Christliche Spiritualität

„Schweigen ist kein Selbstzweck"

Abt Bruno Gooskens verzichtet auf viele Worte

Der Trappisten-Orden übt ständigen Verzicht auf etwas, das im Medien- und Kommunikationszeitalter allgegenwärtig ist: viele Worte. Im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) macht Dom Bruno Gooskens, Abt von Mariawald, dem einzigen Trappisten-Kloster Deutschlands, Mut, Stille auszuhalten - und zu nutzen.

KNA: Abt Bruno, warum schweigen die Trappisten?

Gooskens: Letztlich sind wir alle auf der Suche nach Gott. Man kann auch sagen: nach den tieferen Schichten des menschlichen Lebens. Und dafür ist es vor allem wichtig zu hören. Nicht umsonst fängt auch die Ordensregel des heiligen Benedikt mit dem Hören an. Für die Suche nach Gott ist es wichtig, dass man sich losmachen kann von einem zu nervösen Leben und einem Zuviel an Worten.

KNA: Passiert es mitunter, dass Sie oder einer Ihrer Brüder unter dem Schweigen leidet oder es als Leere empfindet?
Gooskens: Schweigen erfordert natürlich viel Übung. Jeder muss selbst auf die Spur kommen, warum Stille kostbar und fruchtbar ist. Dann wird er auch für sich ein gutes Maß finden - denn Stille ist kein Zweck an sich. Der Eintritt in den Orden ist ein
langer Prozess der Selbsterforschung. Wenn jemand sich auf Dauer nicht wohl fühlt in der Stille, dann ist es für alle Beteiligten besser, wenn er einen anderen Weg beschreitet. Das geschieht gar nicht so selten. Dennoch können die Jahre im Kloster eine ganz
wichtige Erfahrung sein.

KNA: Gibt es bei Ihnen auch so etwas wie "eisiges Schweigen"?

Gooskens: Das Bild, das viele noch heute von den Trappisten haben, ist ein sehr strenges. Tatsächlich war es eine große

Gefahr für den Orden, dass das trappistische Schweigen gelegentlich zum Selbstzweck wurde. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil haben wir wieder verstärkt beachtet, dass auch das Wort seinen Wert hat. Und es war wichtig zu erkennen, dass auch nicht jedes Schweigen positiv ist. Wenn es eine Distanz schafft zwischen den Brüdern, dann kann es nicht gut sein.

KNA:
Wann ist denn die Zeit zu schweigen?

Gooskens: Es gibt Situationen, in denen man mal ein paar Worte spricht, damit sich beide Seiten wohlfühlen. Aber eine Leere
auffüllen mit Worten, wenn es eigentlich nichts zu sagen gibt, bringt nicht viel. Auch früher konnte der Bruder an der Pforte
mit den Gästen oder der Abt mit den Brüdern sprechen. Die Brüder reden auch untereinander, wenn die Arbeit es notwendig macht.
Dafür achten wir sehr darauf, dass wir bestimmte Teile des Tages und bestimmte Räume des Klosters besonders schützen, um auf einer tieferen Ebene hören zu lernen und Gottes Nähe besonders zu
spüren - vor allem im so genannten großen Stillschweigen, vom letzten Abendgebet bis zum morgendlichen Hochamt. Am Rest des
Tages, der vor allem der Arbeit und dem Unterricht gewidmet ist, wird mehr gesprochen.

KNA: Platzt es nicht schon mal aus Ihnen heraus - aus Ärger, Eifer oder Freude?

Gooskens: Doch. Gerade am Anfang eines Ordenslebens ist das ganz normal. Heute passiert es mir nicht mehr so häufig - auch wenn ich als Abt sicher mehr spreche als andere.

Interview: Alexander Brüggemann (KNA)