Priesterberufung ins Gespräch bringen:

Publicrelations oder Zeugnis?

Der Priesterberuf hat in unserer Zeit und in unseren Breiten nicht gerade Konjunktur, auch in den Kirchengemeinden gibt es wenig wertschätzende Gespräche zum Thema Priester. Welche Erfahrungen machen junge Männer, die sich auf den Priesterberuf vorbereiten? Wer oder was hat sie angesprochen, sich auf diesen Weg zu begeben? Wie stellen sie sich vor, dass heute Berufung und im Besonderen der Priesterberuf ins Gespräch gebracht werden kann? Der WEGBEREITER besuchte das Priesterseminar Passau und sprach mit einigen Seminaristen.

„Wer Licht in die Welt bringen will wird Elektriker oder Priester.“ Mit diesem Plakat warb das Priesterseminar Passau für seinen ersten „Tag der offenen Tür“ im vergangenen Jahr. Gerade manche aufgeschlossene Priester fühlten sich nicht geschmeichelt. „Wird der Priester jetzt auf die Ebene der Elektriker gestellt?“, meldeten sich einige bei Regens Werkstetter. Aber das beruhte auf Gegenseitigkeit: so ging bei der Handwerkskammer eine Beschwerde ein, man wolle nicht in einem Atemzug mit dem 
Priester genannt werden. Andere Elektriker allerdings wollten das Plakat haben, um es in ihrem Betrieb aufzuhängen. Für Markus Kirchmeyer aber hat sich das Wort bewahrheitet: Er war Elektriker, bevor er sich entschied, Priester zu werden. 

Berufungswege
Was hat ihn zu diesem radikalen Neuanfang bewegt? Der Grund wurde schon in der frühen Jugend gelegt. Durch den Ministrantendienst lernte er Kirche von einer positiven Seite her kennen. „Als Ministrant hat man beim Pfarrer immer ein offenes Ohr, und man hat auch ein bisschen Einblick in den Pfarrhof, so lernte ich das Leben eines Priesters kennen. Aber auch andere Begegnungen in der Pfarrei haben dazu beigetragen, dass ich diesen Weg gehen wollte und schließlich begann, in Waldram das Abitur nachzumachen.“ 
Ähnlich waren auch für Jürgen Reihofer gute Erfahrungen mit Pfarrer und Gemeinde in seiner Jugend ausschlaggebend für seine Entscheidung zum Priesterberuf. Im Lauf der Zeit wurde er auch Vorsitzender des Pfarrgemeinderates, viele sahen in ihm schon den Theologiestudenten und zukünftigen Priester und er konnte sich das auch gut vorstellen. „Als dann aber das Ende der Gymnasialzeit kam, war der Druck so groß, dass ich sagte: ‘Nein, das mache ich nicht’“, noch heute klingt seine Stimme bei dieser Aussage ganz entschieden. So studierte er zuerst für das Lehramt, „aber nach drei Jahren kam das in mir nochmal hoch, und so wechselte ich das Studium.“ 
Tobias Hager kann sich rühmen, dass er in der Diözese Passau wohl der letzte ist, der den ganz klassischen Berufungsweg gegangen ist: Knabenseminar, Großes Seminar, Priesterseminar. Heute gibt es die Studienseminare nicht mehr. Er hat von seiner Kindheit her seinen Pfarrer und den Ministrantendienst in guter Erinnerung, die Jahre im Studienseminar haben ihm positive Erfahrungen von Gemeinschaft und Glaube vermittelt, die Nähe zum Domplatz, die Diakonen- und Priesterweihen haben ihn immer wieder beeindruckt. „All das habe ich als einen aufbauenden Prozess erfahren und so war für mich klar, dass ich zwei Häuser weiter, ins Priesterseminar, gehen kann.“

Hindernisse 
Allein diese drei Berufungswege zeigen, worauf es ankommt: auf den Priester, dessen Lebensweise und dessen Art mit Menschen umzugehen anspricht, der „einem nicht moralisch kommt“, wie es Georg Pettinger ausdrückt, eine lebendige Gemeinde oder Gemeinschaft, die religiös offenen und kirchlich engagierten jungen Menschen Wertschätzung entgegenbringt und ihnen Entfaltungsmöglichkeiten bietet. 
Warum aber sind es heute so wenige, die den Weg zum Priesterberuf einschlagen? Sind die Voraussetzungen in den Gemeinden nicht mehr gegeben, sind die jungen Menschen anders? 
Da sind einmal die Klischeevorstellungen über das Seminar. Georg Pettinger bringt sie mit einem Wort, wie es ihm zu Ohren gekommen ist, auf den Punkt: „Was sind das für Menschen, die sich einsperren lassen?“ Klaus Wiesmüller meint: „Ja, da gibt es dann 

doch noch eine kleine Einschränkung im Privatbereich, eben den Zölibat, den nicht alle leben können und leben wollen, obwohl sie vielleicht den Beruf gern ausüben würden.“ Georg Pettinger nennt auch das Thema Glaubwürdigkeit: „Wenn z.B. ein Pfarrer ein großes Haus hinstellt und dann mit einem A6 in die Garage fährt, was ich schon erlebt habe, dann werden die Leute verständlicherweise kritisch, wenn er vielleicht am Sonntag von Solidarität mit den Armen predigt.“ Markus Kirchmeyer erinnert daran, dass viele Menschen die Positionen der Kirche nicht verstehen, wie z.B. in der Schwangerenberatung.

Werbung?
Wie kann der Priesterberuf trotz dieser Hindernisse positiv ins Gespräch gebracht werden? Ein Versuch ist die Plakatserie der Werbeagentur BJS in Essen. Die Texte sind pfiffig formuliert, wie auf dem oben genannten Plakat, die Bilder zeigen junge Männer, dynamisch, weltgewandt, sympathisch, wie z.B. auf dem Plakat auf der Titelseite dieses Heftes. Die Plakatserie löst bei den Seminaristen ganz spontane Reaktionen aus: „Wie aus Sience-fiction- oder Actionfilmen; ich finde das ganz amüsant und witzig, aber im Grunde werden die Plakate der Sache nicht ganz gerecht, dafür ist die Thematik einfach zu ernst, es ist eine radikale Sache, Priester werden wollen, das können wir nicht wegdiskutieren; oder das Plakat mit dem Wort: ‘Wir brauchen keine frommen Jungs, wir brauchen Priester’, da wird ‘fromm’ mit ‘frömmelnd’ in Verbindung gebracht, aber wenn Frömmigkeit im guten Sinn hier nicht wichtig ist, dann können wir heimgehen; das Priesteramt wird hier verkauft wie in der Werbung; wenn wir immer verlangen, dass wir realistisch dargestellt werden und wir verkaufen uns dann selber so …“
Die jungen Leute können gut formulieren, was sie mit „ernst“, „radikal“, „realistisch“ meinen. Georg Pettinger nennt z.B. „Die Erwartung, dass man ein menschlicher Pfarrer wird, d.h. der Priester soll immer da sein, überall präsent sein, das kostet.“ Alexander Haas formuliert: „Meine Frage ist immer wieder: ‘Wie bringe ich meine Ideale von Christentum, von Glaube und Evangelium weiter an die Menschen in der Pfar-rei’?“ Jürgen Reihofer: „Man macht sich schon Gedanken, wie sieht das später aus, kann ich allein im einem Pfarrhof leben oder brauche ich eher Menschen um mich?“ Und Markus Kirchmeyer: „Werde ich später mit existentiellen Situationen umgehen können, z.B. Eltern nahe sein, deren Kind an Krebs gestorben ist. Kann ich solche Situationen mit dem liebenden Gott vereinbaren, kann ich standhalten, wenn Menschen mit ihrem Schicksal, mit Gott hadern?“

Trotz allen Vorbehalten gegenüber dieser Art von „Werbung“ für den Priesterberuf wird doch auch die Chance einer solchen Aktion gesehen. Tobias Hager: „Das Wort „Priester, Priestertum“ wird ja in der Gesellschaft immer mehr zurückgedrängt, da ist es schon positiv, dass dieser Begriff irgendwo einmal neben einem Kaufhaus auftaucht, das dient schon der Be-
wusstseinsbildung.“
Bei allem Für und Wider aber fasst das Wort von Alexander Haas sicher die Meinung in diesem Kreis sehr gut zusammen: „Letztendlich ist das lebendige Beispiel vom Pfarrer der Heimatpfarrei hundertmal so prägend für ein Bild von Kirche und Priestertum wie ein Plakat.“

Alle sind verantwortlich
Aber nicht nur die Pfarrer sind gefordert, das ist den Seminaristen bewusst. Sie versuchen heute auch selbst, ihr Leben unter jungen Leuten und in Gemeinden transparent zu machen, z.B. bei sogenannten kleinen Seminartagen, wenn kleine Gruppen von Priesterkandidaten am Sonntag in Pfarreien gehen. „Es freut einen, wenn man dann z.B. an Stelle einer Predigt etwas vom Studium, vom Leben im Seminar erzählen kann oder wie man auf den Gedanken kommen kann, ins Seminar zu gehen“, berichtet Jürgen Reihofer von seinen Erfahrungen.
Regens Werkstetter erzählt in einem eigenen Gespräch, wie ihn jemand in einem Pfarrgemeinderat angesprochen habe: „Heute haben wir ja den Mann von der Front bei uns“, worauf er geantwortet habe: „Wenn schon „Front“, dann meine ich, stehen wir alle an der „Front“, die ganze Gemeinde ist verantwortlich dafür, dass junge Menschen den Weg zum Priesterberuf finden können.“