Der Pfarrgemeinderat 

Ein Netzwerk der Mitsorge

Von Helmut Mangold, Senden, Diözese Augsburg
Vorsitzender des Landeskomitees der Katholiken in Bayern.

Berufung der Laien
Dass die Laien in der Kirche mehr sind als nur stille Zuhörer, dass Ihnen vielmehr ein gerüttelt Maß an Mitverantwortung für das Leben ihrer Pfarrgemeinde zukommt, das ist spätestens seit dem II. Vatikanischen Konzil Allgemeingut geworden. In verschiedenen Dokumenten dieses Konzils, insbesondere aber in dem nachsynodalen Apostolischen Schreiben „Christifideles Laici“ wird die Berufung der Laien in der Kirche betont:
„Um dem apostolischen Wirken des Gottesvolkes mehr Gewicht zu verleihen, wendet sich die Heilige Synode nunmehr eindringlich an die Laienchristen, von deren spezifischem und in jeder Hinsicht notwendigem Anteil an der Sendung der Kirche sie schon andernorts gesprochen hat. Denn das Apostolat der Laien, das in deren christlicher Berufung selbst seinen Ursprung hat, kann in der Kirche niemals fehlen. Wie spontan und fruchtbar dieses Wirken in der Frühzeit der Kirche war, zeigt klar die Heilige Schrift selbst.“
Mit der Gründung der Pfarrgemeinderäte, der Dekanats- und Diözesanräte kurz nach Abschluss des Konzils erhielt diese Berufung dann auch institutionalisierte Gestalt. Aufgaben und Verantwortlichkeiten der Räte wurden in Satzungen gefasst. Damit wurde die Mitverantwortung der Laien zu einem festen Element in kirchlichen Strukturen. In allen Satzungen für die Pfarrgemeinderäte finden wir an vorderster Stelle bei der Beschreibung der Aufgaben des Pfarrgemeinderats Sätze wie diesen: 
„Die Aufgabe des Pfarrgemeinderats besteht vor allem darin, das Bewusstsein für die Mitverantwortung und die Mitarbeit in der Pfarrgemeinde zu wecken und zu fördern...

Eine Stütze für den Pfarrer
Die kleine Vorsilbe „Mit“ zeigt dabei, dass es immer darum geht, alle Aufgaben in enger Abstimmung und in Zusammenarbeit mit dem Pfarrer zu verwirklichen. Ein Augsburger Pfarrer sagte es vor wenigen Monaten in einem Heft der Zeitschrift des Landeskomitees der Katholiken in Bayern „Lebendige Zelle“ sehr deutlich: 
„Für mich ist es ganz wichtig, Menschen zu finden, mit denen ich über die Arbeit in der Pfarrei, über das, was alles so los ist, reden, mich austauschen kann. ... Der Pfarrgemeinderat ergänzt meine Arbeit wesentlich, ich bin hier wirklich auf sein Mittun angewiesen“.


Dieses Austauschen und Mittun sind sicher ganz wichtige Elemente der Seelsorge in der Pfarrgemeinde. Die Mitglieder der Pfarrgemeinde spüren, dass es ein Team gibt, in dem ihre Vertreter mitwirken und das die Sorge um die Gestaltung des Lebens der Pfarrei als seine zentrale Aufgabe sieht. Davon können missionarische Impulse in die Gemeinde hinausgehen, wenn diese Zusammenarbeit auch als Beispiel in der Pfarrei sichtbar wird, wenn der Pfarrgemeinderat ein Vorbild dafür ist, wie wir miteinander umgehen. Das zu lernen und zu üben, ist eine stete und sicher nicht leichte Aufgabe.

Lebendige Strukturen
Lebendige Strukturen müssen weit über den Pfarrgemeinderat hinausreichen, der ja auch nicht alle Aufgaben selbst erledigen kann. Deshalb müssen für die unterschiedlichen Aufgaben Arbeitsgruppen und Sachausschüsse eingerichtet werden. Dazu kommen dann auch noch Pfarrangehörige, die sich nur für eine Projektarbeit engagieren wollen, die also beispielsweise bei der Firmvorbereitung, bei der Fronleichnamsprozession oder auch beim Pfarrfest spezielle Aufgaben übernehmen, die den Pfarrbrief gestalten, die Caritassammlung organisieren oder eine Flötengruppe leiten. Es gibt unendlich viele Aufgaben in der Pfarrei. Auf je mehr Schultern sie verteilt werden, um so leichter wird es für die Einzelnen, um so breiter wird aber auch das Netzwerk der Mitsorge in der Pfarrei. 

Das Netz nach außen knüpfen
Pfarrgemeinderäte sind aber nicht nur für das Leben innerhalb der Pfarrei wichtig. Die Mitglieder üben in ihrem Leben, im Beruf und in vielfältigen anderen Bereichen Funktionen aus, die wiederum Bedeutung für das Leben der Pfarrgemeinde haben können. Deshalb ist es auch wichtig, dass Pfarrgemeinderäte ihre Verantwortung dafür wahrnehmen, das Netz nach außen zu knüpfen. Entwicklungen in der Gesellschaft, in der jeweiligen politischen Ortsgemeinde, aber auch in den vielen anderen Gremien, in Verbänden und Vereinen müssen mit wachen Augen wahrgenommen und gegebenenfalls im Pfarrgemeinderat besprochen werden. Daraus erwächst dann eine intensive Kooperation mit der Öffentlichkeit. Kirche kann so als jeweilige Ortsgemeinde eine wichtige Rolle spielen und sehr viel mehr erreichen, als wenn sie sich auf ihren kirchlichen Raum beschränken würde. Pfarrgemeinderäte tragen dazu in ganz entscheidender Weise bei, allerdings nur dann, wenn die Gemeinsamkeit des Dienstes von Pfarrer und Pfarrgemeinderat gut funktioniert und auch deutlich sichtbar wird.