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Kirchliche Akademien Unverbrauchte Potenziale Von Hans Hermann Henrix, Aachen |
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Schon während des Zweiten Vatikanischen Konzils wurde der Beginn eines verblüffenden Phänomens deutlich. Eine der ersten Formen der Nachfolge Jesu, das eremitische Leben, verzeichnete seit Anfang des 20.Jahrhunderts einen deutlichen und unerwarteten Aufschwung in unterschiedlichsten Teilen der Weltkirche. Oft ohne von diesem Aufbruch zu wissen, suchten Menschen aufgrund intensiver innerer Erfahrungen und unter dem Antrieb des Heiligen Geistes, das alte Ideal des Einsiedlerlebens nicht nur neu zu begreifen, sondern es vor allem zu leben. Die Neufassung des Kirchenrechts von1983 anerkennt in Folge ausdrücklich das eremitische Leben mit der Schaffung des Canon 603. Heute, am Beginn des 3. Jahrhtausends, bietet sich dem Betrachter ein buntes und breitgefächertes Spektrum dieses geistlichen Lebens. Bis heute existieren die altehrwürdigen und erprobten Orden der Mönche, die eremitisches Leben und Gemeinschaft zu verbinden suchen wie die Orden der Kartäuser (in Deutschland die Kartause Marienau) oder der Kamaldulenser. Ebenso wie in früheren Zeiten gibt es ebenfalls Ordensangehörige, die mit Erlaubnis ihrer Oberen das eremitische Leben wählen und sich auf dem Gelände ihres Klosters als Einsiedler niederlassen. Sie gehören weiterhin mit allen Rechten und Pflichten zur Gemeinschaft und nehmen in der Regel an verschiedenen Veranstaltungen ihres Konvents (Kapitel, Generalversammlung, Wahlen) teil, sofern es mit dem eremitischen Leben vereinbar ist. Sie sind über das Kloster versichert und beziehen auch meist ihren notwendigen Lebensunterhalt daher. Der in der Neufassung des Codex Juris Canonici (CIC) eingefügte Canon 603 beschreibt Neuland. Während sich der CIC von 1917 ein Leben in den Evangelischen Räten – also auch ein eremitisches Leben - nur in Verbindung mit der Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft vorstellen konnte, beschreibt der CIC von 1983 eine solche Möglichkeit unter der Obhut des Diözesanbischofs. §1 Außer den Instituten des geweihten Lebens anerkennt die Kirche auch das eremitische oder anachoretische Leben, in dem Gläubige durch strengere Trennung von der Welt, in der Stille der Einsamkeit, durch ständiges Beten und Büßen ihr Leben dem Lob Gottes und dem Heil der Welt weihen. §2 Als im geweihten Leben hingegeben wird der Eremit vom Recht anerkannt, wenn er, bekräftigt durch ein Gelübde oder durch eine andere heilige Bindung, sich auf die drei Evangelischen Räte öffentlich in die Hand des Diözesanbischofs verpflichtet hat und unter seiner Leitung die ihm eigentümliche Lebensweise wahrt. Dieses Diözesaneremitentum wird zurzeit im deutschsprachigen Raum sehr unterschiedlich gelebt. Mehrere Eremiten betreuen zum Beispiel kleinere Wallfahrtsorte, an denen eine Klause entweder angebaut oder in unmittelbarer Nähe entstanden ist. Andere wohnen in geeigneten |
leerstehenden Pfarrhäusern, alten Heuerhäusern oder ähnlichen Gebäuden. Da sich Diözesaneremiten ihren Lebensunterhalt selbst verdienen müssen, gehen sie verschiedenen Tätigkeiten nach, die mit der Lebensform vereinbar sind: Dazu gehören zum Beispiel Küsterdienste, die Arbeit als Pfarrhaushälterin, Schreib-und Übersetzungsarbeiten. Eine sehr alte Gemeinschaft des eremitischen Lebens, deren Mitglieder bis 1992 dem Dritten Orden des Hl.Franziskus angegliedert waren, legt seit 1993 ihre Gelübde nach Canon 603 ab. Die Regensburger Eremitenverbrüderung entstand im Dreißigjährigen Krieg, die Mutterklause íst in Bad Abbach. Die Brüder wählen einen Altvater, treffen sich nur einmal im Jahr und leben ansonsten in den verschiedenen Klausen der Eremitenverbrüderung. Ebenfalls im Bistum Regensburg entstand Ende der 70er Jahre die Gemeinschaft ‚Wachet und Betet‘. Eine ganz alte Form in einem neuen Gewand versuchen seit 2002 in Niederbayern zwei Eremiten. Die Laura St.Chariton hat zum Vorbild die alten Eremitensiedlungen, bei denen die Mitglieder in unterschiedlicher Entfernung (von einer Stunde Weg bis zu einer Tagesreise) voneinander lebten und sich nur in regelmäßigen Abständen trafen. Eine ähnliche Form leben seit 1972 Schwester Gertrudis Schinle und zwei Mitschwestern im Schwäbischen, die sich an ostkirchlicher Liturgie und Spiritualität orientieren. Auch in anderen Ländern hat das eremitische Leben in neuen Formen zu blühen begonnen. Besonders in Frankreich ist seit etwa 50 Jahren der Neuaufbruch spürbar: So leben beispielsweise die Eremitinnen Mariens in den Pyrenäen nahe der spanischen Grenze auf einem Areal in jeweils einem kleinen Haus und treffen sich nur zu den Gebetszeiten. Ebenso wie die zehn ehemaligen Kartäuser um Pater Angei Helly, die seit 1975 im Süden Frankreichs eine Form der urkartusianischen Nachfolge in einem ausgedehnten Waldgebiet leben. Ähnliches berichtet eine deutsche Eremitin über eine Einsiedlergemeinschaft in den russischen Karpaten. Im Ursprungsland des Eremitentums zeichnet sich ebenfalls eine Wiederbelebung dieser Lebensform ab. Wie Schwester Clémence Hélou, Mitglied des maronitischen Antoniner-Ordens berichtet, leben mehrere Frauen im Libanon in unterschiedlichen Intensitäten eremitisch. Das Bild ist bunt und nicht einheitlich. Dem aufmerksamen Betrachter kann aber auffallen, dass sich ein Schwerpunkt in allen konkret sehr unterschiedlichen Formen findet: Inmitten einer Welt, die immer stärker verflacht und die Menschen von ihrem innersten Kern wegzieht, beginnen Einzelne still, beharrlich und radikal zu leben, was der Lichtpunkt der Heilsgeschichte ist: Gott ist und Er will das Heil. Sich Ihm anheim zu geben ist das Glück jedes Menschen. |
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