Das Leben einsetzen,
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Nur fünf Jahre nach der Gründung des Prämonstratenserordens durch Norbert von Xanten entstand 1126 das Kloster Roggenburg. Genau 180 Jahre nach Auflösung durch die Säkularisation zog 1982 mit P. Rainer Rommens der erste Prämonstratenser wieder in Roggenburg ein. Seither sind mehrere Patres aus der Ursprungsabtei Windberg in Niederbayern dazu gekommen, heute befindet sich das Kloster in einem vielfältigen Aufbruch. |
Aber ist ein Weltpriester, der alleine lebt, dann nicht doch noch mal verfügbarer? Eine Gemeinschaft nimmt einen ja auch in Anspruch, da ist sie einer Familie nicht unähnlich. Auf der anderen Seite stehen die Ansprüche der Seelsorge und die Resonanz, die sie schenkt. Kommt es da nicht auch zu inneren Konflikten? P. Adrian, seit zwei Jahren Seelsorger in zwei Gemeinden, spricht aus Erfahrung: „Als ich neu in die Pfarreien kam, hat mich die neue Aufgabe so in Anspruch genommen, dass die Gemeinschaft zu kurz kam, das hat sich wieder geändert, aber solche Phasen gibt es immer wieder und das ist hier auch akzeptiert. Natürlich ist es ein Spagat, eine Gratwanderung, das wird wohl das ganze Leben lang so sein, aber es kommt auf die innere Einstellung an: schaffe ich mir diese Freiräume, dass ich auch in der Gemeinschaft leben kann. Es ist überhaupt kein Problem, dass ich mich in der Pfarrei total verausgabe, aber dass ich mich nur draußen in Aktionen verliere, das kann es ja auch nicht sein. Da kommt man ja auch irgendwann drauf, dass man dann leicht zu schwimmen anfängt. Und um dieser Gefahr zu entgehen, ist eine Regel, genauer gesagt, sind Mitbrüder, die allein durch ihr Dasein einladen, sehr hilfreich.“ P. Rainer weist auf die uralte Tradition hin, auf die das prämonstratensische Ideal, Seelsorge und Gemeinschaft, zurückgeht. Hinter ihm an der Wand hängt ein großes Bild mit dem heiligen Augustinus und seinen Mitbrüdern. Augustinus schrieb die erste Regel für eine Gemeinschaft. Sie ist bis heute auch die Regel des Prämonstratenserordens. Augustinus (350 - 430) als Bischof von Hippo ging es damals darum, dass seine Seelsorger in Gemeinschaft lebten. P. Rainer: „Es ist uns wichtig zu betonen, dass wir keine Mönche sind, die sich in ein Kloster zurückziehen, um nach Heiligkeit zu streben, das tun wir auch, aber es geht uns ebenso darum, nach außen zu wirken. Wir Prämonstratenser sind Seelsorgepriester, die in Gemeinschaft leben. Diese Sendung nach außen ist ganz wesentlich für unser Selbstverständnis.“ Geistliche Gemeinschaft Unmittelbar nach dem Mittagessen zieht die Gemeinschaft in die herrliche, vor wenigen Jahren gründlich restaurierte Rokokokirche zum Mittagsgebet ein. Aus dem eigenen prämonstratensischen Choralbuch werden in deutsch Psalmen gesungen, deren Melodie leicht eingängig ist. Es ist ein schlichtes, aber feierliches Beten ohne Eile. In gleicher Weise geschieht das Chorgebet am Morgen und am Abend. Es ist also, abgesehen von der Eucharistiefeier, „nur“ ein dreimaliges Gebet, nicht wie beim klassischen Chorgebet von Mönchen, das im Grunde ein siebenfaches Gebet ist. Wieder die Erfahrung des Seelsorgers P. Adrian: „Es kann schon sein, dass das Chorgebet zunächst gar nicht zur inneren Verfassung passt, dass der Kopf und das Herz noch voll sind mit dem, was vorher war oder was nachher auf mich zukommt, aber dann entfaltet der Gesang im Wechsel mit gesprochenen Texten und Stille doch eine Dynamik, die einen mitträgt. Immer wieder wenigstens“. Und Zeiten für Meditation und geistliche Lesung, die zumindest in monastischen Orden oft ihre feste Regel haben, oder auch geistlicher Austausch etwa im Bibelgespräch? Da gibt es nicht viel aufzuzählen. „Letztendlich zeigt sich auch hier“, so erklärt Frater Jonas, „dass wir keine Mönche sind, sondern eine Gemeinschaft von Seelsorgern, deren Leben auch im Geistlichen nicht bis ins Detail geregelt ist, sondern auf persönliche Gestaltung angewiesen ist. Auch hier gilt, was ich manchmal den Leuten sage: Prämonstratenser sind eine Mischung aus Weltpriestern und Mönchen.“ Wissenschaft und Kultur Neben der Verbindung von geistlicher Gemeinschaft und Seelsorge gab der hl. Norbert seinen geistlichen Söhnen noch ein anderes Erbe mit auf den Weg: Die Pflege von Wissenschaft und Kultur. In Roggenburg wurde auch diese Tradition wieder aufgenommen und eine echte Innovation geschaffen: Das „Zentrum für Familie, Umwelt und Kultur“. Es ist die Idee und das Werk von P. Roman. „Diese Idee in die Welt zu setzen und das Projekt mit der Gemeinschaft und vielen Partnern zu entwickeln, hat Spaß gemacht“, gesteht P. Roman mit berechtigtem Stolz. Er überträgt gern eine Erfahrung aus dem Wirtschaftsleben auf die Kirche: „Wenn es mit einer Firma bergab geht, dann liegt das irgendwann in der Luft, dann will sich da niemand mehr engagieren. Dann macht man einen Schnitt und meldet Insolvenz an und beginnt wieder neu, kleiner, überschaubarer. Das schafft wieder Hoffnung und Zuversicht, zieht wieder Menschen an.“ In Roggenburg haben die Prämonstratenser zwar nicht Insolvenz angemeldet, aber sie haben hier einen neuen Anfang gesetzt mit einem klaren Selbstverständnis, das heute aktueller ist denn je, in einem überschaubaren Seelsorgeraum und mit neuen Innovationen. Und wie man sieht unterstützt die Gnade Gottes gesunde menschliche Voraussetzungen. Kontakt: Prämonstratenser-Kloster Roggenburg Klosterstr. 5, 89297 Roggenburg Tel.: 07300-9600-0 Fax: 07300-9600-33 E-Mail: konvent@kloster-roggenburg.de Internet: www.kloster-roggenburg.de |
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