Verändern statt aussteigen


Bruder Athanasius Burre, Barmherziger Bruder von Maria Hilf, Trier

Als Superior ist Bruder Athanasius Burre (41) Oberer der Gemeinschaft der Barmherzigen Brüder von Maria Hilf in Trier und Leiter ihres dortigen Krankenhauses mit 1700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Worin sehen Sie die Aufgabe, die Chance Ihrer Brüdergemeinschaft in diesem großen Unternehmen Krankenhaus?

Br. Athanasius: Da wir heute ja durch Ordensmitglieder nicht mehr so gegenwärtig sind, sehe ich meine Aufgabe darin, den Geist und die Zielsetzung unserer Ordensgemeinschaft den Mitarbeitern vorzustellen und unter ihnen lebendig zu erhalten.

Wie würden Sie kurz diesen Geist der Ordensgemeinschaft beschreiben?

Br. Athanasius: Uns ist es z. B. wichtig, Sterbende zu begleiten. Wir legen großen Wert auf die Krankenseelsorge. Ein Anliegen ist uns, daß die Mitarbeiter aus einer Haltung des Dienstes den Patienten begegnen. Das heißt konkret auch, daß der Patient mehr in den Behandlungsprozeß einbezogen wird. Wir müssen weg von einem Verständnis, nach dem die im Krankenhaus Beschäftigten immer wissen "was für Dich gut ist". Da gilt es für uns alle, daß wir unseren Dienst weiterentwickeln, daß wir innovativ sind.

Solche Grundsätze werden ja auch etwa in einem Caritaskrankenhaus beachtet. Gibt es etwas, was darüber hinaus ein Brüderkrankenhaus besonders charakterisiert?

Br. Athanasius: Es gibt hier täglich vor Ort eine betende Gemeinde, die Brüder und die Ordensschwestern, die auch bei uns arbeiten. In unserem Gebet sind immer auch die Kranken bewußt mit eingeschlossen. Das ist in einem anderen christlichen Krankenhaus, das nicht von einem Orden getragen wird, nicht möglich.

Der Generalsekretär der Deutschen Ordensobern, P. Schumacher O. Carm., sagte einmal: "Wir müssen die Fronten wechseln, es ist nicht Aufgabe der Orden, im Management zu stehen, sondern

an der Basis, nicht an den Schalthebeln der Macht, sondern bei denen, die unter den Institutionen in Staat und Kirche leiden."

Br. Athanasius: "An den Schalthebeln der Macht", da unterstelle ich dem Begriff "Macht" einen negativen Beigeschmack. Macht in sich ist nicht gut und nicht schlecht, es kommt darauf an, was ich als Mensch daraus mache. Ich habe die Möglichkeit, verantwortungsvoll mit Macht umzugehen.

Junge Leute, die sich mit Berufen der Kirche befassen, sagen oft: Ich will nicht ins Management, ich will es einmal mit Menschen zu tun haben.

Br. Athanasius: Da haben Sie mich wirklich an einer empfindlichen Stelle erwischt. Hier wird unterstellt, daß man in der Verwaltung, im Management nicht mit Menschen zu tun hat. Gerade auch Manager können recht arm sein. Sie hetzen oft von Ort zu Ort und sind innerlich leer, wer ist für sie da? Wenn ich in der Chefärztekonferenz zwei Kontrahenten miteinander in Versöhnung bringe, dann ist das für mich auch ein Arbeiten mit Menschen, ich gehe da ja nicht mit Robotern um.
Zudem denke ich, daß auch Ordensleute nicht aus Systemen wie z. B. einem Krankenhaus einfach aussteigen können, wir leben überall in Systemen, auch wer in der Obdachlosenarbeit tätig ist. Wir sollten uns bemühen, die Systeme zu verändern, daß Menschen darin leben können.

Ihr Dienst stellt hohe Anforderungen an Sie, woher nehmen Sie die Kraft?

Br. Athanasius: Zunächst ist es die spirituelle und geistige Gemeinschaft, in der ich lebe. Da kann ich bei den Gebetszeiten immer wieder hineintauchen in ein Verweilen vor Gott. Am Morgen und am Abend kann ich die Gebetszeiten so gut wie immer wahrnehmen, mittags wird es manchmal schwierig.
Aber ich bemühe mich auch um sportlichen Ausgleich, um Entspannung, gehe in die Sauna. In meiner freien Zeit lese ich auch gerne oder höre Musik. Ich arbeite nicht mehr als andere Menschen auch, es ist also nicht so, daß es immer rund um die Uhr geht, ich habe meinen Urlaub, mache Exerzitien. Dazu kommt, daß ich diese Aufgabe gern mache, das schafft auch eine innere Zufriedenheit.