Das Leben teilen


Canisianer-Brüdergemeinschaft in Rees am Niederrhein
1854 wurde die Brüdergemeinschaft der Canisianer am Marienwallfahrtsort Kevelaer gegründet. Schwerpunkte des Dienstes waren zunächst die Wallfahrt und die Arbeit mit gefährdeten Jugendlichen. 1951 öffnete sich die Gemeinschaft zusätzlichen sozialen und pastoralen Aufgaben und neuen Formen gemeinsamen Lebens.
Anfang des Jahres 1997 bezogen die drei Canisianer-Brüder Christoph Gerenkamp (30), Reinhard Stolte (33) und Gereon Henkhues (54) die Kaplanei in Rees am Niederrhein, Diözese Münster.

Was sind Ihre konkreten Tätigkeiten?

Br. Reinhard: Bruder Christoph ist Erzieher in einer Sondergruppe der Werkstatt für geistig behinderte Menschen der Lebenshilfe in Rees/Groin, Bruder Gereon ist Seelsorger in zwei Kirchengemeinden in Wesel, ich selber bin Pastoralassistent in der Gemeinde Mariä Himmelfahrt hier in Rees.
Wir sehen die Begründung unseres Ordenslebens nicht zuerst in unserer beruflichen Tätigkeit, sondern mehr in der Bereitschaft, das Leben miteinander und mit den Menschen zu teilen in der Nachfolge Jesu Christi. Wir wollen das Dasein im Alltag zum Angebot für die Menschen machen.

Was wollen sie den Menschen sagen?

Br. Christoph: Die Herausforderung, Zeugnis vom lebendigen Glauben zu geben, ist für mich immer wieder neu da. Die Antwort kann ich nicht vom Rationalen her geben. Aber ich versuche, mich selbst zum Angebot zu machen, indem ich am Alltag meiner Mitmenschen teilnehme. Ich arbeite mit, ich bringe mich ein, und das nach meinen Kräften. Bei den mir anvertrauten Menschen, bei den Kolleginnen und Kollegen, da kann ich nicht viel in Worte fassen. Erfolge bei den Behinderten? Ich spüre an kleinen Zeichen, daß es den mir anvertrauten Menschen guttut, in diese Einrichtung gekommen zu sein. Was für mich allein zählt, ist der Mensch.

 Gibt es Kontakte zur Bevölkerung von Rees? Wer sind die Menschen, die zu Ihnen kommen?

Br. Gereon: Gäste sind in unserem Hause immer herzlich willkommen. Wir legen großen Wert darauf, daß Menschen bei uns brüderliche Gemeinschaft erfahren. So kommen Jugendliche, die wir im Alltag begleiten, um zu sehen, wie wir leben. Ich fühle mich dabei an die Schrift erinnert, wo Jesus auf die Frage "Herr, wo wohnst Du?" erwidert: "Komm und sieh.". Aus der Pfarrei treffen sich auch Gremien, z. B. der Sachausschuß "Jugend und Familie". Manchmal kommt auch jemand vorbei, um eine Frage zu diskutieren oder ein Problem anzusprechen. Wichtig ist, daß ich mir Zeit nehme für die, die kommen.

Wie sieht Ihr geistliches Leben aus?

Br. Reinhard: Wir beginnen den Tag gemeinsam um 7 Uhr. Zusammen mit dem Pastor und dem Kaplan dieser Gemeinde beten wir im Pfarrhaus die Laudes, das Morgenlob der Kirche. Wegen unserer unterschiedlichen beruflichen Tätigkeiten sind weitere gemeinsame Punkte im Laufe des Tages nicht möglich. So liegt der weitere Verlauf des geistlichen Tagesrhythmus in der Verantwortung jedes einzelnen, wie etwa Besuch der hl. Messe und die Meditation. Auf einen Tagesabschluß im geistlichen Rahmen legen wir Wert.

Wie würden Sie ihre Spiritualität auf den Punkt bringen?

Br. Christoph: Wir leben in kleinen Konventen im Vertrauen auf die Zusage Jesu Christi: "Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter Ihnen." Die Gespräche, die wir z. B. abends zum gemeinsamen Tagesabschluß oft führen, sind manchmal so dicht und so intensiv, daß wir spüren: da ist Christus mitten unter uns. Immer wieder geht es um Erfahrungen aus unserem Beruf, die uns bewegen, beispielsweise um Sterbebegleitung, Leben nach dem Tod. Diese Gespräche haben oft einen solchen Tiefgang, daß wir sie wirklich als ein Geschenk erfahren.


Brüdergemeinschaft der Canisianer
Hohe Str. 13
47546 Kalkar
Tel.: 02824 - 999 66 2
www.canisianer.de