Zum Jahr der Priester- und Ordensberufe in der Erzdiözese München und Freising

„Vom Herrn gerufen"

von Domkapitular Lorenz Kastenhofer, München

„Das Eucharistische Jahr ist mit der Bischofssynode in Rom zu Ende gegangen. Dieses Jahr wollte uns wieder mit aller Deutlichkeit bewusst machen: Die Kirche, und d. h. jede Gemeinschaft, ja jeder Christ lebt von der Eucharistie. Denn sie ist Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens.

Doch ohne Priester gibt es keine Eucharistie. Sie wissen alle und erleben, dass die Zahl der Priester in den letzten Jahren zurückgegangen ist. Dem können und dürfen wir nicht tatenlos zuschauen. Wir alle sind herausgefordert, das Unsere beizutragen, dass der Herr genügend Arbeiter in seine Ernte senden kann.

Auch unsere Orden leiden unter Nachwuchsmangel. Ohne Ordensleute wird das kirchliche Leben um vieles ärmer. Von Anfang an gab es in der Kirche Männer und Frauen, die Christus in großer Freiheit nachgefolgt sind und deshalb ein Leben nach den evangelischen Räten der Armut, der Ehelosigkeit und des Gehorsams wählten. Gott hat sie gerufen, sich vorbehaltlos in seinen Dienst zu stellen. Sie haben ihr Leben Gott geweiht und sind für viele Suchende zum Wegweiser geworden. In schulischen wie sozial-caritativen Einrichtungen waren sie Zeugen christlicher Lebenshingabe.

Priester, Ordensmänner und Ordensfrauen sind unverzichtbar für unsere Kirche, auch in der heutigen Zeit."

 

Mit diesen Worten begann der Erzbischof von München und Freising, Friedrich Kardinal Wetter, seinen Hirtenbrief zur Ankündigung des Berufungsjahres im Erzbistum. Zu dessen Eröffnung feierte er am Christkönigssonntag 2005 einen Vespergottesdienst im überfüllten Münchner Dom und überreichte den Pfarrgemeinden, Ordensgemeinschaften und geistlichen Bewegungen Berufungskerzen – Ausdruck des Gebetes überall dort in der Erzdiözese, wo sich im Anliegen des Berufungsjahres Menschen zum Gottesdienst versammeln. Dabei legte Kardinal Wetter besonders die eucharistische Anbetung vor dem Allerheiligsten am monatlichen Gebetstag um geistliche Berufe ans Herz und bat darum, ins sonntägliche Fürbittgebet das Anliegen der Priester- und Ordensberufe aufzunehmen.

Die Intensivierung des Gebets um Priester- und Ordensnachwuchs setzt gewiss einen Schwerpunkt für das Berufungsjahr in der Erzdiözese München und Freising. Das Kirchenjahr selbst bietet viele Möglichkeiten, das Thema in das gottesdienstliche Feiern lebendig einzubeziehen und als Gebetsanliegen wach zu halten.

Geistliche Berufungen können, da von Gott geschenkt, nur immer wieder ins Gebet gebracht, niemals aber „gemacht" werden. Die bleibende Aufgabe dabei ist es freilich, das Bewusstsein für diese Gabe der Priester- und Ordensberufungen wach zu halten und selbst alles dazu zu tun, dass diese Berufe wachsen können.

So trafen sich im November 2005 nahezu 130 Priester aus der Erzdiözese, Kapläne und Pfarrer, Dekane und Mitglieder des Domkapitels sowie Ordensgeistliche mit dem Erzbischof zu einem Tag des Gebetes und des freimütigen Austausches. Es ging darum, der eigenen Berufung nachzuspüren und Ideen zur Förderung von Priesterberufungen zu entwickeln. „Die Fackel weitergeben" meint den Versuch, theologisch interessierte junge Männer zu regionalen Zirkeln einzuladen. Gebet, geistliches Gespräch und Geselligkeit sollen dazu beitragen, als Priester junge Menschen an seiner eigenen Berufung und persönlichen Lebensentscheidung teilhaben zu lassen.

Dieser Einstiegstag der Priester in das Berufungsjahr sowie ein noch folgender Impulstag der Ordensleute in dessen Verlauf ergänzen die vielfältigen Angebote der Berufungspastoral seitens der Diözesanstelle „Berufe der Kirche" und der verschiedenen Ordensgemeinschaften im Erzbistum.

Das „Jahr der Priester- und Ordensberufe" in der Erzdiözese München und Freising macht deutlich, dass es das Gebet braucht, ein geistliches Klima in den Pfarrgemeinden, das persönliche Zeugnis der Berufenen und die Zustimmung vieler, damit Priester- und Ordensberufungen wachsen können. Die Aufgabe, junge Männer und Frauen dazu zu ermutigen, betrifft alle. Der Ruf des Herrn ergeht auch heute...

Erzbischof Friedrich Kardinal Wetter schloss seinen Hirtenbrief zum Berufungsjahr in der Erzdiözese München und Freising mit folgender Ermutigung:

„Ich bin sicher, dass es auch in unserem Erzbistum viele junge Christen gibt, die Jesus in seinen besonderen Dienst ruft. Vielleicht ist es der Zeitgeist, manchmal sogar ihre engste Umgebung, die ihnen vom Priester- und Ordensstand abrät. Umso nachdrücklicher sage ich den jungen Christen: Habt keine Angst, dem Ruf des Herrn zu folgen! Es ist der Ruf seiner Liebe, der Ruf in seine Freundschaft, die euch nichts nimmt, aber alles gibt."