die vollständige Bezeichnung der vier Haupttypen als „zeitlose Kleriker”, „zeitoffene Gottesmänner”, „zeitnahe Kirchenmänner” und „zeitgemäße Gemeindeleiter”. Nur alle vier zusammen ergeben das eine Presbyterium.

Testanleitung
Der folgende Test führt nicht nur in das zentrale Ergebnis der Studie ein. Vielmehr stellt er einen „Spiegel“ bereit, um annähernd zu bestimmen, von welcher Art das Bild ist, das Sie selbst vom priesterlichen Amt in sich tragen bzw. wie sie sich einen Priester vorstellen.
Für diesen Selbsttest brauchen Sie ein Blatt Papier zum Notieren von fünf Buchstaben.
Es werden Ihnen einige Aussagen über das Priesteramt vorgelegt.
Bestimmen Sie, wie Sie selbst zu der jeweiligen Aussage stehen. Es ist wie in der Schule: 1 = sehr richtig, 5 = ganz falsch.
Dann stellen Sie fest, welcher der eingekreisten Buchstaben im Kreis Ihrem Zahlenwert am nächsten ist. Diesen Buchstaben notieren Sie auf Ihrem Blatt Papier. Insgesamt werden Sie am Ende des Selbsttests fünf Buchstaben haben. 
Was Ihre Buchstaben bedeuten, erfahren Sie am Ende bei der Auswertung im Testbild 7. Lassen Sie sich überraschen!

Testbild 1-6


Auswertung
Sie haben fünf Fragen beantwortet, fünf Buchstaben gesammelt und festgestellt, welcher Buchstabe am häufigsten vorkommt. Dabei können Sie davon ausgehen, dass es nur selten jemanden gibt, der eine „Monokultur“ hat, also fünfmal den gleichen Buchstaben. Wahrscheinlich kommt je ein Buchstabe mehrmals vor: zwei C und zwei D beispielsweise.
In jedem Fall ist das Ergebnis eher eine Rückfrage an Sie: Welchem Grundtyp neigen Sie eher zu, oder noch etwas komplexer: Von welchen Grundtypen tragen Sie welche Anteile in sich?
Und das sind nun die vier Haupttypen von Amtsbildern - die Anfangsbuchstaben A bis D entsprechen den Buchstaben des Selbsttests:

Testbild 7


Die verschiedenen Priestertypen ergeben nur zusammen das eine katholische Presbyterium. Statt gegenseitige Vorbehalte aufzubauen, sollten wir diese Vielfalt in der Kirche als Chance für eine lebendige Einheit begreifen. 

Dokumentiert sind die Ergebnisse in einem 450-seitigen Forschungsbericht: Zulehner, Paul M.: Priester im Modernisierungsstress. Forschungsbericht der Studie PRIESTER 2000©, Ostfildern 2001, Schwabenverlag.