Berufungspastoral auf den Philippinen

Aufbruchstimmung

P. Hubert Kranz, Salvatorianer, ist seit zwei Jahren auf den Philippinen, um mit Mitbrüdern aus Polen und Indien eine neue Niederlassung zur Ausbildung junger Salvatorianer aus Südostasien aufzubauen. Elf Kandidaten bzw. Studenten der Philosophie und der Theologie aus Sri Lanka, aus China und von den Philippinen leben in zwei Ausbildungshäusern in Amadeo in der Nähe von Manila und in Manila selbst, wo sie die Universität besuchen. P. Werder SDS sprach mit P. Hubert Kranz SDS in seinem Heimaturlaub.

WB: Wie sind die jungen Kandidaten bzw. Studenten auf auf die Salvatorianer aufmerksam geworden?

P. Hubert: Die Chinesen standen in Kontakt mit einem Salvatorianer aus Festlandchina, der nach der Revolution auf Taiwan lebte, in den letzten Jahren aber die Beziehungen in seine Heimat wieder aufnehmen konnte. Auf Sri Lanka und auf den Philippinen arbeiten wir eng mit den Salvatorianer-Schwestern zusammen, die schon länger in diesen Ländern sind. P. Artur Chrzanowski, ein Mitbruder aus Polen, reist zweimal im Jahr nach Sri Lanka, wo er dann mit den Schwestern Schulen besucht und Interessierte zu Orientierungskursen einlädt. Da nehmen dann etwa 60 junge Leute im Alter von 18/19 Jahren teil. Auf den Philippinen ist das regelrecht organisiert, dass die Schulen von Zeit zu Zeit den verschiedenen Ordensgemeinschaften und den Diözesen Stunden zur Verfügung stellen, in denen sie sich vorstellen und für sich werben können.

Das sind natürlich günstige äußere Voraussetzungen für Berufungspastoral. Ebenso wichtig aber ist die Atmosphäre, hier braucht sich ein junger Mann nicht zu schämen, wenn er Priester werden will oder eine junge Frau, wenn sie in einen Orden eintreten will. Religiosität ist in diesen Ländern viel selbstverständlicher und junge Leute werden auch auf den Priester und die Ordensberufe angesprochen.

WB: Welche Motive bewegen die jungen Leute?

P. Hubert: Sie haben oft hohe Ideale, den Menschen zu dienen. Es gehört zu diesem Alter, sich an Idealen zu orientieren. Aber natürlich spielen auch Motivationen mit, die zunächst nicht an der Oberfläche liegen wie etwa die Möglichkeit zu höherer Bildung, zu Einfluss und Machtpositionen, materielle Absicherung. Eine Rolle spielt sicher auch die unterschiedliche Gewichtung von Werten im Vergleich zu uns. Während bei uns persönliches Glück und Konsum sehr wichtig sind, steht dort das soziale Ansehen viel höher im Kurs. Der Priester gehört zur oberen sozialen Schicht. In der Gesellschaft hebt es das Ansehen, mit einem Priester oder einer Ordensgemeinschaft in einem persönlichen Kontakt zu stehen.

Die Religion ist hier viel mehr ein Teil des Lebens als in Europa, das eröffnet selbstverständlich auch mehr den Blick auf kirchliche Berufe. Umgekehrt darf man sich da aber auch keine Illusionen machen, denn manchmal ist diese Religiosität auch von zweifelhaften Traditionen und Aberglauben geprägt. Da schätzt man dann wieder mehr die rationale Dimension von Religion, die durch das Feuer der Aufklärung hindurchgegangen ist.

In all dem ist es meine, unsere Aufgabe, wie überall wo es um Berufsfindung geht, die Geister zu unterscheiden und Motivationen ins Bewusstsein zu bringen und zu klären.

WB: Ist in diesem religions- und berufungsfreundlichen Klima der Zölibat leichter zu leben und eher akzeptiert als bei uns?

P. Hubert: Auf Sri Lanka ist der ehelose Priester der heilige Mann. Das ist auch auf dem Hintergrund der andern Religionen wie des Buddhismus und des Hinduismus zu verstehen, in denen es ja auch den Mönch als den heiligen Mann gibt. Da ist die Religion und die Gesellschaft sicher eine starke Stütze für diese Lebensform.

Auch auf den Philippinen steht der ehelose Priester in hohem Ansehen. Man spürt aber auch einen deutlichen Einfluss der westlichen Mentalität, die diese Lebensform auch in Frage stellt. Letztendlich gilt hier das Gleiche wie bei uns in Europa: Es kommt darauf an, ob die Einstellung, das Ideal, die Berufung echt und tragfähig sind für diese Lebensform und für diesen Dienst.

WB: Im Vergleich mit Euren Nachbarn seid Ihr nicht arm. Was bedeutet für Euch der Evangelische Rat der Armut, wie geht ihr damit um?

P. Hubert: Die Leute haben damit kein Problem. Sie hoffen bei uns den einen oder andern Arbeitsplatz zu finden, da ist jemand, den sie in einer besonderen Notlage angehen können. Die Menschen haben bei uns am Ort nicht viel, aber immerhin das zum Leben Notwendige. Sie erwarten nicht, dass wir auf ihr Niveau hinabsteigen, im Gegenteil, sie schätzen die Beziehung nach oben, aber was sie erwarten, ist, dass wir teilen und darum bemühen wir uns auch, das ist für uns das wichtigste Zeugnis der Armut. Darüber hinaus ist es für uns eine ständige Herausforderung, einen einfachen Lebensstil zu pflegen angesichts der unumgänglichen Dinge wie z.B. ein Computer und ein Auto, die wir für unser Aufgaben brauchen.

WB: Was baut Dich auf, was belastet?

P. Hubert: Belastend finde ich, dass wir viele Missstände erleben und ohnmächtig sind. Es baut mich auf, zu erleben, wie es aufwärts geht. Wir haben die äußeren Voraussetzungen geschaffen für die Ausbildung unserer jungen Mitbrüder und ich bin zuversichtlich, dass sie einmal viel zum Aufbau der Kirche und der Gesellschaft beitragen werden.