„Das A und O der Berufungspastoral"

Dr. Peter Birkhofer, Zentrum für Berufungspastoral (ZfB), Freiburg

WEGBEREITER: Seit dem Weltjugendtag sind schon einige Tage vergangen. Wie beurteilen Sie aus dieser Perspektive den Beitrag der Berufungspastoral in Köln?

Dr. Peter Birkhofer: Was großen Anklang gefunden hat, ist das Thema „Berufen zum Menschsein, zum Christsein und gerufen in die Nachfolge und zwar über den Weg durch die Kirche". Ich habe sehr viele Rückmeldungen, wo immer wieder dasteht, es hat mich ins Nachdenken gebracht, was ist mein Weg mit Gott in dieser Welt. Was heißt für mich, dass Gott mich ins Dasein gerufen hat. Was heißt das für mich, dass ich die Zusage bekommen habe, du bist mein geliebtes Kind und welchen Weg hat Gott jetzt mit mir vor - sei es in der Berufung zur Ehe, Familie, sei es in der Nachfolge als Diakon, Priester oder in der Ordensgemeinschaft? Insbesonders sehr positiv waren die Gebetsräume. Orte an denen stundenlang gebetet wurde, und das war ein Angebot, das wahrgenommen wurde. Da glaube ich, wir müssen uns die Frage stellen, wo sind Orte in unseren Gemeinden, wo Menschen beten können und mit anderen Menschen ins Gespräch kommen können genau über diese Fragen.

 

WB: Was ist, ihrer Meinung nach, das Entscheidende in der Berufungspastoral?

Dr. Peter Birkhofer: Ich glaube, Berufungspastoral lebt ganz stark von den Menschen. Wenn ich meinen Weg anschaue, ich bin zum Glauben, zum Priesterberuf gekommen durch Menschen, durch Mitbrüder, die mich angesprochen haben, die mit mir ein Stück des Weges gingen, die in mir auch diese Sehnsucht geweckt haben. Ich glaube, das ist das Zentrale, dass wir in unseren Diözesen, aber eben auch in den Pfarreien immer wieder gerade in die Verkündigung hineinbringen, alle Pastoral ist im Grunde Berufungspastoral. Wir müssen in diesem Zusammenhang immer wieder neu vermitteln, du hast einen ganz eigenen Wert vor Gott, wenn wir an diese Jesaia-Stelle denken „Ich habe deinen Namen in meine Hand geschrieben". Gott hat etwas mit mir vor, was so auch niemand anders leisten kann.

 

WB: Welche Probleme behindern Jugendliche sich für den geistlichen Weg zu entscheiden?

Dr. Peter Birkhofer: Es gibt für viele das Problem, dass es ihnen schwer fällt, sich zu entscheiden. Es fällt schwer zu sagen, ja ich setze mich in meinem Leben ganz und gar dafür ein. Das sehen wir auch in vielen Dingen des Alltages, dass es schwer fällt, sich zu entscheiden, das sehen wir im Grunde auch bei der Entscheidung für die Ehe und das sehen wir auch ganz deutlich bei der Entscheidung für den Zölibat. Und da ist im Grunde notwendig, jungen Menschen zu helfen eine Entscheidung zu treffen und ihnen da aber auch zu vermitteln, ja es ist gut, dass ihr euch entscheidet, es wird euch dabei ja nichts weggenommen, sondern ihr bekommt eine neue Freiheit. Dann wenn ich mich für etwas entschieden habe, werde ich auch frei zu dieser Entscheidung. Und das, glaube ich, ist dann eine große Aufgabe in der Pastoral, dass wir vermitteln, Entscheidung ist nicht Einengung, Entscheidung bringt dann Freiheit.

 

WB: Welche Rolle spielen die Seelsorger und Seelsorgerinnen von Ort in der Berufungspastoral?

Dr. Peter Birkhofer: Das A und O wird immer sein, welche Vorbilder finde ich, wenn ich Mitbrüder, wenn ich Mitglieder von Ordensgemeinschaften erlebe, bei denen zu spüren ist, sie sind glücklich mit dieser Entscheidung, die sie getroffen haben, dann stelle ich auch die Frage, was macht diese Menschen so glücklich, warum sind sie so froh, was ist das, was sie begeistert hat, welche Sehnsucht hat sie angetrieben, welche Sehnsüchte sind auch bei mir wach, gibt es da tatsächlich Übereinstimmung. Wenn ich hingegen nur erlebe, da ist alles nur am jammern, es wird alles schlechter, dann wird es schwer fallen, sich dafür zu entscheiden. Ich entscheide mich ja nicht für etwas, wo es mir schlecht geht, und genau deswegen brauchen wir engagierte Männer, Frauen in unseren Ordensgemeinschaften, auch in unseren pastoralen Diensten, die deutlich machen, das war mein Ruf und das ist meine Berufung, das ist mein Weg und dieser Weg lohnt sich.

 

WB: Begeisterung beim WJT mit La-Ola-Welle haben wir alle gesehen, gab es aber auch den tiefreligiösen Aspekt?

Dr. Peter Birkhofer: Es gab beides. Jeder große Event bringt immer so einen Schub mit sich, eine Begeisterung, die nur in der Masse möglich ist. Eine große La-Ola-Welle funktioniert nur, wenn Tausende und Abertausende da sind, das funktioniert nicht, wenn nur 20 Jugendliche sich in der Pfarrei treffen. Also von dem her geht immer so ein großer Event ganz eigene Wege. Auf der anderen Seite habe ich es gerade in St. Gereon, wo die Berufungspastoral ihren Platz hatte, erleben können: viele Jugendliche, junge Menschen, junge Erwachsene, die eben Tag und Nacht zum Gebet herkamen, denen es ganz wichtig war, ihren Weg zu finden und zu gehen, die spüren, dass das Leben mehr ist als nur Tanzen und Singen, sondern die auch die Ruhe und vor allem auch die Begegnung mit Christus suchten.

 

WB: Können die Tage in Köln Impuls für ganz Deutschland und die Berufungspastoral sein?

Dr. Peter Birkhofer: Ich hoffe es! Das Erleben der Menschen, das Erleben der Sehnsucht der Menschen, das Gebet, die Begegnung ist für mich so ein Zeichen, ja da ist der Dreh- und Angelpunkt und von da her denke ich auch, es wird sicher eine gewisse Begeisterung hinübergerettet und ich glaube, dass das ein Impuls für die deutsche Kirche sein wird, die ja auch immer wieder leicht in Versuchung ist zu sagen, keine Jugendlichen sind mehr da. Es sind junge Menschen da, die mit Gott das Leben wagen wollen.

 

Wir sollen mehr Hoffnung haben und dazu lädt uns auch das Motto der Berufungspastoral für das Jahr 2006 ein: „Was geht - Mehr als Du denkst"