Kirchenmusik als Lebensaufgabe |
| In vielen Gemeinden gibt es den/die hauptamtliche Kirchen-musiker/in. Johannes Bernhard von der Kirchenzeitung „Kirche + Leben“, Diözese Münster, stellt den Beruf vor. Er hat Ulrike
Duesmann, Legden, besucht.
„Kommt, wir versuchen es noch einmal. Konzentriert Euch ein bisschen!“, mahnt die Chorleiterin. Im Altarraum kehrt Ruhe ein. Jetzt erklingt das Lied „Die Sache Jesu braucht Begeisterte“ mit Blockflötenbegleitung. Und im Solo zu Beginn gleich ein
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musikalisch
vorzubereiten. Viele Brautpaare richten in der Vorbereitung ihrer kirchlichen Trauung Fragen an die
Organistin: „Welche Musik darf gespielt werden? Gibt es alternative Stücke zum Ave Maria? Welche Gemeindelieder passen am
besten?“ Auch die Vorbereitung von Jugendmessen, Choralämtern und Vespern verlangt Zeit und ein Gespür, welche Musik am besten in den liturgischen Rahmen
passt. Die Noten und Instrumentenpflege, besonders der Kirchenorgel, sowie das Aussuchen und Üben der Orgelliteratur gehören zu den weiteren Aufgaben von Ulrike Duesmann. Auf den Punkt gebracht sagt sie: „Den Menschen Freude an der Musik und am Glauben vermitteln, das ist meine Aufgabe. Ich möchte das Dreieck Gott, Mensch und Musik zum Einklang bringen.“ Dabei gelte es auch auf musikalischem Gebiet, jeden Menschen mit seinen Fähigkeiten anzunehmen und zu fördern. Kirchenmusik als Beruf Ihren Beruf möchte die Kirchenmusikerin mit niemandem tauschen. „Meine Aufgaben sind abwechslungsreich. Ich habe viel mit Menschen zu tun. Gemeinsame Erfolge, etwa mit den Chören, sind eine schöne Belohnung.“ Sie verschweigt aber auch nicht die Nachteile ihres Berufs. Ihre Arbeitszeiten sind auf die Wochenenden, Festtage und Abende festgelegt. „Das erfordert schon viel Verständnis von meinen Freunden. Wenn andere frei haben, beginnt für mich die Arbeit. Aber es gibt auch Zeiten der Muße, wenn andere im Büro sitzen.“ Zum Beruf der Kirchenmusikerin ist die aus der münsterländischen Kleinstadt Heek stammende Ulrike Duesmann eher durch Zufall gekommen. „Als junges Mädchen wollte ich eigentlich kein Instrument spielen“, sagt sie. Doch als ihr Vater für sich ein Keyboard kaufte, war es die Tochter, die das Instrument in Beschlag nahm. Es folgte der Klavierunterricht bei einer Kirchenmusikerin, die der Schülerin die ersten Hinweise zum Orgelspiel gab. Als 16jährige Schülerin begann sie, in einer Kapelle in den Gottesdiensten die Orgel zu spielen. Wenig später absolvierte sie in Münster das C-Examen. „Ich habe einfach mal versucht, die Aufnahmeprüfung zu bestehen: Das Bach-Stück hat geklappt, die Stimme nicht versagt. Vielleicht musste der Weg so kommen, weil damals eine bewusste Entscheidung für den Beruf des Kirchenmusikers nicht da war“, erinnert sich Ulrike Duesmann, die heute bekennt: „Schon längst ist mein Beruf zur Lebensaufgabe geworden.“ Von einer Berufung zu sprechen, fällt ihr nicht leicht. „Ich denke, dass jeder Mensch eine persönliche Berufung empfindet.“ Nach ihrem Abitur meldete sie sich an der Kirchenmusikschule St.Gregorius-Haus in Aachen zum Studium an. Das Haus ist eine überdiözesane Einrichtung, die vom Erzbistum Köln und dem Bistum Aachen getragen wird. Die B-Ausbildung zum Kirchenmusiker dauerte vier Jahre. Dass die Aussichten, nach der Ausbildung sofort eine Anstellung zu finden, schwieriger geworden sind, beklagt auch Ulrike Duesmann. „Die Kirche muss sparen. Aber sie sollte auch überlegen, was sie aufgibt, wenn Kirchenmusiker-Stellen gekürzt oder aufgegeben werden. Wenn die Orgel schweigt und Chöre aufgelöst werden, macht das die Kirche nicht attraktiver. Die Musik ist ein Bestandteil der Liturgie, und die Musik schafft Gemeinschaft und Gemeinde. Das sollte nicht leichtfertig aufgegeben werden.“ |
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