Event oder Gottesdienst? |
| Pfarrer Udo Lehmann, Stadtjugendseelsorger in Wuppertal, erzählt von seinen Erfahrungen mit Gottesdienst und jungen
Menschen. Messe mit Pfiff? Seit zwei Jahren bin ich jetzt Stadtjugendseelsorger in Wuppertal. Als ich nach Jahren des Studiums endlich in die Gemeinde durfte, stand ich unter einem enormen Druck, was Jugendliturgie betraf. Dabei erwiesen sich diverse „Hilfen“ in Form von Geschichten, allerlei Symbolen u.s.w. als sehr nützlich. Die Frage, die mich bedrängte, war: „Wie feiere ich eine Messe mit Pfiff!“. Ich glaubte, Jugendliche wollten das so. Und ich konkurrierte mit den neuen Medien, ohne zu ahnen, dass ich den Kampf gegen diese Medien verliere, wenn ich ihre Methoden nachahmte. Zugegeben, nach manchem Gottesdienst kamen Jugendliche und fanden das, was gemacht wurde „toll“. In meiner persönlichen Nachbetrachtung fragte ich mich natürlich, was denn da so toll war? Die Methode, das Symbol, die „fetzigen“ Lieder oder – und hier sind wir inmitten der Fragestellung – die Botschaft? Befindlichkeit des Liturgen Langsam begann ich umzudenken. Nicht, weil Jugendliche mich dazu gedrängt hätten, sondern, weil ich selbst unzufrieden war. Ich fand mich zuweilen selbst in einer „actiongeladenen“ Liturgie nicht mehr wieder. Es war Stress entstanden, auch wenn das nach außen nicht sichtbar wurde. Für mich läuteten die Alarmglocken, auch deshalb, weil für meine eigene priesterliche Spiritualität, Liturgie zum Felsen im Alltag geworden war. Ich wollte diese Grundbefindlichkeit auch in die Jugendpastoral einfließen lassen. Der kritische Leser wird vielleicht denken: „Was macht der sich denn hier zum Maßstab!“. Aber genau hier sind wir wieder an einem entscheidenden Punkt. Der Liturge muss authentisch sein, das heißt, es muss deutlich werden, dass er es ernst meint, und dass er sich bei seiner Sache wohl fühlt. Was nützt die beste „Show“, wenn ein bitterer Nachgeschmack bleibt. Jede Verstellung wird gerade von jungen Menschen rasch wahrgenommen. |
Mehr Mystik Nach und nach begann ich, eine immer mehr reduzierte Liturgie zu feiern: Weniger Worte und „besinnliche“ Texte, weniger Rollenspiele und Dialoge, weniger Symbole und mehr Stille, mehr Musik, mehr Mystik (z.B. durch Weihrauch) und maximal ein Symbol in der Mitte. Natürlich kann auch Stille anstrengend sein. Und noch heute fühle ich mich manchmal gedrängt weiterzumachen, wenn das erste Rascheln und Husten losgeht. Stille und Meditation sind in unserer lauten Zeit, mit ständig wechselnden Bildern und Informationen zunächst ungewohnt. Und man sollte jungen Menschen den Sinn erklären, warum jetzt Ruhe und Stille ist und wohin sie führen soll. Es braucht eine gewisse Zeit, damit diese laute und bunte Welt zur Ruhe kommen kann. Mittlerweile kommen Jugendliche zu mir und bedanken sich für die gemeinsam verbrachte Zeit mit den Worten: „Das hat gut getan!“ Zugegeben: manchmal gibt es auch Jugendliche, die finden das langweilig. Man kann es niemals allen recht machen. Dieser Langeweile ist aber durch „Aktion“ nicht beizukommen, weil die Voraussetzungen dafür in der Liturgie meines Erachtens nicht sinnvoll anwendbar sind, jedenfalls im Sinne der neuen Medien. Wenn z.B. in einer Eucharistiefeier die Botschaft, dass sich Christus in Brot und Wein schenkt, nicht mehr beeindruckt, was dann? Etwa eine Rose, ein Holzrad, ein Stein, ein „realistisches“ Rollenspiel oder Technomusik? Unsere Botschaft ist konkurrenzlos Ich glaube, dass wir uns vom Druck befreien dürfen, immer ein „Knallbonbon“ im Gottesdienst bereitzuhalten und dass es wichtig ist, neben der Zielgruppe auch die Spiritualität des Liturgen im Auge zu behalten. Wir brauchen nicht zu konkurrieren, weil unsere Botschaft konkurrenzlos ist, weil wir nicht nur den jungen Menschen etwas Wunderbares vermitteln dürfen: „Die Nähe Gottes, erlebbar im Mysterium seiner Gegenwart“. Mit dieser Botschaft dürfen wir unverkrampft und mit Ruhe (dem eigentlichen Luxus unserer Zeit) auch an junge Menschen herantreten, denn das gibt es weder im Internet, noch im Computerspiel und auch nicht in hundert bunten Fernsehprogrammen. |
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