Wertschätzung schwarz auf weiß

In der Diözese Rottenburg-Stuttgart wird eine ehrenamtliche Tätigkeit

in der Jugend- und Ministrantenarbeit mit einem Zeugnis offiziell anerkannt

Gerade auch in kirchlichen Kreisen ist die Klage über mangelnde Wertschätzung nicht selten. In der Berufungspastoral sehen viele darin einen der Gründe, warum sich junge Menschen so schwer tun, sich ganz in den Dienst der Kirche zu stellen. Das Leitwort des Weltgebetstages für geistliche Berufe will dafür das Bewusstsein schärfen, wenn es im ersten Teil lautet: „Weil Du mir wertvoll bist …“. In der Diözese Rottenburg-Stuttgart hat man sich etwas Besonderes einfallen lassen, um die Wertschätzung des ehrenamtlichen Engagements in der Jugend- und Ministrantenarbeit konkret und persönlich zum Ausdruck zu bringen. Das tut sicher jeder Oberministrantin und jedem Gruppenleiter gut, aber nicht nur das, diese Wertschätzung bringt zugleich auch ganz praktisch etwas. Rolf Seeger, Leiter der Diözesanstelle Berufe der Kirche, schreibt dazu:


Bescheinigung von Begabungen

Das Rottenburger Ministrantenreferat und die Diözesanstelle Berufe der Kirche haben in Zusammenarbeit mit Fachleuten der Personalentwicklung und für die Ausbildung ein Zeugnisformular entwickelt, das den jungen Menschen ihre Talente und Begabungen „aussagekräftig“ bescheinigt. Was junge Menschen in der Jugend- und Ministrantenarbeit an kommunikativen, sozialen und organisatorischen Fähigkeiten entwi-ckeln und erwerben können, gewinnt zunehmend an Bedeutung. Ministranten- und Jugendarbeit ist mehr als Spielen, Basteln und Zeitvertreib - „eine Schule fürs Leben“. Engagement wirkt sich mehr und mehr gewinnbringend aus. Begabungen und Talente sind eben Gaben Gottes, die nach seinem Willen wachsen und Frucht bringen sollen, damit sie anderen nützen (vgl.1 Kor 12,7)

Was bringt´s?
Jugendliche im Originalton

„Beim Bewerbergespräch hat mein Gruppenleiterzeugnis den größten Teil der Zeit in Anspruch genommen. Die wollten wissen, was ich in Gruppenleiterkursen gelernt habe. Man wollte wissen, wie ich meine Gruppenstunde leite und wie ich ein bestimmtes Problem angehe. Ich habe die Stelle bekommen.“ Uwe R.
„Weil ich in der Gemeinde viel gemacht habe und das Zeugnis hatte, haben die Herren gesagt, sie hätten schon gesehen, dass ich mich ganz gut verkaufen könne.

Sie wollten wissen, welche inhaltlichen Themen wir auch haben.“ Karola N.
„Ich habe eine Stelle bekommen, obwohl viele andere auch mit Abitur sich beworben haben, aber nicht so in der Jugendarbeit waren. Das Zeugnis war wichtig und hat mir viel gebracht. Ich hätte nicht gedacht, was es bringt.“ Ute S.
„Das Gruppenleiterzeugnis habe ich zu meiner Bewerbung getan. Ich war erstaunt, dass man mit mir darüber gesprochen hat. Ich find's gut, dass einem die Kirche so ein Zeugnis gibt. Mir ging jetzt erst auf, was die Gruppenarbeit bei den Minis bringt und werde jetzt dabei bleiben. Ein Chef sagte, dass er auch Ministrant war.“ Ulrike W.
„Danke für das Zeugnis, hoffentlich stellen auch alle Pfarrer das Zeugnis aus, wenn Gruppenleiter und Gruppenleiterinnen aufhören. So ein Danke finde gut.“ David K.

Arbeitshilfen
Das Ministrantenreferat gibt ein Merkblatt für die Erarbeitung des Zeugnisses und ein Formular mit Textbausteinen heraus. Es empfiehlt sich mit den Jugendlichen im Gespräch zu klären, was an Begabungen und Qualifikationen zutrifft und wachsen kann, bevor das Zeugnis geschrieben wird.
A Mit dem Merkblatt lassen sich Elemente für Gruppenstunden gestalten und konkretisieren, was Begabungen sein können.
A Jugendliche sollten erfahren, dass die von ihnen später im Beruf erwarteten „Schlüsselqualifikationen“ eben diese Begabungen sind.
A Auch Eltern sollten diese Informationen bekommen. Verantwortliche in den Gemeinden tun jungen Menschen einen wirklichen Dienst, wenn sie die Jugendlichen in der so schwierigen Bewerber-Phase mit einem Zeugnis spürbar unterstützen.

Bezugsadresse
Bischöfliches Jugendamt
Ministrantenreferat
Postfach 9, 72101 Rottenburg
Tel.: 07472/169-415
Fax: 07472/169-701
E-Mail: ministranten@bo.drs.de