Ulrike Duesmann, Legden, Diözese Münster:

Kirchenmusik als Lebensaufgabe

In vielen Gemeinden gibt es den/die hauptamtliche Kirchen-musiker/in. Johannes Bernhard von der Kirchenzeitung „Kirche + Leben“, Diözese Münster, stellt den Beruf vor. Er hat Ulrike Duesmann, Legden, besucht. 

„Kommt, wir versuchen es noch einmal. Konzentriert Euch ein bisschen!“, mahnt die Chorleiterin. Im Altarraum kehrt Ruhe ein. Jetzt erklingt das Lied „Die Sache Jesu braucht Begeisterte“ mit Blockflötenbegleitung. Und im Solo zu Beginn gleich ein 
Patzer. „Mist“, entfährt es der jungen Flötistin. Alle lachen mit ihr. Dann der nächste Anlauf: „Die Sache Jesu …“. Kein falscher Ton, alles klappt. Die etwa 30 Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind begeistert, von sich, ihren Liedern, ihrem Chor.

Musik fördert Gemeinschaft
Begeistert ist auch die Chorleiterin Ulrike Duesmann. Sie hat vor zwei Jahren den Jugendchor der Pfarrgemeinde St. Brigida im münsterländischen Legden ins Leben gerufen. Kurz nach ihrer Anstellung als Organistin und Chorleiterin begann die 26Jährige, den Jugendchor und zusätzlich einen Kinderchor zu gründen. Mittlerweile zählt der Kinderchor 72 Mädchen und Jungen im Alter von sechs bis 13 Jahren und ist in drei Altersgruppen unterteilt. Sie treffen sich, ebenso wie der Jugendchor und die aus 60 Sängerinnen und Sängern bestehende Chorgemeinschaft, einmal in der Woche zur 
Probe. 

„Für die Kinder ist das Singen im Chor etwas ganz Wichtiges. Sie freuen sich jedesmal auf die Probe und sind ganz stolz, wenn sie in den Gottesdiensten oder bei Gemeindetreffen auftreten können“, schwärmt eine junge Mutter. Zwei ihrer Kinder singen im Kinderchor. Die Gründung des Chors durch 
Ulrike Duesmann hat sie sofort unterstützt: „In der Musik leben die Kinder richtig auf. Es ist gut und wichtig, wenn die Gemeinde etwas für den Nachwuchs tut. Nicht nur die Kinder profitieren davon, sondern auch die Kirche.“ 

Die Freude am Gesang, das sei das Wichtigste, aber nicht alles, meint Ulrike Duesmann über die Ziele des Kinderchores. „Durch das Singen weltlicher und geistlicher Lieder vermittle ich den Kindern eine bestimmte Glaubens- und Lebenseinstellung. Wenn es gelingt, den Kindern Gottes Liebe nahe zu bringen, dann ist etwas Großartiges gelungen.“ Zudem würden beim Chorgesang Sozialverhalten und Disziplin geschult, ohne einen Leistungsdruck aufzubauen. Eine besondere Bedeutung sieht die Chorleiterin im Jugendchor, der sowohl das neue geistliche Lied wie auch weltliche Lieder im Repertoire hat. „Viele Jugendliche haben kritische Anfragen an die Kirche. Ich denke, über den Jugendchor kann die Gemeinde viele jungen Menschen erreichen.“ Insgesamt sei die Kirchenmusik in der Gemeinde fest verankert, Musikalische Aufführungen seien immer besonders gut besucht. 
Freude an der Musik und am Glauben
Zu den Aufgaben der Kirchenmusikerin zählen vor allem die Begleitung und Gestaltung der Gottesdienste. Etwa 15 Messen werden wöchentlich in der Pfarrkirche, der Schule und im Altenheim gehalten. Das Spielen der Gotteslob-Lieder muss nicht mehr eigens geübt werden, umso wichtiger ist es der Kirchenmusikerin, in den freien Orgelstücken zu Beginn oder zum Auszug des Gottesdienstes anspruchsvolle Orgelliteratur vorzustellen. Zu ihren Aufgaben gehört es auch, Gottesdienste zu Ehejubiläen, Hochzeiten und Beerdigungen


 musikalisch vorzubereiten. Viele Brautpaare richten in der Vorbereitung ihrer kirchlichen Trauung Fragen an die Organistin: „Welche Musik darf gespielt werden? Gibt es alternative Stücke zum Ave Maria? Welche Gemeindelieder passen am besten?“ Auch die Vorbereitung von Jugendmessen, Choralämtern und Vespern verlangt Zeit und ein Gespür, welche Musik am besten in den liturgischen Rahmen passt. Die Noten und Instrumentenpflege, 
besonders der Kirchenorgel, sowie das Aussuchen und Üben der Orgelliteratur gehören zu den weiteren Aufgaben von Ulrike Duesmann. Auf den Punkt gebracht sagt sie: „Den Menschen Freude an der Musik und am Glauben vermitteln, das ist meine Aufgabe. Ich möchte das Dreieck Gott, Mensch und Musik zum Einklang bringen.“ Dabei gelte es auch auf musikalischem Gebiet, jeden Menschen mit seinen Fähigkeiten anzunehmen und zu fördern. 

Kirchenmusik als Beruf
Ihren Beruf möchte die Kirchenmusikerin mit niemandem tauschen. „Meine Aufgaben sind abwechslungsreich. Ich habe viel mit Menschen zu tun. Gemeinsame Erfolge, etwa mit den Chören, sind eine schöne Belohnung.“ Sie verschweigt aber auch nicht die Nachteile ihres Berufs. Ihre Arbeitszeiten sind auf die Wochenenden, Festtage und Abende festgelegt. „Das erfordert schon viel Verständnis von meinen Freunden. Wenn andere frei haben, beginnt für mich die Arbeit. Aber es gibt auch Zeiten der Muße, wenn andere im Büro sitzen.“ 

Zum Beruf der Kirchenmusikerin ist die aus der münsterländischen Kleinstadt Heek stammende Ulrike Duesmann eher durch Zufall gekommen. „Als junges Mädchen wollte ich eigentlich kein Instrument spielen“, sagt sie. Doch als ihr Vater für sich ein Keyboard kaufte, war es die Tochter, die das Instrument in Beschlag nahm. Es folgte der Klavierunterricht bei einer Kirchenmusikerin, die der Schülerin die ersten Hinweise zum Orgelspiel gab. Als 16jährige Schülerin begann sie, in einer Kapelle in den Gottesdiensten die Orgel zu spielen. Wenig später absolvierte sie in Münster das C-Examen. „Ich habe einfach mal versucht, die Aufnahmeprüfung zu bestehen: Das Bach-Stück hat geklappt, die Stimme nicht versagt. Vielleicht musste der Weg so kommen, weil damals eine bewusste Entscheidung für den Beruf des Kirchenmusikers nicht da war“, erinnert sich Ulrike Duesmann, die heute bekennt: „Schon längst ist mein Beruf zur Lebensaufgabe geworden.“ Von einer Berufung zu sprechen, fällt ihr nicht leicht. „Ich denke, dass jeder Mensch eine persönliche Berufung empfindet.“ 

Nach ihrem Abitur meldete sie sich an der Kirchenmusikschule St.Gregorius-Haus in Aachen zum Studium an. Das Haus ist eine überdiözesane Einrichtung, die vom Erzbistum Köln und dem Bistum Aachen getragen wird. Die B-Ausbildung zum Kirchenmusiker dauerte vier Jahre.

Dass die Aussichten, nach der Ausbildung sofort eine Anstellung zu finden, schwieriger geworden sind, beklagt auch Ulrike 
Duesmann. „Die Kirche muss sparen. Aber sie sollte auch überlegen, was sie aufgibt, wenn Kirchenmusiker-Stellen gekürzt oder aufgegeben werden. Wenn die Orgel schweigt und Chöre aufgelöst werden, macht das die Kirche nicht attraktiver. Die Musik ist ein Bestandteil der Liturgie, und die Musik schafft Gemeinschaft und Gemeinde. Das sollte nicht leichtfertig aufgegeben werden.“