Auch in Jugendverbänden gibt es Bemühungen, „Berufung“ ins Gespräch zu bringen. Wenn es aber um den Priesterberuf geht, zeigen sich Vorbehalte. Pfarrer Paul Hüster, Leiter der „Arbeitsstelle Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz“, Düsseldorf, wirbt in einem Gespräch mit dem „Zentrum für Berufungspastoral“, Freiburg, um Verständnis für die Fragen in den Verbänden und weist auf ihren Beitrag zum Thema hin.
„Berufung“ ist für die kirchliche Jugendarbeit kein Tabuthema, aber die Großwetterlage für geistliche Berufungen ist schlecht. Ich möchte einige Tiefdruckgebiete beschreiben:
Berufung und Ehelosigkeit
Die Verantwortlichen in der Jugendarbeit haben oft schmerzhaft miterlebt, dass Priester aus dem Amt gegangen sind. Jugendseelsorger sind nicht an ihrer innersten Berufung, sondern an dem Versprechen der Ehelosigkeit gescheitert. Bei aller Komplexität dieses Problems will den Verantwortlichen in der Jugendpastoral oft nicht eingehen, warum beim Scheitern des Versprechens der Ehelosigkeit diesen Priestern im Feld der Kirche keine Aufgaben geboten werden, in denen sie ihre weiterhin lebendige Berufung zum Dienst am Menschen leben können.
Enttäuschte Hoffnungen
Ein weiteres Tief hängt mit den Veränderungshoffnungen im Leben der Kirche zusammen, die in der Jugendarbeit entstanden sind oder von ihr transportiert werden. Dazu gehört auch die Zulassung von Frauen zum Diakonat und auch zum Priesteramt und die Entkoppelung von Ehelosigkeit und Priesteramt. Enttäuschte Veränderungshoffnungen stiften eine Zwiespältigkeit. Auf der einen Seite wünscht man sich Priester und Ordensleute für das kirchliche Leben, für den Dienst in den Gemeinden und an den Verbänden. Andererseits entsteht durch den Priestermangel der scheinbar nötige Druck, den man sich in der persönlichen Deutung der Zeichen der Zeit für die Veränderungen in der Gestalt des Amtes der Kirche wünscht und der dann im Ergebnis den Laien eine größere Partizipation in der Verantwortung und der Leitung der Kirche eröffnen
soll.
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Zerrissenheit der beruflichen Anforderungen
Ein weiteres Tief möchte ich
beschreiben, das eigentlich einen positiven Kern in sich trägt. Die jungen Menschen und die Verantwortlichen in den Jugendverbänden erleben Priester heute undistanzierter und privater mit all ihren beruflichen Anstrengungen und
Belastungen. Leiterrunden sind nicht selten der Ort, wo der Priester sich auch persönlich zu Hause fühlt und manchmal mehr Beheimatung für sich
sucht, als er durch seine spirituelle Arbeit und seine priesterliche Begleitung den Leitern und Leiterinnen geben
kann. In dieser Situation wird beim Priester bewundert, dass er sich diesen
vielen, oft auseinanderdriftenden Außenanforderungen der Pfarrgemeinde
stellt. So wird der Priester in der erlebbaren Zerrissenheit mit viel Sympathie
begleitet. Man würde aber gleichzeitig erschrecken, wenn die eigenen Kinder oder ein Jugendlicher der Gruppe Priester werden möchte.
Jugendarbeit motiviert für kirchliche Dienste
Wenn wir den Berufungsbegriff weiter fassen, entdecken wir ein deutliches
Zwischenhoch, das wesentlich von der Jugendarbeit mitgetragen
wird. In der Jugendpastoral wachsen Berufsentscheidungen für soziale Berufe mit dem
Ziel: kirchlicher Dienst. Die Entscheidung für ein kirchlichsoziales Berufsfeld ist eine Frucht der
Jugendarbeit. Die Berufsentscheidung wird in diesem Fall sehr oft mit dem Deutungsmuster in Verbindung
gebracht, im beruflichen Handeln Glauben und Leben miteinander zu
verbinden. Das für eine geistliche Berufung aus meiner Sicht notwendige Deutungsmuster der Christusnachfolge kommt hierbei jedoch nicht ausdrücklich zum
Tragen.
Auf der Suche nach vertiefter Spiritualität
Hier ist die Jugendpastoral mit einer neu entfalteten Suche nach einer lebendigen Spiritualität zumindest auf einem guten
Weg. Bei den vielfältigen Neuaufbrüchen ist aber noch
offen, wie weit diese Suche bereit ist, sich jesuanisch und christologisch zu
orientieren. Dies ist aber eine Voraussetzung, dass die Nachfolge Christi als ein Lebensmodell in der Breite der Jugendpastoral wieder kraftvoller zur Geltung gebracht
wird. Ob sich diese Christusnachfolge dann in Berufungen zum
Ordens- und Priesterleben niederschlägt, oder andere Formen radikalen Christseins gewagt
werden, das haben wir Gott zu überlassen.
Das ganze Interview in: „Berufung – Zur Pastoral der geistlichen
Berufe“ 1999, Heft 37, hrsg. vom Zentrum für
Berufungspastoral, Freiburg
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