So notwendig wie das tägliche Brot

von Erzbischof Dr. Ludwig Schick

Brauchen wir heute noch Orden?

Die Ordensleute gehören zum Leben der Kirche wesentlich dazu, wie die Kirchengeschichte von Anfang an zeigt. Das geweihte Leben in Keuschheit, Armut und Gehorsam in der Nachfolge Christi ist „eine göttliche Gabe, welche die Kirche von ihrem Herrn empfangen hat und in seiner Gnade immer bewahrt", so schreiben die Väter des Zweiten Vatikanischen Konzils in der Dogmatischen Konstitution über die Kirche „Lumen Gentium" im Abschnitt 43. Im Oktober 1994 fand eine „Ordentliche Bischofssynode" über das geweihte Leben statt. Auf dieser bekannten mehrere Bischöfe aus der ganzen Welt bezüglich des Ordenslebens: „de re nostra agitur" - „es geht um etwas, das uns betrifft," Im nachsynodalen Apostolischen Schreiben „Vita Consecrata" zitiert Papst Johannes Paul II. diesen Satz und fügt hinzu; „Tatsächlich steht das geweihte Leben als entscheidendes Element für die Sendung der Kirche in deren Herz und Mitte, da es das innerste Wesen der christlichen Berufung offenbart und darstellt." Dann fährt er fort: „Das geweihte Leben ist für die Gegenwart und Zukunft des Gottesvolkes ein kostbares und unerlässliches Geschenk, weil es zutiefst zu dessen Leben, Heiligkeit und Sendung gehört" (vgl. Nr. 3). Die Kirche braucht die Orden, in denen sich das geweihte Leben nach den Evangelischen Räten erhält, entfaltet und wirkt.

 

Wozu brauchen wir die Ordensleute?

a) Zuerst zum Dienst an der Berufung aller Getauften. Jesus Christus selbst beruft Frauen und Männer in die besondere Nachfolge der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams. Der Herr erhebt sie damit nicht über die anderen Christen und setzt schon gar nicht diese herab. Vielmehr will er denen, die er in seine besondere Nachfolge beruft, einen Dienst auftragen, der Demut, Einsatz und Liebe verlangt. Die Frauen und Männer des geweihten Lebens sollen allen Christen helfen, dass sie die Taufgnade und
-gabe verwirklichen können. Die Berufung zum geweihten Leben ist Berufung zum „Dienst an der Berufung aller Getauften". Die Ordensleute sollen das „neue Leben" der Taufe in radikaler und damit vorbildlicher Weise zum hilfreichen Zeugnis für alle praktizieren. Deshalb ist die erste und wichtigste Aufgabe aller Frauen und Männer des geweihten Lebens, das Lob Gottes bzw. das Gebet zu pflegen, die Heiligkeit, d.h. ein „evangeliumkonformes" Leben, gemäß ihrer Ordensregel anzustreben und Zeugnis für Christus, den König, abzulegen. Die Taufe gliedert in Christus ein, macht zum Volk Gottes und schenkt Teil am priesterlichen, prophetischen und königlichen Amt Christi. Damit alle Getauften ihre Taufgnade froh erleben und gläubig verwirklichen, sind die Ordensleute bis zur Wiederkunft des Herrn immer wichtig. Die Kirche braucht das Ordensleben als Motor und Antriebskraft für ihr Leben und ihre Sendung.

b) Dann zum Dienst in Kirche und Welt

Ordensleute sind für die verschiedenen Dienste in der Kirche wichtig. Die Kirche soll die Trias Verkündigung, Liturgie und Caritas verwirklichen. Die Ordensleute erfüllen gemäß der Gründung und Tradition ihres Ordens verschiedene Aufgaben in der Weltkirche, in den Diözesen und Pfarreien. In den Missions- und Entwicklungsländern sind sie oft die ersten Missionarinnen und Missionare sowie die entscheidenden Entwicklungshelfer; sie setzen sich ein für die Gesundheit, Bildung, Würde und Rechte der Menschen; sie arbeiten für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung.

Sie arbeiten in den entwickelten Ländern in Kindergärten und Schulen, in der Katechese und Pastoral der Diözesen, in Dekanaten und Pfarreien, in den Krankenhäusern und Altenheimen. Da die Gelübde der Armut, Keuschheit und des Gehorsams ihnen die Freiheit geben, sich ungehindert für ihre Tätigkeit einzusetzen, sind sie auf allen Ebenen meist die Triebfedern des Ganzen und die Seele von allem. Wenn sie sich aus Personalmangel oder anderen Gründen zurückziehen müssen, ist das Geschrei vor Ort groß. Bischöfe, Pfarrer und die Ordensoberen selbst können ein Lied davon singen.

 

Die Gläubigen und die Ordensleute

Die Gläubigen sollen zeigen, dass sie die Ordensleute schätzen und brauchen. Sie müssen für sie beten und um Berufungen für die Orden werben. Auch die Bischöfe und Priester sollen in Predigt und Verkündigung auf die Bedeutung der Ordensleute für Kirche und Welt immer wieder eingehen. Vor allem ist eine gute Zusammenarbeit mit den Frauen und Männern des geweihten Lebens in den Diözesen und Pfarreien ein wichtiges Zeichen der Wertschätzung. Die monastischen und kontemplativen Orden bedürfen der besonderen Beachtung der Gläubigen. Durch ihr Beten und Arbeiten, ihr Leben und Zeugnis bilden sie die Lungen, die der Kirche den Sauerstoff zuführen.

 

Kirche und Welt brauchen die Orden!

Aus theologischen, ekklesiologischen und praktischen Gründen sind die Orden unabdingbar für die Kirche und die Welt.

- Jesus Christus hat das geweihte Leben seiner Kirche eingestiftet.

- Das geweihte Leben soll allen helfen, ihre Taufgnade und -gabe zu verwirklichen.

- Die Kirche braucht die Orden, damit sie den Auftrag der Verkündigung, Liturgie und Caritas verwirklichen kann.