Das Apostolat sind alleAls erster hatte Vinzenz Pallotti im 19. Jahrhundert eine Vision von der Berufung aller zum Apostolat |
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Vinzenz Pallotti entwickelte eine
neue Vorstellung vom Zusammenwirken aller Christen im
Apostolat. 1835 gründete er in Rom die „Vereinigung des
kath. Apostolats". Der Zeit weit voraus, ließ sich
seine Idee damals noch nicht verwirklichen, aber in den
Gemeinschaften der Pallottiner und der Pallottinerinnen
ist der Gedanke von der „Vereinigung" nie ganz
untergegangen und erlebt heute eine neue Phase der
Aktualisierung. Der WEGBEREITER informierte sich in der
Pallottiner-Niederlassung Freising aus erster Hand.
Gesprächspartner/-innen waren: (v.l.n.r.) Elisabeth Frei,
Sr. Beate Hüttner SAC, Sr. Gerburg Vogt SAC, Mechthild
Hamberger, P. Gerhard Peter SAC und (S. 6) P. Peter Hinsen
SAC. Suche nach Heimat und einer neuen Kirche „Im ewigen Leben sitze ich dann mit dem heiligen Vinzenz Pallotti am Tisch", so scherzt Elisabeth Frei über ihre besondere Verbindung zu den Pallottinerinnen. Sie gehört zum Freundeskreis der Schwesterngemeinschaft in München. Inzwischen hat sie ein Versprechen abgelegt, das sie noch enger mit dieser Gemeinschaft verbindet. Sie wohne zwar nicht in dieser Gemeinschaft, aber sie lebe viel mit und arbeite mit, wo sie gebraucht werde. Umgekehrt erfahre auch sie Hilfe, wenn das nötig sei, so schildert sie ihre Beziehung zu den Schwestern. Mit Freude erklärt die pensionierte Realschullehrerin: „Ich gehöre zu dieser Gemeinschaft und das schätze ich sehr. Ich wüsste gar nicht, wo ich sonst hingehörte, es ist für mich die geistliche und teilweise auch die menschliche Heimat". Für Sr. Beate war es von Anfang an diese Offenheit ihrer Gemeinschaft, die sie angesprochen hat. Sie hat als evangelische Christin Kontakt zu den Schwestern gefunden und ist schließlich eingetreten. „Ich finde es immer bereichernd, auch mit Menschen zu reden, die ganz normal im Leben stehen. Da kommen auch andere Sichtweisen zur Geltung, es hilft einfach, den Blick über die eigenen Sorgen in der Gemeinschaft hinaus zu weiten". So bringt sie die Wertschätzung der Menschen zum Ausdruck, die in die Gemeinschaft kommen, mit ihr in Beziehung stehen. Mechthild Hamberger, Mutter von drei Kindern im Alter von sieben bis achtzehn Jahren und Musiktherapeutin in einer psychiatrischen Klinik, gehört zu einem Kreis, der mit der Pallottiner-Gemeinschaft in Freising in Beziehung steht. Die Gruppe von sechs Mitgliedern nennt sich „Unio-Kreis", ein Hinweis darauf, dass sie bewusster von Pallottis ursprünglichem Gedanken einer „Vereinigung = Unio" aller, die sich im Apostolat der Kirche engagieren, ausgehen wollen. Frau Hamberger ist es ein besonderes Anliegen, diesen ursprünglichen Gedanken neu zu beleben und auszuprobiern, wie er heute realisiert werden könnte. Deshalb hat sie auch das Versprechen in der Unio abgelegt. Sie sieht bei Pallotti ein neues Kirchenbild: „Bei ihm sind alle gleichberechtigt, davon bin ich einfach begeistert. Wichtig ist mir das spirituelle Suchen. Bei meinen beiden großen Kindern spüre ich gerade, dass vieles schwimmt oder verloren geht. Oft merke ich, dass Leute weniger ein Problem mit dem Glauben haben als vielmehr mit der hierarchischen Ordnung in der Kirche. Hier könnten wir in unserer Unio modellhaft leben, wie Kirche sein könnte." Die Vision Pallottis … 1835 gründete Pallotti die „Vereinigung des katholischen Apostolats". Das war zunächst keine fest strukturierte Gesellschaft, eher vergleichbar mit der heutigen charismatischen Bewegung. So ähnlich gehörten damals der Vereinigung bald viele Katholiken an, vom Kardinal über verschiedene Ordensleute und Weltpriester und eben auch Laien, Männer und Frauen, die etwa ein von Pallotti gegründetes Waisenhaus führten bzw. dieses als Beirat und mit ihren finanziellen Möglichkeiten unterstützten. Für diese Vereinigung dachte Pallotti an 12 Gliederungen, die jeweils unter dem Patronat eines Apostels stehen sollten, dazu eine 13. Einheit mit der Aufgabe der Koordination unter dem Patronat des hl. Paulus. Pallotti nannte diese Einheiten Prokuren, der Sache nach waren sie jeweils für einen bestimmten Aufgabenbereich der Kirche zuständig wie z.B. Mission, Jugend, Caritas usw. Man kann sich das etwa im Sinne der heutigen Ausschüsse eines Pfarrgemeinderates vorstellen. Dazu kam noch der Gedanke von den Kerngemeinschaften, Männern und Frauen, die sich Pallotti enger anschlossen und ganz für dieses Werk arbeiten würden, um zu inspieren, zu initiieren und zu koordinieren. Diese Struktur sah Pallotti für alle Ebenen der Kirche vor, von der Pfarrei bis auf Weltebene. P. Hinsen bringt den geistlichen Hintergrund für die Weite Pallottis zur Sprache: „Man muss bedenken, dass die ganze kirchliche Atmosphäre damals in Rom sehr eng war. Auch Pallotti selber war zunächst sehr eng. Geholfen hat ihm dann aber, dass er schon als Kind ein sehr waches Auge für die Schönheiten in der Welt hatte. Das war für ihn der Einstieg, die unendliche Liebe Gottes zu entdecken. Von dieser Erfahrung her war es für ihn geradezu schmerzlich, zu sehen, dass es immer noch Menschen gibt, die diesen Gott der unendlichen Liebe nicht kennen. Interessant ist auch, dass Pallotti das Apostolat aller nicht von Taufe und Firmung herleitet, sondern von der Gottebenbildlichkeit jedes Menschen." P. Peter sieht die Idee Pallottis auch in einem politischen Zusammenhang: „Die Gesellschaft war infiziert von den Gedanken der französischen Revolution. Und wie der Geist der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit im Politischen und Gesellschaftlichen umgegangen ist, so hat er bewusst oder unbewusst auch die Kirchenleute beeinflusst. Wenn man einmal davon ausgeht, dass diese Bewegung auch Pallotti berührt hat, dann kann man sagen, dass er diesen Geist auch in die Kirche hereinholen wollte. Diese Deutung hilft mir zu verstehen, wie er allen gängigen Traditionen zum Trotz eine solche Vision vom Zusammenwirken aller in der Kirche entwickeln konnte." |
… unverstanden Pius IX. (1846 – 1878) sagte: „Das kath. Apostolat bin ich", das heißt, eine „Vereinigung des kath. Apostolats" konnte es nach diesem Verständnis nicht geben. Das führte dazu, dass die „Vereinigung" wieder aufgelöst und der Name verboten wurde. Um zu retten, was zu retten war, entwickelte Pallotti die Kerngemeinschaften zu Kongregationen weiter. Sie erhielten den Namen „Fromme Missionsgesellschaft", bis 1947 das ursprüngliche Anliegen auch im Namen wieder genannt werden durfte: Gesellschaft des katholischen Apostolats, Societas apostolatus catholici, SAC. Der Gedanke an die „Vereinigung" verlor dann mehr und mehr an Bedeutung; einmal wandten sich manche ab, nachdem die Gründung die kirchliche Anerkennung nicht erhielt, zum anderen starb Pallotti schon 1850 im Alter von 55 Jahren. Nach seinem Tod gab es im engsten Kreis zwei verschiedene Richtungen, die einen, die wirklich eine Kongregation aus dem Ganzen machen wollten, und die anderen, die offener waren. Das war eine schwierige Zeit, so dass am Ende die Gemeinschaft auf sieben, acht Mitglieder zusammenschrumpfte. Fra di Bruno hat das Ganze gerettet, bis um 1880 einige Deutsche dazustießen und einen Aufschwung bewirken konnten. Aber dann ging es nur noch um die Kongregationen, die wir heute als Pallottiner bzw. als Pallottinerinnen kennen. Sr. Gerburg bedauert, dass durch die Entwicklung zu Kongregationen monastische Elemente wie das Ordenskleid und Klausurvorschriften Einzug hielten, so wie es eben bei allen Orden des 19. Jahrhunderts gelaufen sei. Sie erinnert sich: „Noch in meinem Noviziat war man halb monastisch und zugleich sehr aktiv im Einsatz. Das war schon eine Gratwanderung, bis durch die Reformen das geistliche Leben und die apostolische Arbeit neu aufeinander abgestimmt wurden." Dennoch ist auch in den Kongregationen das Erbe Pallottis lebendig geblieben. Sr. Gerburg benennt das so: „Die thematische Vielfalt der Prokuren hat sich später auch auf die Gemeinschaften übertragen, so dass sich die Pallottiner und Pallottinerinnen nie auf ein besonderes Arbeitsfeld wie Krankenpflege oder Schule festgelegt haben." Und P. Hinsen ergänzt: „Wenn es für uns ein Spezifikum gibt, dann ist es tatsächlich die „Vereinigung" in dem Sinn, dass wir immer auf Vernetzung aus sein sollen, dass wir die Charismen vor Ort vernetzen, und zwar mit dem Ziel, wie Pallotti sagt, dass die Leute selbstständig werden und sie uns nicht mehr brauchen." Neuansätze Aber auch die eigene Struktur, in die Pallotti urspünglich seine Vision gießen wollte, ist nicht ganz in Vergessenheit geraten. Neu ins Bewusstsein trat sie, als nach dem ersten Weltkrieg eine Neuorientierung anstand, nachdem die Pallottinermissionare Kamerun verlassen mussten. Schönstatt Zu dieser Zeit trat
P. Joseph Kentenich, Pallottiner am Missionsgymnasium in
Schönstatt bei Vallendar, mit seinen Vorstellungen an die
Öffentlichkeit. P. Hinsen: „Er hat versucht, Pallottis
Ideen zu aktualisieren." Die aktuelle Entwicklung Innerhalb der
pallottinischen Gemeinschaften wurden 1985 die
Feierlichkeiten zum 150jährigen Jubiläum der Gründung
der „Vereinigung des kath. Apostolats" zu einem
neuen Impuls der Rückbesinnung. P. Hinsen: „Das
Überraschende war damals, wieviele Unio-Mitglieder aus
aller Welt schon mit nach Rom kamen." Und Aber das ist kein Schlusspunkt, das Tasten und Suchen in Laienkreisen und in den Gemeinschaften geht weiter. Das wird deutlich, wenn Mechthild Hamberger ihren Weg mit Pallotti schildert. Die erste Gruppe, der sie angehörte, ist heute ein lebendiger Sympathisantenkreis. Nachdem sie selbst zwei Jahre Pause gemacht hate, ließ sie sich von Neuem vom „Unio-Gedanken" begeistern und begann wieder mit einer Gruppe. Sie will konkreter die Ursprungsidee Pallottis aufnehmen, aber sie will auch nichts überstülpen: „Ich habe schon gesagt, dass wir uns Unio-Kreis nennen. Aber ich gehe ganz vorsichtig mit dem Gedanken um, ich will nichts aufdrängen." Aber nicht nur hier, auch in der Gemeinschaft spürt sie wohl, dass es manchmal der Ermutigung bedarf, wenn sie sagt: „Ich merke auch, wie der Gedanke bei den Patres mal mehr, mal weniger sprüht, wer mehr und wer weniger davon begeistert ist." |
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