Don-Bosco-Schwestern in Magdeburg

Ordensleute im Härtetest

Das christliche Zeugnis braucht den Rückhalt in der Gemeinschaft

Seit zehn Jahren sind Don Bosco Schwestern in einem typischen DDR-Plattenbaugebiet im Norden von Magdeburg in der Jugendarbeit tätig. Eckhard Pohl von der Kirchenzeitung „Tag des Herrn“, Leipzig, berichtet über ihr Leben und Arbeiten.


„Was sich liebt, das neckt sich“
„Es ist gut, dass ich mit Schwester Rita Unterstützung bekommen habe. Meine anderen beiden Mitschwestern Maria und Gertrud verstehen es nämlich prächtig, mich zu necken. Da brauchte ich dringend Verstärkung.“ Schwester Lydia sagt das mit viel Schalk in den Augenwinkeln und man hat das Gefühl, dass sie sich mit den beiden Ordensfrauen, die schon länger mit ihr in der kleinen Magdeburger Schwesterngemeinschaft leben, gut versteht. Eine von ihnen, Schwester Gertrud, fehlt derzeit allerdings in der Runde: Sie ist krank. „Wenn wir dafür Zeit haben, spielen wir gern etwas miteinander“, sagt Schwester Lydia, „ zum Beispiel Rummycup oder Scrabble oder Malefiz. Das ist erholsam, und wir lachen viel dabei.“

Auf den Spuren Don Boscos
Schwester Maria Seidl (74), Schwester Gertrud Haskamp (71), Schwester Rita Breuer (46) und Schwester Lydia Kaps (41) verbindet ein großes Ziel: Sie wollen mit ihrem Leben und Wirken Menschen in einem Plattenbaugebiet im Norden Magdeburgs Gottes Liebe spürbar machen. Deshalb sind sie aus unterschiedlichen Niederlassungen in die Elbestadt gekommen. Als Schwestern eines Ordens, der auf Don Bosco und Maria Domenica Mazarello zurückgeht, haben sie besonders Kinder und Jugendliche im Blick, von denen in Magdeburg die meisten nicht getauft sind. 
Die vier Ordensfrauen wohnen in einem der beiden Häuser gleich neben der Pfarrkirche St. Mechthild. In diesem kirchlichen Gebäudekomplex befinden sich die Kirche, weitere Gemeinderäume und das Don Bosco Kinder- und Jugendzentrum. Hier ist vor allem Sr. Lydia aktiv. Sie ist von den vieren diejenige, die bereits vor zehn Jahren als eine der ersten drei Don Bosco Schwestern nach Magdeburg kam. Schwester Maria und Schwester Gertrud, beide seit drei Jahren ansässig, kümmern sich um den Haushalt und bringen sich, soweit es Alter und Gesundheit zulassen, in die Seniorenarbeit der Gemeinde ein. Schwester Rita ist erst im August von München nach Magdeburg gezogen. Sie leitet die kleine Magdeburger Gemeinschaft und ist dabei, sich in die vielfältigen Aufgaben einer pastoralen Mitarbeiterin in der St. Mechthild Gemeinde einzuarbeiten.

Die Gemeinschaft - ein Anker

Schwester Rita schätzt an der Gemeinschaft im Orden das Miteinander-auf-dem-Weg-sein zu einem gemeinsamen Ziel im Geiste ihrer Ordensgründer Johannes Bosco und Maria Mazzarello. Die Kraft dafür holt sie sich vor allem in der schlichten Hauskapelle, in der sie sich einfach geborgen fühlt. Ergänzend dazu sagt sie: „Es ist auch gut und wichtig, wenn man erwartet wird und von dem erzählen kann, was man erlebt hat. Das macht auch ein Stück Zu-Hause-sein aus.“ Und mit einem Hinweis auf die Arbeitsteilung stellt sie fest: „Wir halten uns so gegenseitig den Rücken frei, damit jede von uns die ihr anvertrauten Aufgaben gut schaffen kann.“ 
Schwester Lydia zum Thema Gemeinschaft: „Für mich bedeutet zu Hause zu sein, Harmonie erleben zu können und nicht Stress. In den letzten Jahren habe ich unsere Gemeinschaft nie als Stress erlebt - mal abgesehen vielleicht von der Belastung, als meine Mitschwestern krank waren. Insofern sehe ich die Gemeinschaft als Anker, an dem ich festgemacht bin, damit ich nicht weggetrieben werde. Und als Ort, wo ich Kraft schöpfen kann. Aber dafür ist es halt wichtig, dass gerade eine kleine Gemeinschaft miteinander harmoniert. Wenn das so ist, dann ist es ein echtes Geschenk für mich. Und darum muss man sich natürlich mühen.“ „Schließlich haben wir uns nicht gegenseitig ausgesucht, sondern uns senden lassen“, sagt Oberin Schwester Rita. Natürlich würden die Verantwortlichen schon schauen, ob die und die Schwester gut miteinander auskommen können. „Aber eine Aufgabe bleibt es dennoch“, sind sich die Magdeburger Schwestern einig. „Dort, wo unser Sendungsauftrag im Mittelpunkt steht, gelingt auch das Miteinander.“
„Wichtig für jede von uns ist eine tiefe Beziehung zu Christus“, sagt Schwester Rita. „Deshalb sind die Gebetszeiten besonders wichtig.“ Schwester Lydia: „Schließlich geht es darum, dass die Menschen durch uns etwas von Christus erfahren und ihn immer mehr kennen lernen. Das ist nur möglich, wenn wir mit ihm in Kontakt stehen. Dabei helfen persönliches und gemeinsames Gebet, aber auch eine grundsätzliche Harmonie in der Gemeinschaft und dass wir alle Don Bosco Schwestern sind.“ 

Bemühen um gemeinsame Zeiten
Wie in einer Familie gilt es auch in der Gemeinschaft der Ordensfrauen zu schauen, wie alles unter einen Hut gebracht werden kann. Ein Beispiel: Bisher haben sich die Schwestern den Dienstagabend für die Gemeinschaft reserviert. Doch seit Schwester Rita im August nach Magdeburg kam und nun die Pfarrjugend von St. Mechthild begleitet, ist für sie dieser Termin durch den wöchentlichen Jugendabend zur Zeit belegt. Weitere Abendveranstaltungen im Laufe der Woche kommen hinzu. Schwester Lydia trägt fast jeden Tag bis 22.30 Uhr oder gar 23.30 Uhr die Verantwortung für das Leben im Don Bosco Zentrum. Zum Glück sind die beiden älteren, Schwester Gertrud und Schwester Maria, nicht so eingebunden und können sich nach den beiden richten. Morgens, wenn der Tag gemeinsam um 6.15 Uhr mit der Betrachtung in der Kapelle beginnt, ist das kein Problem. Aber zur Vesper am späten Nachmittag wird es schon schwieriger. So gilt es für die Ordensfrauen immer wieder, sich Räume für das gemeinsame Gebet, die gemeinsame Einkehr und für das Gespräch zu schaffen. Auch Frühstück und Mittagessen sind solche Räume. Schwester Lydia: „Unsere kleine Zahl ermöglicht es, sich gut bei den Mahlzeiten immer auch auszutauschen und auch kurze Absprachen zu treffen.“
Dass zwei von ihnen über 70 und zwei über 40 Jahre alt sind, sehen die Ordensfrauen eher als Chance denn als Problem an. „Vier oder fünf Schwestern in einer Gemeinschaft sind eine gute Größe“, sagt Schwester Lydia und ergänzt: „Wenn eine oder zwei bereit sind, sich mehr um die häuslichen Dinge zu kümmern, können die anderen die Aufgaben in Gemeinde und Gesellschaft übernehmen; das hat sein Gutes für die ganze Gemeinschaft.“ Im übrigen sei es für die jüngeren bereichernd, von den Glaubenserfahrungen der älteren Schwestern zu hören, was natürlich Offenheit füreinander voraussetze, fügt Schwester Rita hinzu. Das kann Schwester Lydia nur bestätigen: „Als im vergangenen Jahr Schwester Maria und Schwester Gertrud ernstlich krank waren, sind wir uns sehr nahe gekommen und unsere Beziehung hat sich gefestigt. Wir haben uns bemüht, die Krankheit gemeinsam im Vertrauen auf Gott durchzutragen.“

Was die Szene erwartet: Echtheit

Überhaupt hat die Zeit in Magdeburg für Schwester Lydia ein ganzes Stück inneres Wachsen gebracht: „Für mich ist in den zehn Jahren, seit ich hier in Magdeburg bin, die Radikalität, für das eigene Christsein einzustehen, eine andere geworden“, sagt Schwester Lydia und weiter: „Es ist gar nicht so einfach, vor einer Gruppe von Jugendlichen, die keine Ahnung vom Christsein haben, Rede und Antwort zu stehen über den eigenen Glauben, über den Dienst als Ordensschwester, über die Berufung zur Keuschheit. Die jungen Leute nehmen einen auseinander. Da musste ich selbst erst nach und nach sehen: Wo stehe ich eigentlich?“ Und manchmal sei man zunächst einfach fassungslos, so habe einmal ein Jugendlicher zu ihr gesagt: „Schwester, warum knien sie beim Beten eigentlich? Als Germane steht man vor seinem Gott!“ Gelegentlich rutsche auch ihr mal ein unschönes Wort heraus, aber dann könne ein Jugendlicher auch ganz locker sagen: „Schwester, heute Abend beten sie drei Vaterunser zusätzlich.“ Anfangs habe es viel Hoffnungslosigkeit unter den Jugendlichen gegeben, sie hätten Fremde oft nicht ertragen können und es sei schon auch mal zu Tätlichkeiten gekommen. Dennoch hat Schwester Lydia in all den Jahren den Glauben an die Menschen nicht verloren: „Ich liebe die Menschen. Ich bin vielen der jungen Leute mit ihren Nöten durch meine Arbeit näher gekommen. Das hat mich bei aller Härte des Dienstes Christus näher gebracht“, sagt die Ordensfrau.
„Die Jugendlichen beobachten, ob du kämpfst.“ Diese Erfahrung hat Schwester Lydia in ihrem Dienst unter den Kindern und Jugendlichen im Don Bosco Zentrum immer wieder gemacht: „Die Jugendlichen haben ein feines Gespür dafür, ob das, was du sagst – erst recht als Ordensfrau – echt ist. Sie wollen spüren, dass du dich mindestens bemühst, authentisch zu sein“, sagt die 41-jährige Ordensfrau. Eine Erfahrung, die für die Don Bosco Schwestern in der Elbestadt Mahnung und Ansporn ist. 

Kontakt:
Don Bosco Schwestern
Milchweg 29, 39128 Magdeburg 
Tel.: (03 91) 2 52 15 96 
Fax: (03 91) 2 52 75 07
E-Mail: donbosco@bistum-magdeburg.de 
Internet: www.donboscoschwestern.de