GOTT im WORT |
In Norditalien erlebt die "lectio divina" eine Renaissance. Unter denen, die sie pflegen und fördern, ragen zwei Bischöfe und ein Ordensgründer hervor: Kardinal Carlo Maria Martini in Mailand, Bischof Wilhelm Egger in Bozen-Brixen und Enzo Bianchi, der Gründer der ökumenischen Kommunität BOSE. Nun ist auch im deutschen Sprachraum das grundlegende Buch von Enzo Bianchi neu erschienen (Siehe "Lesetips" S. 19).
"lectio divina" - neu entdecktEnzo Bianchi beschreibt die "lectio divina" als eine grundlegende Erfahrung des Gottesvolkes, sowohl von Israel wie der Kirche. "Lesung im Heiligen Geist, gebetete Schrift: das ist die lectio divina." In der Kirchengeschichte erlebte sie Blütezeiten. "Bis zum 13. Jahrhundert hat diese Methode den Glauben von ganzen Generationen genährt, und noch Franz von Assisi hat sie beharrlich geübt. Aber im Spätmittelalter wurde die lectio divina durch Einführung von "quaestiones" und "disputationes" verbogen. Es folgten Zeiten, in denen dieses Gebet verschwand ..., bis sie nach dem II. Vatikanum in der Konzilskonstitution Dei Verbum Nr. 25 wieder auflebte." Kurz nach dem Konzil, 1968 hat Enzo Bianchi die "Kommunität Johannes XXIII." gegründet. Von Anfang an war die Heilige Schrift die Hauptquelle der jungen Gemeinschaft in BOSE ("Wasserloch"), die inzwischen für viele zu einer geistlichen Quelle geworden ist. Den Geist herabrufenBereits der Einstieg in die Bibellesung ist ein geistlicher Vollzug: "Rufe den Heiligen Geist an. Wenn du die Bibel zur Hand genommen hast, lege sie ehrfürchtig vor dich hin, weil sie der Leib Christi ist, sprich die Epiklese, das heißt, rufe den Heiligen Geist an (in gleicher Weise wird in der Eucharistiefeier immer vor der Wandlung gebetet). Der Heilige Geist hat das Wort hervorgebracht das gesprochene oder geschriebene Wort , sei es durch die Propheten, die Weisen, sei es durch Jesus oder die Evangelisten. Er hat es der Kirche gegeben und bis hin zu dir unversehrt bewahrt. Da der Heilige Geist die Schriften eingegeben hat, kann auch nur er sie verständlich machen. Laß den Heiligen Geist auf dich herabkommen (Veni, Creator Spiritus!), und laß ihn mit seiner Kraft, seiner dynamis, dir den Schleier von den Augen nehmen, damit du den Herrn sehen kannst (Ps. 119,18; 2 Kor. 3,12-16). |
Der Geist macht lebendig, der "Buchstabe allein tötet"." Ohne Heiligen Geist bleibt die Schriftlesung buchstäblich geistlos. "Ohne Epiklese bleibt die lectio divina eine menschliche Übung, eine geistige Anstrengung, höchstens eine Bemühung um Weisheit, aber nicht um göttliche Weisheit. Das heißt "den Leib des Herrn nicht unterscheiden" und sich so "das Gericht" zu lesen (vgl. 1 Kor 11,29)."
Nach dem Einstieg vollzieht sich die geistliche Schriftlesung in vier Schritten: 1. LECTIO "Die Lesung erforscht." 2. MEDITATIO "Die Meditation findet." 3. ORATIO "Das Gebet erbittet." 4. CONTEMPLATIO "Die Kontemplation schmeckt." GOTT im WORT GOTT in WELTGOTT im WORT bewußt sind beide Wörter groß geschrieben, denn: · "Gott spricht, und die lectio ist nur ein Mittel, um zu hören. "Höre, Israel!" Dieser Ruf des Herrn soll aus dem Text heraus zu dir dringen." (Lesung) · "Gott schenkt sich dir, er liefert sich dir aus in seinem Wort: nimm es auf wie ein Kind." (Meditation) · "sprich mit ihm wie ein Freund zum Freunde." (Gebet) · "Die lectio divina will dich zu jener unaussprechlichen Erfahrung der göttlichen Gegenwart führen, wo du als der Geliebte die Worte des Liebenden in Freude, Ergriffenheit und Selbstvergessen betrachtest und nachsprichst." (Kontemplation) · "Gott braucht dich als Werkzeug in der Welt ..." - "Geh mitten unter die Menschen und gib ihnen von dem Frieden und dem Segen, den du empfangen hast." GOTT im WORT führt nicht aus Welt hinaus, vielmehr in Welt hinein, wandelt sich zu GOTT in WELT. Johannes Haas P. Johannes Haas OSFS begleitet die KIM-Bewegung in Deutschland und Österreich. Seit Jahren macht er sich mit Gruppen in BOSE auf "Spurensuche Berufung". |
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