Berufsklärung im Testverfahren


Frater Georg Bock von den Mariste-Schulbrüdern in Mindelheim erzählt von seinem Berufungsweg

Angefangen hatte es in meiner Schulzeit, als ich im Internat der Maristen Schulbrüder war. Hier hatte ich eine Heimat für mehrere Jahre bis zum Abschluß der mittleren Reife, hier lernte ich die Brüder kennen und schätzte ihre menschliche und weltoffene Art.
Ich sollte nach der Schule eine Lehre machen, zuhause im Betrieb meiner Eltern Verantwortung übernehmen und was sonst noch an normalen Erwartungen da war.

Jugendarbeit und Bibel

In der Jugendarbeit kam ich mit der Bibel in Berührung. Wöchentlich trafen wir uns in Gruppen und befaßten uns mit einer Bibelstelle, wuchsen und lebten damit, zuerst als Gruppenmitglied, dann selbst als Leiter: Über mehrere Jahre – das läßt keinen kalt, es ließ auch mich nicht kalt. Aber es war noch nicht soweit. Ich begann eine Lehre, war jetzt zu Hause und als Bankkaufmann in einem ganz anderen Umfeld. Die Arbeitswelt, die Anforderungen und neuen Beziehungen waren anfangs schwer. Aber ich schaffte es, nur merkte ich, daß weder das Bankgeschäft noch der elterliche Betrieb auf Dauer etwas für mich waren. Es hieß, Entscheidungen zu treffen, Erwartungen zu enttäuschen, schlechtes Gewissen oder Unsicherheit zu bewältigen. Allein hätte ich kaum die Kraft gehabt, aber gute Freunde, auch Brüder ermutigten mich. Bis ich letztlich meinen Weg entschieden ging, wollte ich mich weder an eine Gemeinschaft noch an eine Partnerin binden, das war nicht leicht, und mancher einsame Kampf fand statt.

Gemeinschaft und eine klare Hauptaufgabe

Mit 22 Jahren, nach bestandener Lehre holte ich das Fachabitur nach und begann ein Studium der Religionspädagogik in München. Fach- und praxisnahe Ausbildung gefielen mir, und ich wußte: Das war's! Aber auch hier gab es Krisen:
Ein Praxisjahr "durfte" ich wiederholen, und währenddessen merkte ich auch, daß das Priestertum und seine Anforderungen mir nicht entsprachen – auch wenn es mehr Prestige und Ansehen bringt. Was ich suchte, war Gemeinschaft und eine klare Hauptaufgabe: Mit der Jugend arbeiten, sie begleiten, mit ihnen leben so wie die Brüder, die ich kannte. Das war nichts Besonderes, und mancher schüttelte den Kopf und tut es heute noch.

Ich bin überzeugt, daß jeder die Chance bekommt, sein Leben seinen Fähigkeiten gemäß voll und ganz zu leben, daß er seine Begabungen und Leidenschaften entfalten soll, das wäre weder in einer Bank noch im Betrieb daheim gegangen.

Gelübde: Freiheit zum Dienen

Heute bin ich 39, bin Lehrer für Religion an unserer Schule, arbeite im ordenseigenen Internat mit einer Gruppe von über 30 Jungen und betreibe Jugendarbeit, soweit es die Zeit zuläßt. Daß ich keine Familie und kein Haus habe, und daß meine Familie mich frei ließ – ein Opfer für meinen Bruder, der das Geschäft übernimmt und für meine Eltern sorgt – ist für mich ein Ruf zum Dienst. Es geht nicht um Verzicht, um die Askese als Wert an sich: Es geht um den Einsatz der Person, die Freiheit zum Dienen. Ich will für die Jugendlichen und meine Brüder dasein, neben meinen Fähigkeiten vor allem meine Zeit opfern, sonst sind die Gelübde wertlos, nur aufgesetzt. Daß Gebet und Gottesdienst dabei einen wichtigen Platz einnehmen, ist selbstverständlich. Ich habe das Kloster ja auch gewählt, um mehr Zeit dafür zu haben und in Gemeinschaft mit meinen Brüdern mein Ziel zu erreichen. Und, daß ich als Bruder, ohne besonderen Status, als Laie lebe, ist für mich ein echtes Zeichen der Armut und der Einfachheit. Maria ist mir dabei ein Vorbild in ihrer unaufdringlichen, verborgenen Art.
Es ist ein sinnvolles, erfülltes Leben. Ich habe meine Entscheidung nicht bereut. Und ich denke, daß die Menschen Brüder und Schwestern brauchen, die für sie da sind. Auch und gerade in unserer Gesellschaft.

Frater Georg Bock FMS,
Maristenkolleg,
Champagnatplatz 4,
87719 Mindelheim.

Tel. 08261/5088.