Ein Jahr der offenen Tür |
| Mit dem Motto „Gott öffnet Türen – Berufung ins Gespräch bringen“ nimmt die Berufungspastoral Bezug auf das Symbol des Jahres 2000, die geöffnete Heilige Pforte. Dr. Birkenmaier, der Direktor des Zentrums für Berufungspastoral, Freiburg, formulierte das Wort: „Es ist nicht nur ein Tag, sondern ein Jahr der offenen Tür.“ Das Symbol „Tür“ |
Er appellierte an die reichen
Nationen, den armen Ländern Schulden zu erlassen. Diese Vision wurde von seinen Diplomaten und dem vatikanischen
„Sozial-Ministerium“ mit intensiver Lobby-Arbeit
umgesetzt. Zusammen mit vielen anderen kirchlichen Initiativen und ungezählten weiteren Nicht-Regierungs-Organisationen führte dieses Engagement bereits zu einem ersten
Erfolg: die führenden Industrienationen wollen den ärmsten Staaten Schulden nachlassen - mit entsprechenden Auflagen und
Kontrollen. Aber Kirche hat nicht nur andere zur Umkehr aufzurufen, sie hat auch selbst Anlass zu kritischer Gewissenserforschung. Dass hier ein Papst voran geht, ist neu. Schon in den vergangenen Jahren hat Papst Johannes Paul Schuld der Kirche eingestanden und um Vergebung gebeten, so für den Fall Galileo Galilei, für den Anteil der Kirche am Antisemitismus, erst kürzlich für die Verurteilung und Hinrichtung von Jan Hus. Am ersten Fastensonntag dieses Jahres will Johannes Paul in einer großen Vergebungsbitte kritische Rückschau auf Versäumnisse und Irrungen von Kirche und Christen in der Vergangenheit halten. Wallfahrt (nach Rom) Im Heiligen Jahr geht es aber auch um die ganz persönliche innere Umkehr und die Erfahrung der Vergebung Gottes. Dieser Aspekt war der Anlass für die Ausrufung des ersten Heiligen Jahres durch Papst Bonifaz VIII. im Jahr 1300. Viele Menschen des ausgehenden 13. Jahrhunderts waren unruhig, fühlten sich als Sünder, wollten Gewissheit für ihr persönliches Seelenheil. Offensichtlich lag schon damals die Frage in der Luft, die Luther 200 Jahre später so formulierte: Wie finde ich einen gnädigen Gott? Damals fanden die Menschen vielfach die Antwort im Ablass, vielleicht deswegen, weil dieser irgendwie doch eher greifbar, ja geradezu messbar war. Inzwischen fand die Reformation statt, die sich am „Ablasswesen“ entzündete, aber auch davon abgesehen können die Menschen heute nicht mehr viel anfangen mit dem Bild einer Kirche, die einen Schatz von Gnadenmitteln hütet, aus dem sie gnädig austeilt. Was wir aber heute sehr wohl verstehen, ist die Verstrickung, die Schuld hervorruft – ein Gedanke, der dem Ablass ja auch zugrunde liegt. Welche Katastrophen hat Schuld im vergangenen Jahrhundert hervorgebracht, wie sehr kann Schuld das Zusammenleben von Völkern vergiften, aber auch Gemeinschaften und Familien belasten. Einen von der Last der Vergangenheit unbeschwerten Neuanfang erhoffen sich nach Ansicht des Rottenburger Weihbischofs Johannes Kreidler viele Menschen zu Beginn des neuen Jahrhunderts und Jahrtausends. Das Ereignis eines Heiligen Jahres hat einen besonderen Aufforderungscharakter, den Neuanfang zu wagen. Es gibt viele Möglichkeiten, einem solchen Neuanfang Ausdruck zu verleihen, eine davon ist der wiederentdeckte Brauch der Wallfahrt, nach Rom, ins Heilige Land, nach Santiago de Compostela oder einfach ein Tagesunternehmen an einen der nächstgelegenen heiligen Orte. (pw) |
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