Gedenkfeiern zum 70-jährigen Bestehen

Der Priestersamstag als Krone aller Berufungsinitiativen

von P. Karl Hoffmann SDS

Die Ausrichtung des ersten Priestersamstags vor 70 Jahren in Berlin wurde im September 2004 von zwei großen Festfeiern umrahmt. Die eine fand am 12. September in Scheffau bei Lindau statt, im Heimatdorf von P. Paschalis Schmid SDS. Die andere wurde ein wenig später am 29. September selbstverständlich dort durchgeführt, wo der erste Gebetstag von Dompfarrer Bernhard Lichtenberg in der St. Hedwigs-Kathedrale gehalten worden ist.

Beide Feiern zeigten, dass das Anliegen von P. Paschalis, an einem bestimmten Tag im Monat eine besondere Aufmerksamkeit den Priestern und Priesterkandidaten zu schenken, nicht in Vergessenheit geraten ist. Es wurde zugleich deutlich, wie der Gedanke und der Inhalt des Priestersamstags weiterentwickelt worden ist. Erfreulich war zu sehen, wie viele Gruppierungen inzwischen zur Förderung der geistlichen Berufe, die in den Ämtern und Diensten der Kirchen einen Ausdruck finden, entstanden sind und gut zusammenarbeiten. Dazu zählen Gebetsgemeinschaften in den Seminaren, Pfarreien, Seniorenheimen und Klöstern, das Päpstliche Werk für geistliche Berufe, die Diözesanstellen Berufe der Kirche, das Zentrum für Berufungspastoral in Freiburg und viele Aktionen. Das alles geschieht nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen Welt. Ein weltweites Netzwerk ist geknüpft worden!

Mit Dankbarkeit gegenüber Gott wird P. Paschalis vom Himmel auf sein Werk her-abschauen, das er von Anfang an als ein Netzwerk geplant hatte. Beim Aufkeimen seiner Idee um 1930, etwas Einmaliges zur Unterstützung der Priester und der in Ausbildung befindlichen Theologiestudenten zu tun, nahm er Kontakt zu Persönlichkeiten seiner Zeit auf, die sich ebenfalls der „Erweckung und Stärkung von Priester- und Ordensberufen" verschrieben hatten. Ihm ging es nicht um eine Kopie des Vorhandenen, sondern um eine Vertiefung und Zusammenfassung aller Initiativen. Er wollte allen Bemühungen eine Krone aufsetzen. Diese Krone sah er in einem monatlichen Gebets- und Opfertag. Als Vorbild diente ihm das Abschiedsgebet Jesu aus dem 17. Kapitel des Johannes-Evangelium. In ihm betet Jesus zu seinem himmlischen Vater um Heiligung der Jünger und bietet sich selbst als heilende Gabe an. So sollte der Gebetstag mit einer Votivmesse für die Seelsorger und den Priesternachwuchs und mit einem selbstgewählten Opfer der Gläubigen gefüllt sein.

Diesen Gedanken greift auch Johannes Paul II. in seiner Botschaft zum Weltgebetstag 2004 auf, wenn er erklärt: „Im mystischen Leib Christi gibt es eine große Vielfalt an Diensten und Gnadengaben (vgl. Kor 12,12), die allesamt zur Heiligung des christlichen Volkes bestimmt sind. In der gegenseitigen Sorge um Heiligkeit, die alle Glieder beseelen muss, ist es unerlässlich, dafür zu beten, dass die Berufenen ihrer Berufung treu bleiben und im höchst möglichen Maße die Vollkommenheit des Evangeliums erlangen."

Von den vielen Persönlichkeiten, die P. Paschalis damals zu gewinnen suchte und von seinem Vorhaben überzeugen konnte, sind vor allem die Prinzessin Maria Immaculata von Sachsen zu erwähnen, die 1926 das Priesterhilfswerk in Freiburg und kurz darauf in Berlin gründete; ferner die Berliner Bischöfe Christian Schreiber und Nikolaus Bares und nicht zuletzt der Ordensgeneral der Salvatorianer, P. Pankratius Pfeiffer. Letzterer war mit seinen hervorragenden Beziehungen zu Papst Pius XI. und dem Vatikan entscheidend an der im Jahre 1936 erfolgten Einführung des weltweiten Priestertages beteiligt. In den Gedenkfeiern von Scheffau und Berlin wurde ihrer neben P. Paschalis gedacht und betont, dass Gottes Geist diese engagierten Personen angerührt hat, zusammenzuarbeiten und sich für einen monatlichen Gebetstag für geistliche Berufe einzusetzen.

Darum war es am 12. September 2004 für viele Scheffauer, unter ihnen eine große Anzahl von Verwandten des Geehrten, eine Selbstverständlichkeit, am festlichen Gottesdienst in ihrer St. Martin-Kirche teilzunehmen. Ihn hielt Domkapitular Dr. Bertram Meier, der Beauftragte des Bischofs von Augsburg für das von ihm ausgerufene „Jahr der Berufung". In seiner Predigt wies Prälat Meier auf den „Schatz im Acker" hin. Es ist Aufgabe aller Christen und insbesondere der Seelsorger, ihn zu heben. Mit ihm zelebrierten der Pfarrer des Gemeindeverbundes Scheidegg/Scheffau Karl Meisburger und einige Salvatorianer, die aus den umliegenden Provinzen angereist kamen. Als Diakon assistierte Thomas Marin, der Leiter des Päpstlichen Werkes für Geistliche Berufe (früher Priesterhilfswerk) in Berlin ist.

Nach dem Hochamt zog eine Prozession zur neu geschaffenen Gedenktafel, die an der Kirchenaußenseite angebracht wurde. Prälat Meier enthüllte und segnete sie. Dabei äußerte er, Scheffau und die Diözese Augsburg dürften stolz auf ihren Mitbürger sein. Der Künstler dieser Tafel ist ein Großneffe von P. Paschalis, Dr. Michael Pfanner. Zufrieden erzählte er, dass er von seinem Onkel getauft worden ist. Es sei ihm und seinen Angehörigen eine große Ehre, das Gedächtnis ihres Oheims wach zu halten.

Am Nachmittag dieses denkwürdigen Tages stand ein Spaziergang zum ehemaligen Wohnhaus der Familie Schmid in der Katzenmühle auf dem Programm. Trotz Regenwetter gingen viele Festgäste den bergigen Weg nach, den der junge Josef-Anton (mit Ordensnamen Paschalis) und seine Geschwister täglich zur Schule oder zur Kirche hin und zurück laufen mussten. Den Abschluss des Festtages bildete eine geistliche Stunde in der Pfarrkirche, in der einige Berufungszeugnisse vorgetragen wurden.

Zwei Wochen später, und zwar auf den 29. September, das Fest der Erzengel Michael, Gabriel und Raphael, fiel die 70. Wiederkehr der ersten Durchführung des Priestersamstags in der St. Hedwigs-Kathedrale. Den feierlichen Gottesdienst leitete in der Krypta der Kathedrale der Schreiber dieses Artikels in Konzelebration mit Dompropst Otto Riedel, einem Nachfolger von Dompropst Bernhard Lichtenberg, dessen Grab sich in der Unterkirche befindet. Diakon Thomas Marin assistierte wiederum. Beim Gottesdienst waren vor allem Mitglieder des Päpstlichen Werkes für geistliche Berufe zugegen, die im Sinne ihrer Gründerin, der Prinzessin Immaculata, und im Geist von Paschalis Schmid die monatlichen Gebetstage um geistliche Berufe treu pflegen und Opfer bringen.

Anschließend traf man sich zum Vortrag und zu einem lebendigen Austausch über die mit Gottes Hilfe erfolgreiche Geschichte der Bewegung zur „Erweckung und Stärkung von Priester- und Ordensberufen" in der bedrängten Zeit der Nationalsozialismus und des Kommunismus. Viele Anwesenden kannten den Salvator-Verlag in Berlin-Mitte, in dem P. Paschalis als Direktor von 1930 – 1937 tätig war. Von der Druckerei gingen damals Hunderttausende von vielsprachigen Gebetszetteln und Andachtsbüchlein in alle Welt hinaus, bis der Verlag von den Nazis geschlossen worden ist. Man war der Ansicht, dass die Geschichte des Priestersamstags, der heute Gebetstag um geistliche Berufe genannt wird, auch in unserer Zeit fortgeschrieben werden muss. Er muss die Krone aller Initiativen um geistliche und kirchliche Berufe bleiben.