Josemaría EscriváHeiligkeit ist kein Elitebegriff |
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Was im 19. Jahrhundert aufgebrochen ist, hat Escrivá konsequent zu Ende gedacht. 1902 in Barbastro, Spanien, geboren, „sieht" er 1928 das Werk, das bald „Opus Dei", Werk Gottes, genannt wird. Eine Darstellung von P. Konrad Werder SDS. Es gibt Christen, die dazu berufen sind, die Welt zu verlassen, um das Evangelium radikal zu leben, nämlich die Ordensleute. Dagegen hat Escrivá nichts einzuwenden, jedoch bemerkt er kritisch: „Aus diesem Verlassen der Welt aber das Wesen oder die Vollendung des Christentums machen zu wollen, ist einfach eine Ungeheuerlichkeit." (P. Berglar, Opus Dei, Köln 1992, S. 70) Seit dem Konzil vor 40 Jahren ist uns dieser Gedanke vertraut, aber im Spanien der 1930er Jahre war das eine Revolution. Und in seiner letzten Konsequenz ist diese Per-spektive wohl auch heute noch nicht überall angekommen. Von der Ordensspiritualität … Seit dem Aufkommen des Mönchtums im 4. Jh. wurde ganze Nachfolge Christi mit dem Auszug aus der Welt gleichgesetzt. Dieser Gedanke blieb ein Grundzug der Mentalität der Orden. Im Vergleich zu den Ordensleuten und den zölibatär lebenden Priestern spielte der allergrößte Teil der Christen in der zweiten Liga; der von normaler Arbeit, Familiensorgen und weltlichen Geschäften beherrschte Alltag wurde als Hindernis für jene Höhen vollkommenen Christseins empfunden. Später bemühten sich die Orden immer mehr, den Menschen nahe zu sein, den Höhepunkt dieser Entwicklung bedeuten die Säkularinstitute, die 1947 von Rom als neue Form des Ordenslebens anerkannt wurden. Dennoch blieb die innere geistliche Distanz zur Welt erhalten, das Lebensgefühl, dass man von außen kommend in diese Gesellschaft hineingehen müsse. Ob diese Perspektive für Ordensleute und Hauptamtliche der Kirche, ob Kleriker oder Laien, auch heute noch angemessen ist, darüber gehen die Meinungen auseinander, auf jeden Fall aber ist es keine Spiritualität, die Christen in Familie und weltlichem Beruf entspricht. An diesem Punkt setzt Escrivá an. … zur laikalen Spiritualität Im frühen Christentum war mit der Taufe ganz selbstverständlich die Berufung und die Entscheidung für die ganze Nachfolge Christi gegeben. Diese wurde zuerst im Alltag in Familie und Beruf gelebt. So kam es zur Aufwertung der Arbeit, auch der Handarbeit unter den Christen im Vergleich zur hellenistisch-römischen Gesellschaft. Auf dieser Linie liegt die Vision Escrivás: Jeder Christ und jede Christin ist zur ganzen Nachfolge berufen, aber dazu brauchen sie nicht die Welt zu verlassen, diese kann und sollen sie an ihrem Platz in der Welt verwirklichen, in ihrem Lebensstand, in ihrem weltlichen Beruf. Im Grunde geht es um nichts anderes als eben darum, heilig zu werden, die Berufung zur Heiligkeit im eigenen Leben und Wirken ernst zu nehmen. Dem dient das Opus Dei, das seine Mitglieder zu solcher Heiligkeit ermutigen und befähigen und so die Welt von innen heraus verändern will. |
Struktur Um seine Vorstellungen umzusetzen, entwickelte Escrivá für sein Werk folgende Struktur: - Numerarier und Assoziierte: Laien und Kleriker, die den apostolischen Zölibat leben. Sie gehen im Normalfall weiter ihrem weltlichen Beruf nach und widmen sich darüber hinaus der Bildung der anderen Gläubigen des Opus Dei und der Leitung der apostolischen Tätigkeiten. Die Numerarier leben dabei in Zentren, während die Assoziierten bei ihrer Familie leben. - Supernumerarier: Laien, ledig oder verheiratet, die in ihrem Stand und ihrem Beruf bleiben. Sie nehmen am Apostolat des Opus Dei in der Verfügbarkeit teil, die ihnen ihre familiären, beruflichen und gesellschaftliche Verpflichtungen ermöglichen. Eigene Vereinigungen, die aber eng mit dem Opus Dei verbunden sind, bilden: - Die Mitarbeiter: Sie unterstützten das Apostolat des Opus Dei mit ihrem Gebet, durch Spenden und Arbeit. Auch Nichtkatholiken und Nichtchristen können „Mitarbeiter" werden. - Die „Priesterliche Gesellschaft vom Heiligen Kreuz": Diözesanpriester, die im Geist des Opus Dei leben und wirken. Apostolat Das Streben nach Heiligkeit ist an sich schon Apostolat, es verwirklicht sich dann vor allem in der persönlichen Begegnung, in Freundschaft und im vertraulichen Gespräch. Dementsprechend schafft das Opus Dei für gewöhnlich keine gemeinschaftlichen apostolischen Einrichtungen. Aber einzelne Mitglieder des Werkes können aus freier Initiative Einrichtungen begründen, deren wirtschaftliches und technisches Funktionieren dann auch ganz in ihrer Verantwortung liegt. Es sind vor allem Einrichtungen im Erziehungs-, Gesundheits-, Bildungs- und Sozialbereich. Wenn dann das Opus Dei die Verantwortung für die religiöse und spirituelle Ausrichtung in Form eines entsprechenden Bildungsprogramms übernimmt, wird es zu einer sogenannten „korporativen Einrichtung des Opus Dei". Literatur zum Thema: Dominique le Tourneau Das Opus Dei 235 Seiten, Christiana-Verlag, Stein a. Rhein/Schweiz 1988, ISBN 3-7171-0900-6, € 7,75 Eine klare Darstellung von Geist und Struktur durch ein Opus-Dei-Mitglied
Michael Lehner Eine Jugend im Opus Dei 175 Seiten, Wichern-Verlag, Berlin 2002, ISBN 3-88981-133-7, € 10,00 Ein kritischer, aber konstruktiver Erfahrungsbericht eines ehemaligen Opus-Dei-Mitglieds |
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