Johann Baptist Jordan

Alle sollen Apostel sein

In seinem Geist und in seinem Schicksal war Jordan ein Verwandter Pallottis. Von P. Konrad Werder SDS, Mitglied der Gründung Jordans, der Salvatorianer.

1848 in Gurtweil bei Waldshut, Erzdiözese Freiburg, geboren, wollte Jordan schon früh Priester werden, aber seine Eltern konnten das Studium nicht bezahlen. So lernte er das Malerhandwerk und wanderte als Geselle durch Deutschland. Was er da an materieller und religiöser Not sah, motivierte ihn von neuem, den Priesterberuf anzustreben. 1878 geweiht, aber wegen des Kulturkampfes in Baden in seiner Diözese ohne Anstellung, erhielt er auf Grund seiner Sprachenbegabung Stipendien, um in Rom orientalische Sprachen zu studieren.

Eine große Vision

Die Bedrängnis der Kirche duch den Kulturkampf, die Distanzierung vieler Menschen von der Kirche und die materielle Not trafen den jungen Jordan im Innersten. Da wollte er etwas bewegen.

Er war davon überzeugt: Der Klerus allein konnte all das nicht bewerkstelligen, z.T. wurde er ja auch vom Staat regelrecht behindert, da waren alle Gläubigen gefordert, jeder und jede sollte sich als Apostel verstehen. Das war an sich nicht neu, das Laienapostolat stand schon seit Vinzenz Pallotti und dem ersten Katholikentag 1848 in Mainz auf der Tagesordnung. Ja, auf den Katholikentagen der 70er und 80er Jahre, an denen Jordan als Student einige Male teilnahm, wurden laufend neue Vereine gegründet. Diese Entwicklung war in Gefahr, sich zu verzetteln. Das war nun Jordans Ausgangspunkt für die Gründung der „Apostolischen Lehrgesellschaft" 1881 in Rom. Woran er dachte, zeigt ein Text aus einer der ersten Werbeschriften. Dort heißt es u.a.:

„Die Apostolische Lehrgesellschaft hat sich zur Aufgabe gesetzt, den katholischen Glauben in allen Ländern des Erdkreises . . . verbreiten, verteidigen und neu beleben zu helfen . . . Sie sucht alle Lehrkräfte, welche in der Kirche Gottes schon tätig sind, für ihren Beruf zu begeistern und in dessen Erfüllung zu unterstützen. Es sollen bereits bestehende Werke der religiösen Presse nach Möglichkeit aufgenommen, zu einer einzigen großen Macht konzentriert und ihr Personal nach bestimmten Regeln christlicher Vollkommenheit geheiligt werden. Sie beabsichtigt, auch die Gelehrten Deutschlands für jene Einigung aller Gelehrten der Welt zu gewinnen. Mögen die bestehenden Vereine und Verbindungen sich im Schoße dieser Gesellschaft zusammenfinden. Möge die ganze katholische Welt an dieser neuen Schöpfung Anteil nehmen, vom Professor bis zur Dienstmagd, vom Familienvater bis zum Knechte, vom Meister bis zum Lehrling, auf daß ihr Geist erfülle Kirche und Schule, Hörsaal und Parlament, Werkstatt und Familienstube . . ."

Konkrete Pläne

Im Grunde war also nicht nur an eine Mobilisierung aller Gläubigen gedacht, sondern sogar an eine Zusammenfassung schon bestehender

Vereine nach Art eines Dachverbandes. So sehr der Gedankengang einerseits faszinieren mag, so muss man doch sagen, dass er eine Zentralisierung bedeutet hätte, die schon damals unrealistisch war und von der wir heute erst recht nicht begeistert wären. Zugleich aber entwickelte Jordan ein Modell für das Zusammenwirken aller am Apostolat interessierten Katholiken. Er stellte sich ein Gebilde aus drei Stufen vor:

1. Stufe:

Kleriker und Laien, Männer und Frauen, die nach den Evangelischen Räten leben und sich ganz in den Dienst des neuen Werkes stellen. Sie mussten nicht einer klösterlichen Gemeinschaft beitreten, wohl aber bereit sein, Jordan zu folgen, wohin er sie berief. Aufgaben: Eigene Einrichtungen der Presse, der Erziehung und Bildung, der äußeren Mission, des sozialen Einsatzes. Wohl auch Leitung und Inspiration des ganzen Werkes.

2. Stufe:

Akademiker, Künstler, Journalisten, Leute mit Einfluss in Kirche, Staat und Gesell­schaft, Kleriker und Laien, die in ihrem Beruf und ihrem Lebensstand bleiben. Aufgaben: Apostel zu sein mit den eigenen Möglichkeiten, Förderung des ganzen Werkes.

3. Stufe:

Jedermann, Männer und Frauen, Erwachsene und Jugendliche, jeder Beruf, jeder Stand, Kleriker und Laien. Aufgaben: Apostel am eigenen Platz, Unterstützung des ganzen Werkes durch Gebet und materielle Hilfe.

Diese Pläne waren durchaus realistisch, aber noch nicht ausgegoren, vor allem aber fand Jordan aus den gleichen Gründen wie Pallotti von Rom keine Anerkennung: Das Werk bedeute eine Kirche in der Kirche, der Begriff „apostolisch" sei für den Apostolischen Stuhl reserviert.

Die Entwicklung als Orden

Um nicht ganz unterzugehen, wandelte Jordan seine „Apostolische Lehrgesellschaft" 1883 in eine Kongregation um, die später den Namen „Salvatorianer" erhielt. Schließlich arrangierte er sich mit der Ordensversion seiner Idee, einerseits gedrängt vom Vatikan, andererseits aus innerer Neigung. Nur von dem einen Grundsatz ließ er nie ab: Seine Gemeinschaften sollten sich nicht auf eine bestimmte Aufgabe festlegen, sondern sich als Gruppen von Aposteln verstehen, die dorthin gehen, wohin sie die Vorsehung ruft.

Bis zu seinem Tod 1918 durfte Jordan eine erstaunliche Verbreitung seiner Gesellschaft erleben. Seine Vision aber geriet bis zum II. Vatikanischen Konzil praktisch in Vergessenheit. Heute gibt es auch bei uns ein Tasten, was von Jordans Plänen in unserer Zeit verwirklicht werden kann. (Vgl. S. 2-3)