Dr. Viktor Josef Dammertz, Bischof von Augsburg, ist Vorsitzender der Kommission „Geistliche Berufe und kirchliche Dienste“ der Deutschen Bischofskonferenz und damit auch zuständig für das Päpstliche Werk für geistliche Berufe (PWB) in Deutschland. Er schreibt für die WEGBEREITER - Leserinnen und -Leser zum 75jährigen Jubiläum des PWB:
„Bringt“ Beten etwas?
„Da hilft nur noch Beten!“ So heißt es in ausweglosen Situationen, in denen, menschlich gesehen, nichts mehr getan werden kann. Und häufig klingt das etwas resigniert; oft schwingt der Zweifel mit, ob denn das Beten wirklich noch helfen kann.
„Da hilft nur noch Beten!“ Das gilt auch angesichts des Rückgangs an Priestern und Ordensleuten in unserem Land. Zugleich begegnet dem Aufruf zum Gebet um geistliche Berufe weithin Skepsis: „Bringt“ solches Beten etwas? Müssten nicht einfach die Zugangsbedingungen für das Priestertum geändert werden, und die Personalprobleme wären gelöst? Brauchen wir überhaupt noch Priester und Ordensleute, wenn heute deren Aufgaben von einer Vielzahl anderer haupt- und ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wahrgenommen werden?
Dennoch: Die Kirche Christi kann ohne geistliche Berufe nicht existieren! Sie ist keine von Menschen ins Leben gerufene Interessengemeinschaft, die durch entsprechend ausgebildete Funktionäre organisiert werden könnte. Sie entsteht vielmehr durch das Wirken des auferstandenen Herrn. Sie ist gesandt, in der Kraft des Heiligen Geistes sein Heilswerk für die Menschen aller Zeiten und Zonen fortzuführen. Dafür hat sie geistliche Vollmacht erhalten. Christus nimmt auch heute Menschen in Dienst, die diese seine Sendung fortführen sollen.
Rahmenbedingungen für geistliche Berufe
Da Gott es ist, der beruft, können geistliche Berufe nicht „gemacht“ werden. Wir können nur die Rahmenbedingungen dafür verbessern, dass Gottes Ruf vernommen und angenommen werden kann. Wir können mitwirken an einem berufungsfreudigen Klima in der Kirche. Die Berufung zum Priestertum und zum Ordensleben braucht das Glaubenszeugnis und die Glaubensfreude der christlichen Gemeinde!
Und wir können und müssen um Berufe beten! Das entspricht dem ausdrücklichen Willen unseres Herrn: „Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden.“ (Mt 9,37 f).
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Warum aber sollen wir beten, wenn es doch im Interesse des Herrn selbst liegen muss, Arbeiter in seine Ernte zu schicken? Im Bittgebet geht es nicht darum, Gott über unsere Sorgen und Wünsche zu informieren, sondern uns für seine Gaben zu öffnen. Wenn wir um geistliche Berufe beten, schließen wir uns dem Anliegen Jesu an und zeigen Gott, wie wichtig es uns ist, dass er auch heute Menschen in seinen besonderen Dienst ruft.
Das Gebet um geistliche Berufe zeigt auch den Menschen gegenüber, welche Bedeutung Priester und Ordensleute für uns haben! Es ist Ausdruck unserer Wertschätzung für die Menschen, die sich auf diesen Ruf einlassen. Wo junge Menschen erleben, dass in ihrer Gemeinde für Berufungen gebetet wird, werden sie eher den Mut finden, sich dem Ruf Gottes zu öffnen und ihm zu folgen.
Das Gebet um Berufe für die Kirche hat zunächst durchaus die vielfältigen Berufungen aller Getauften im Blick. Diese bilden ja die Basis für spezielle Berufungen zum Priester und Ordensstand sowie für die pastoralen Laienberufe. Wegen ihrer unersetzlichen Bedeutung für das Leben und Wachstum der Kirche gilt aber den geistlichen Berufen zum priesterlichen Dienst und zum Ordensleben das besondere Gebet. Dieses Gebet um Priester und Ordensberufe besitzt Priorität, weil sie für die Kirche unverzichtbar sind und weil es jungen Menschen heute besonders schwer fällt, solche lebenslangen Bindungen einzugehen.
Dank an alle Beterinnen und Beter
Ich bin sehr dankbar dafür, dass sich die Mitglieder des Päpstlichen Werkes für geistliche Berufe, das heuer sein 75-jähriges Gründungsjubiläum begeht, vor allem als Gebetsgemeinschaft verstehen, die dem Auftrag des Herrn folgen und um Arbeiter für die große Ernte bitten. Ich hoffe und wünsche, dass auch viele jüngere Menschen sich diesem Anliegen öffnen! Wo wir als einzelne manchmal verzagen und aufgeben wollen, kann uns das Bewusstsein einer großen Gemeinschaft Mut und Ausdauer schenken. Wir Bischöfe, Priester und Ordensleute zählen darauf, dass Sie, liebe WEGBEREITER-Leserinnen und -Leser, zugleich auch Beterinnen und Beter im Anliegen der geistlichen Berufe sind!
Mit den besten Segenswünschen
Viktor Josef Dammertz
Bischof von Augsburg
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