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Mit seiner Gründung, der Schönstattfamilie, wollte Kentenich (1885 – 1968) weite Kreise von Katholiken für das apostolische Engagement gewinnen und befähigen. Eine Darstellung von P. Konrad Werder SDS. Eigene Prägung In Gymnich bei Köln geboren, trat Kentenich 1904 in das Noviziat der Pallottiner ein. Nach seiner Priesterweihe wurde er bald Spiritual am Pallottiner-Gymnasium Koblenz-Ehrenbreitstein. Mit Schülern gründete er dort die „Marianische Kongregation", der eine Kapelle im nahegelegenen Schönstatt zugewiesen wurde. Hier sprach er am 18. Oktober 1914 in der so genannten „Ersten Gründungsurkunde" eine „Lieblingsidee" aus, ob Schönstatt nicht ein Gnadenort Marias werden könnte. Das war die Geburtsstunde der Schönstatt-Bewegung. Sie kann als die erste der so genanten neuen geistlichen Bewegungen angesehen werden. Was so von Anfang an sichtbar wird und für Schönstatt charakteristisch wurde, ist eine pointierte marianische Spiritualität. Darin unterschied sich Kentenich grundsätzlich von seinem Ordensvater Pallotti, der eine bestimmte Ausrichtung der Spiritualität immer ablehnte, das Evangelium sollte genügen. Umgekehrt ließ sich Kentenich aber doch von Pallottis Anliegen inspirieren, denn in mancher Hinsicht mutet seine Gründung an wie eine späte Verwirklichung der Pläne Pallottis (vgl. S. 4-7). Andererseits sah Kentenich auch schon früh seine Vorstellungen als einen eigenen gottgewollten Plan, er sprach dann von einem doppelpoligen Ganzen aus Pallotti und Schönstatt. Auf die Dauer ließ sich dieses Konzept aber doch nicht verwirklichen und so kam es 1964 zur Trennung Schönstatts von den Pallottinern. Auf den Spuren Pallottis Zunächst ist Schönstatt in drei Kreise oder Ebenen gegliedert, entsprechend der Verfügbarkeit der Mitglieder bzw. dem Grad ihrer Bindung an die Gemeinschaft. - Die Säkularinstitute In seinen „Verbänden" hat Kentenich schon ab 1926 eine Lebensform realisiert, die bisher unvorstellbar war und 1947 als „Säkularinstitute" kirchlich anerkannt wurde: Ganzer Einsatz in der Welt und eine gleichzeitige Distanzierung von ihr durch die Verpflichtung auf die Evangelischen Räte. Die Säkularinstitute haben feste rechtliche Strukturen ähnlich den Ordensgemeinschaften. - Die Bünde Die Mitglieder der Bundesgemeinschaft leben in der Welt, der Geist der Evangelischen Räte gehört wesentlich zu ihrer Spiritualität. Der Bund will familienhafte Gemeinschaft bilden. Die Weihe, die die Mitgliedschaft begründet, hat keine rechtliche Verbindlichkeit, sondern lebt aus der persönlichen Hochherzigkeit. Ziel der Bünde ist die apostolische Bildung katholischer Führungspersönlichkeiten. Teilweise leben die Mitglieder der Säkularinstitute und auch der Bünde in Dach- und Tischgemeinschaft. - Die Liga Die Liga kennt keine Verpflichtung zur Gemeinschaft, den Mitgliedern wird jedoch die Bildung einer Gruppe empfohlen. Die Liga will die Mitglieder zum apostolischen Einsatz befähigen, der je nach den Möglichkeiten des Einzelnen in der Familie, im Beruf und in der Pfarrgemeinde geleistet wird. |
Dazu kommen die Wallfahrtskreise, die mit einem Schönstatt-Heiligtum in Kontakt stehen und sich als eine erweiterte Liga ohne strukturelle Festlegungen verstehen. Dabei verstand Kentenich die Säkularinstitute und die Bünde ausdrücklich als das, was Pallotti die Kerngemeinschaften nannte, als den „zentralen und bewegenden Teil" der ganzen Bewegung. Diese Kreise, außer der Wallfahrtsbewegung, sind wiederum gegliedert und zwar nach den verschiedenen Lebenssituationen: Frauen und Männer, Mütter, Familien, Mädchen und Jungen, Priester, Akademiker/-innen, Kranke und Behinderte und andere. Diese bilden jeweils eigene Gruppierungen. Diese Unterscheidung nach Kreisen der abgestuften Verfügbarkeit und darin nach den verschiedenen Lebenssituationen der Menschen führt zu einer großen Anzahl von Gruppierungen. Diese Vielfalt ist für den Außenstehenden zunächst schwer durchschaubar und geradezu verwirrend. Der Grundgedanke aber ist einleuchtend: Jeder und jede kann nach seiner/ihrer Lebenssituation und Berufung einen Platz in der Schönstatt-Bewegung finden. Die Schönstatt-Bewegung möchte jeden und jede an seinem/ihrem Platz, nach seiner und ihrer Berufung einladen, am Apostolat der Kirche teilzunehmen. Eine Föderation von Gemeinschaften Ein wichtiges Element der Schönstatt-Bewegung ist die Föderation, das heißt, jeder der drei Kreise und darin wiederum jede Gruppierung, im Bund und in der Liga auch jede einzelne Gemeinschaft, bleiben rechtlich eigenständig und eigenverantwortlich. Leitungsverantwortung wird, außer in den Säkularinstituten, nicht durch Weisungsbefugnisse und bindende Beschlüsse wahrgenommen, sondern durch Koordinieren, Inspirieren und Initiieren. Diese Funktion haben vor allem auch die Mitglieder der Säkularinstitute der Marienschwestern und der Schönstattpatres, von denen einzelne in den Leitungsgremien der verschiedenen Gruppierungen auf Diözesanebene vertreten sind und die zu Exerzitien und Schulungen eingeladen werden können. Darüber hinaus gibt es einen vielfältigen Austausch zwischen den verschiedenen Ebenen, Gruppierungen und Gemeinschaften. Der Diözesanleiter hält mit allen Gemeinschaften Kontakt und repräsentiert die Schönstattfamilie. Vor allen Strukturen aber ist es die gemeinsame Spiritualität und Tradition, die alle in der Schönstattfamilie miteinander verbindet. Eine Familie, die ermutigt In dieser Eigenständigkeit und Eigenverantwortlichkeit ist der Grundgedanke verwirklicht, dass der Laie nicht durch Auftrag von Seiten der Hierarchie, sondern aus Taufe und Firmung zum Apostolat berufen und befähigt ist. Diese Eigenständigkeit und die Tatsache, dass in einer Gemeinschaft Menschen aus gleichen Lebenssituationen zusammen sind und die gemeinsame Spiritualität schaffen den Erfahrungsraum einer Familie, der besonderen Verbundenheit, die Schönstatt wichtig ist. Diese Verbundenheit ermutigt auf dem Weg zur ganzen Nachfolge und zum Dienst an der Weitergabe des Glaubens und des kirchlichen Lebens. Das Buch zum Thema: Hubertus Brantzen u.a. (Hg.) Schönstatt-Lexikon Fakten – Ideen – Leben 450 Seiten, Patris Verlag, Vallendar-Schönstatt 2002, 2. Aufl., ISBN 3-87620-195-0, € 26,80 |
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