Mission in Berlin

Von der Freude, 
eine gute Nachricht zu bringen

Die Gemeinschaft Chemin Neuf geht neue Wege
im „Missionsland Deutschland“

„Missionsland Deutschland“, das ist immer noch eine Realität, an die sich die Christen in Deutschland gewöhnen müssen. In Berlin springt die neue Realität wohl am meisten ins Auge. Hier lebt und arbeitet seit 1992 eine Gemeinschaft französischen Ursprungs, die Gemeinschaft Chemin Neuf. Auf dem Gebiet der beiden Pfarreien Herz Jesu und St. Adalbert in den Bezirken Mitte und Prenzlauer Berg, in deren Dienst die Gemeinschaft steht, gibt es 3% katholische und 6% evangelische Christen - die restlichen 91% der Bevölkerung sind ungetauft oder aus der Kirche ausgetreten. P. Gerold Jäger von der Gemeinschaft berichtet. 

Chemin Neuf
Die Gemeinschaft Chemin Neuf (Neuer Weg) ist eine neue geistliche Gemeinschaft, die 1973 in Lyon (Südostfrankreich) aus einem charismatischen Gebetskreis heraus entstand. Zunächst bestand sie aus 7 ehelosen Schwestern und Brüdern, die die Spiritualität des hl. Ignatius von Loyola für sich entdeck-ten. Schon bald schlossen sich die ersten Familien der Gemeinschaft an, die heute mehr als 1000 Mitglieder - 800 verheiratete und 200 ehelose - in 18 Ländern zählt, die entweder in Lebensfraternitäten (unter dem gleichen Dach bzw. auf dem gleichen Grundstück) oder in Wohnviertelfraternitäten (maximal fünf Gehminuten voneinander entfernt) leben. Das Besondere des Chemin Neuf: Es ist eine katholische Gemeinschaft mit ökumenischer Berufung, zu der Christen verschiedener Konfessionen gehören - Katholiken, Evangelische, Orthodoxe und Freikirchliche. Täglich betet die Gemeinschaft für die Einheit der Christen. „Wenn wir miteinander von Christus Zeugnis geben, dann ist unser Wort glaubwürdig!“, so P. Laurent Fabre, Gründer und Verantwortlicher des Chemin Neuf.

Alpha-Kurs
In Berlin bietet die Gemeinschaft und der Pfarrverband Herz Jesu und St. Adalbert seit dem letzten Jahr den Alpha-Kurs an, einen Glaubenskurs der etwas anderen Art, der in einer Londoner anglikanischen Gemeinde entwickelt wurde. „Nachdem unsere Geschwister in Frankreich gute Erfahrungen mit Alpha gemacht haben“, so Sr. Ruth Lagemann, evangelische Schwester des Chemin Neuf in Berlin, „haben wir auch der Gemeinde hier den Kurs vorgeschlagen und sind ganz überwältigt von den schönen Früchten, die wir schon sehen dürfen“. An den 10 Abenden - in Herz Jesu in Berlin jeweils dienstags um 19 Uhr - kommen durchschnittlich 40 Personen, viele unter ihnen zwischen zwanzig und vierzig Jahre alt. Gastfreundschaft wird bei Alpha groß geschrieben. So beginnt jeder Abend mit einem schönen Essen, auf das der Vortrag über fundamentale Fragen des Glaubens folgt: Wer ist Jesus? Warum starb er? Wie gewinne ich Gewissheit im Glauben? Und die Bibel? Der Heilige Geist? Das Böse? und so weiter. Nach dem Vortrag treffen sich die Teilnehmer in Diskussionsgruppen. Im Alpha-Kurs haben die von Bischof Wanke aus Erfurt in seinem offenen Brief über den Missionsauftrag der Kirche für Deutschland im November 2000 formulierten Grundsätze schon Fleisch angenommen. Bischof Wanke schreibt: „Ich habe die Vision einer Kirche in Deutschland, die sich darauf einstellt, wieder neue Christen willkommen zu heißen.“ Bei Alpha werden die „Neuen“ empfangen - und sie kommen! - und die „Alten“ profitieren davon für ihr eigenes Glaubensleben. Besonders stark für die 20 Mitarbeiter des Kurses ist die Erfahrung des geschwisterlichen, gemeinschaftlichen Tuns durch das gemeinsame Kochen, Dekorieren und Empfangen. Alpha bringt eine echte Erneuerung des Gemeindelebens.
Eine Alpha-Teilnehmerin berichtet über ihren Weg: „Ich hörte vom Alpha-Kurs zu einem Zeitpunkt, an dem ich in einer schwierigen inneren Krise steckte, die sich über die letzten Jahre, in denen ich in einem Krisengebiet gelebt hatte, anbahnte und hier in Berlin fortsetzte. Ich spürte, dass Gott mir da helfen könnte und besuchte öfters den Gottesdienst. Der war schon o.k., aber da waren so viele offene, auch einige sehr kritische Fragen, auf die ich Antworten hören wollte. Ich sah mich nur als Christin auf Probe an. Meine Berührungsängste waren groß; um so überraschter war ich, wie offen es im Alpha-Kurs zuging: beim Essen lernte man sich ungezwungen kennen, und die Vorträge danach regten zu lebhaften Diskussionen in der anschließenden Kleingruppe an. Ich konnte meine Fragen, auch die kritischen, anbringen, und ich fand einige ziemlich überraschende Antworten. Ich fand auch zu neuen Freundschaften, und vor allem fand ich endlich zu Jesus. Jetzt fühle ich mich nicht mehr nur auf Probe, sondern als Christin.“

Mission und Gemeinde
Jesus persönlich zu begegnen und die Erfahrung des Lebens im Heiligen Geist zu machen, das ergreift seit 3 Jahrzehnten immer mehr Menschen in allen Kirchen und auf allen Erdteilen und das hat auch die Gemeinschaft Chemin Neuf geprägt. Ein Ehepaar der Gemeinschaft erzählt: „Die Taufe im Heiligen Geist und das Eingetauchtsein in die Liebe Gottes hat uns unwillkürlich gedrängt, an der frohen Botschaft auch Andere teilhaben zu lassen.“ Wer sich von der Hingabe Christi ganz berühren lässt, kann sich selbst hingeben. Er kann sich hingeben an Christus, für die Kirche und die Welt. Wer sich vom Heiligen Geist erneuern lässt, wird fast „automatisch“ zum Missionar.
Für Herz Jesu und St. Adalbert, die einen Pfarrverband bilden, ist der Weg hin zu einer „missionarischen“ Gemeinde vor allem ein Weg der Öffnung. Ein Weg, der viele schöne Erlebnisse bringt: angefangen bei den gut besuchten und lebendigen Sonntagsgottesdiensten bis hin zu vielen offenen Angeboten wie die Beteiligung an der Nacht der offenen Kirchen zu Pfingsten, eine Aktion der Kirchen in Berlin mit vielen Hundert Menschen, die an diesem Abend Herz Jesu entdeckten. „Es ist erstaunlich, wie gut diese offenen Angebote zum Kiez des Prenzlauer Berges mit seiner jungen Kulturszene passen und es ist spannend, wie oft man bei diesen Momenten Leuten begegnet, die noch nie in ihrem Leben in einer Kirche gewesen waren,“ weiß eine Mitarbeiterin zu berichten. Speziell von der Gemeinschaft Chemin Neuf werden in Herz Jesu weitere offene Veranstaltungen angeboten, wie das Fête pour Dieu für die jungen Erwachsenen im Hof der Herz-Jesu-Kirche aus Anlass des Berliner Musikfestes am 21. Juni oder der monatlich stattfindende Gospelbrunch, zu dem ebenfalls die 18-30 Jährigen eingeladen werden.
Auch traditionelle Formen haben bei diesem Weg ihren Platz: Zur Fronleichnamsprozession durch die Straßen Berlins zu ziehen, ist ein starkes Zeichen in einem Umfeld, in dem nur eine kleine Minderheit Christen sind. Eine andere Tradition, die des Kreuzwegs, ist seit einigen Jahren wiederbelebt worden: am Karfreitag ziehen evangelische und katholische Gemeinden zusammen zur Mauergedenkstätte an der Bernauer Straße und beten gemeinsam für die Stadt, für das Viertel, für die Einheit Berlins und Deutschlands.

Gebet und Schulung
„Das Gebet ist überhaupt der Schlüssel für die Fruchtbarkeit unserer missionarischen Initiativen. Alles muss von IHM her beginnen und in IHM sein Ziel haben. Es ist seine Ausstrahlung, die die Ausstrahlung der Gemeinde, der Christen ausmacht. Die neue Erfahrung des Gebetes, der persönlichen Begegnung mit Christus steht im Mittelpunkt all unserer Missionen, zum Beispiel auch von Kana, unserer Arbeit für Ehepaare und Familien. In der Spiritualität des Chemin Neuf begegnen sich die charismatische Erneuerung mit ihrer Begeisterung, ihrem Lobpreis und ihrer Jugend und der schon lange Weg der ignatianischen Tradition mit seiner Pädagogik der Freiheit - auch ein wesentliches Element für authentische Verkündigung des Evangeliums, damit wir wirklich Christus verkündigen und nicht uns selbst verkaufen“, so P. Christophe Blin, Priester des Chemin Neuf und Pfarrer von Herz Jesu und St. Adalbert. Das drückt sich konkret in den regelmäßigen offenen Gebetszeiten aus, die die Gemeinschaft anbietet, und in ihren vielen Schulungs- und Exerzitienangeboten, zu denen sie auch auf internationaler Ebene einlädt.
Der Gründertext der Gemeinschaft stammt aus dem Lukasevangelium: „Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.“ (Lk 4, 18-19). Der Herr lädt die Christen im „Missionsland Deutschland“ ein, ihre Schritte in die Seinen zu setzen und ganz neu seine frohe Botschaft weiterzugeben.

Kontakt:
Gemeinschaft Chemin Neuf, 
Fehrbellinerstr. 99, 10119 Berlin
Tel. 030/44389426, Fax 030/44389418
E-mail: ccn.deutschland @t-online.de
Homepage: www.chemin-neuf.org.

Die nächste Kana-Woche findet vom 7. – 13. Juli 2002 in Zwochau bei Leipzig statt.