Qualifikation für kirchliche Sozialarbeit

Fachlich – spirituell – kirchlich

Von Prof. Dr. Martin Lechner, Benediktbeuern

Am Vorabend des 1. Advent hat Bischof Viktor Josef Dammertz ein Jahr der Berufung für die Diözese Augsburg ausgerufen. Unter dem Motto „Gott ins Spiel bringen" soll Berufung ein Kirchenjahr lang den Grundton der Seelsorge angeben und von möglichst vielen Seiten aufleuchten.Pfarrer Herbert Kohler, der Leiter der Diözesanstelle Berufe der Kirche, Augsburg, beschreibt das Projekt.

Warum ein „Jahr der Berufung"?

Bischof Dammertz schreibt in seinem Hirtenwort vom 12. Oktober 2003: „Seit gut 10 Jahren bin ich nun ihr Bischof. In dieser Zeit (...) habe ich erfahren, wie viele von Ihnen ihre Talente einbringen, damit die Bauten aus Stein mit Leben erfüllt werden. Dafür sage ich allen herzlich „Vergelt‘s Gott!". Von Ihrer aller Einsatz lebt unser Bistum! Doch in diese Freude mischt sich ein Wermutstropfen. Viele Frauen und Männer sind mit großer Einsatzbereitschaft ehrenamtlich tätig. Ich höre aber auch die Klage, es seien immer dieselben, die für anstehende Aufgaben angesprochen werden. Und die Zahl derer, die sich engagieren, nehme eher ab. Rückläufig sind auch die Anmeldungen z.B. an den Ausbildungsstätten für Gemeindereferentinnen und -referenten. (...) Besonders aber bedrückt mich der drastische Rückgang der Priester und Ordensleute, vor allem der Ordensfrauen. Diese Sorge teilen viele Gemeinden. (...) Dies hat mich bewogen, das kommende Kirchenjahr 2003/04 in unserem Bistum als „Jahr der Berufung" zu begehen."

Der Bischof stimmt nicht zuerst ein Klagelied über fehlende Berufungen an, sondern beginnt mit dem Dank für gelebte Berufung. Ebenso versteht sich auch das Jahr der Berufung! An erster Stelle steht ein großes „Danke!" an alle, die schon jetzt ehrenamtlich oder hauptberuflich der Kirche ihr Gesicht geben. Dieses Jahr der Berufung soll helfen, sich gegenseitig noch stärker in seinen Begabungen und Talenten wahrzunehmen und zu schätzen. Und es will zu den Quellen führen, aus denen Menschen schöpfen, die sich für das Evangelium und die Kirche engagieren. Dadurch werden auch junge Menschen Impulse erhalten, über einen geistlichen Beruf oder einen kirchlichen Dienst nachzudenken. Berufene wecken Berufung!

Am Kirchenjahr entlang

In der praktischen Umsetzung richtet sich das Jahr der Berufung ganz am Kirchenjahr aus, das vom 1. Advent bis zum Christkönigsonntag geht. Denn das Kirchenjahr buchstabiert von A bis Z, was „Berufung" heißt.

- Advents- und Weihnachtszeit: Berufung ins Menschsein

So verkündet die Advents- und Weihnachtszeit den Gott, der selbst Mensch wird und uns das Menschsein vorlebt. Auch wir sind zuerst und vor allem berufen, „Menschen zu werden", also unser Leben anzunehmen und es in seinen Anlagen und Möglichkeiten zu entfalten. Das ist unsere Grundberufung ins Menschsein.

- Fasten- und Osterzeit: Berufung ins Christsein

Wo Menschen sich auf Jesus Christus einlassen und mit der Kirche verbinden, wächst ihre Berufung ins Christsein, die mit der Taufe angelegt ist. Jede Fasten- und Osterzeit ist nichts anderes als die Einladung, unser Christsein, unsere Freundschaft zu Jesus zu erneuern.

- Pfingsten: Berufung als Jüngerin und Jünger

Das Pfingstfest schließlich spricht jedem Geistesgaben und persönliche Talente zu, die uns befähigen, als Christen in Kirche und Welt zu wirken. In dem Maße, wie wir das ganz persönlich leben, finden wir unsere Berufung als Jüngerin oder Jünger heute.


Das Kirchenjahr gibt den Weg für das Jahr der Berufung vor. Es braucht nichts Neues erfunden, sondern nur „das Alte" neu entdeckt zu werden.

Wie ein Wasserzeichen

Das Jahr der Berufung kann nicht in erster Linie von „Events" leben. Denn Berufung lässt sich nicht machen und hat nichts mit einem schnellen Hochgefühl zu tun. Vielmehr reift sie im Stillen und in der alltäglichen Bewährung. Deshalb will das Jahr der Berufung die ganz „normalen" seelsorglichen Aktivitäten prägen. Das Thema Berufung soll bei verschiedensten Anlässen (z.B. Adventsfeiern, Einkehrtagen, Jubiläen) einfließen und wie ein Wasserzeichen durchscheinen. So kann es viele ansprechen und größere Kreise ziehen.


Das Jahr der Berufung ist nicht „das Ding" der Diözesanstelle Berufe der Kirche, sondern gelingt nur durch die Mitwirkung vieler. Es wäre geradezu ein Paradox zu sagen: Jede/-r ist berufen - und dann das Projekt an einige wenige zu delegieren. Selbstverständlich helfen wir von der Diözesanstelle nach Kräften. Doch der größte „Erfolg" wäre es, wenn Berufung durch möglichst viele Menschen ein Gesicht, eine Stimme, ein Zeugnis bekäme.

Weitere Informationen

Diözesanstelle Berufe der Kirche

Peutingerstraße 5

86152 Augsburg


Tel. 0821/3166-684

Fax: 0821/3166-689

E-Mail: info@berufung-augsburg.de

Internet: www.jahr-der-berufung.de