Große Persönlichkeiten aus früheren Zeiten bleiben lebendig und können uns auch nach Jahrzehnten noch durch ihr Leben und ihr Zeugnis inspirieren, besonders wenn sie uns ihre Ideen und Gedanken schriftlich hinterlassen haben.
P. Paschalis Schmid, der Initiator des monatlichen Gebetstags für geistliche Berufe, ist mir auf diese Weise als Internatsschüler im Salvatorkolleg Lochau am Bodensee begegnet. An jedem ersten Samstag im Monat wurde dieser Tag mit einer eigenen Messe gefeiert; dabei haben wir die speziell thematischen Kirchenlieder wie: „Ein Priesterherz ist Jesu Herz“ gesungen.
Erst später wurde uns vom Leben des “Priestersamstag-Paters“ – wie er landläufig genannt wurde -erzählt, der wie ich im Allgäu (Scheffau) aufgewachsen ist und 1902 als 14-Jähriger selbst die Internatsschule im Kolleg Lochau besucht hatte.
In der Ordensausbildung sprach man sicher öfters über den bekannten Salvatorianer – seine Lebensstationen. P. Paschalis Schmid und sein Herzensanliegen aber sind mir – ich muss es gestehen – erst vor zwei Jahren so richtig vertraut geworden und ans Herz gewachsen, während ich seine persönliche Biographie und die Niederschrift über sein geistiges Ringen um den „Priestersamstag“ intensiv studiert habe. Anlass dazu war die Vorbereitung für die Gedenkfeier in München anlässlich des 50. Todestages im Dezember 2007 und mein Vortrag bei Radio Horeb.
Wie ein geistiges Erdbeben erlebte P. Paschalis während seiner Jahresexerzitien 1930, was es heißt, als Priester und Ordensmann berufen zu sein, ein Gott Geweihter zu sein. Und in einem einzigen Augenblick wurde ihm klar, dass er mehr für Priester-und Ordensberufe tun muss, dass diese Aufgabe ihm aufgetragen ist. In seiner Beschreibung über ‚Etwas aus den Anfängen des Priestersamstags‘, die er 20 Jahre später verfasste, konnte er noch die genaue Stunde und den Ort angeben, wo ihm diese Erkenntnis widerfahren ist – wie sich der Apostel Johannes an seine 1. Begegnung mit Jesus erinnern kann: „Es war um die 10. Stunde!“ Vier Jahre später trat ihm die Idee vom Priestersamstag immer deutlicher vor Augen, wie sein Bemühen um Priester und Priesterberufe ein Anliegen für alle Gläubigen in der Weltkirche werden könnte.
Er sprach mit vielen über seine Pläne und Ideen; mit Bischöfen und auch mit der Prinzessin Immaculata von Sachsen, die Jahre vorher ein Frauenhilfswerk für Priesterberufe gegründet hatte. P. Paschalis wollte seine Idee dem Generalsuperior der Salvatorianer, P. Pancratius Pfeiffer, in Rom persönlich unterbreiten und ihn für diese Idee gewinnen. P. Paschalis bot sich Gelegenheit, nach Rom zu fahren, als 1934 Br. Konrad von Parzham an Pfingsten 1934 heilig gesprochen wurde. Er hoffte dabei, mit P. Pancratius darüber reden zu können und vom Obern den Segen für seine neue Initiative zu erhalten. Er schildert später: „Nun begann wohl der furchtbarste Sturm meines bisherigen Lebens ….“ Es bot sich ihm nämlich ganz unerwartet die einmalige Gelegenheit, sein Herzensanliegen in einem Brief direkt dem Papst vorzulegen – aber ohne Wissen des Generaloberen. Da entschied er sich für den Weg des Gehorsams und war danach dankbar, diesen Weg eingeschlagen zu haben. Denn sein Generalsuperior war sofort für diese Idee und wurde sein hilfreichster Fürsprecher bei der Ausbreitung des Priestersamstags. So konnte P. Paschalis im Nach hinein dankbar, bekennen und erzählen, wie die Initiative zu einer eigenen großen weltweiten Bewegung geworden ist.
Im Jubiläumsjahr 2009 „75 Jahre Priestersamstag“ wurde ein Buch auf den Markt gebracht, in dem unter anderem sehr ausführlich die Anfänge des monatlichen Gebetstags für geistliche Berufe geschildert sind: „Monatlicher Gebetstag für geistliche Berufe – Paschalis Schmid und sein Lebenswerk“. P. Paschalis kommt im Buch selbst oft zu Wort, in dem was ihn zu den jeweiligen Schritten bewogen hat.
Das große Werk von P. Paschalis, wie es in diesem Buch beschrieben ist, ist bis in die Gegenwart aktuell. Das Buch zeigt uns neben dem geschichtlichen kirchlichen Hintergrund Aspekte, die auch für die heutige Berufungspastoral unersetzlich sind.
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