20 Jahre Missionar/-in auf Zeit

Seit 1980 bieten die missionierenden Orden einen zeitlich befristeten Missionseinsatz an. P. Franz-Josef Himbert SVD, München, koordiniert für die Steyler Missionare seit neun Jahren den Einsatz junger Leute aus dem deutschen Sprachgebiet. Er berichtet von seinen Erfahrungen.

Motivation
Die große Mehrzahl der Interessierten (zwischen 19 und 30 Jahren) möchte gute Zeit (ein bis zwei oder drei Jahre) ihrer kostbaren Jugend investieren für einen missionarischen Dienst. Berechtigte Motive sind dabei neben dem Mitleben, Mitbeten und Mitarbeiten in einer Gastgemeinschaft der Gedanke, selbst zu gewinnen z.B. an sprachlicher und sozialer Kompetenz, die die Glaubensdimension mit einschließt. Unter den Interessierten gibt es immer auch solche, die die Gelegenheit eines missionarischen Dienstes wünschen, weil sie daran denken und sich prüfen wollen, ob Missionar, Missionarin nicht eine Berufung auf Lebenszeit für sie werden könnte - mit gleichzeitiger Offenheit für eine missionarische Gemeinschaft oder für eine bestimmte Ortskirche.
Einen Aspekt möchte ich betonen, weil er durchwegs aufscheint in der Motivation der Interessenten/-innen. Der blanke Materialismus führt zur sozialen und politischen Ausgrenzung (sprich: Armut) von immer mehr Menschen auch in Mitteleuropa. Der Einfluss der Oligarchie der Reichen, die das Sagen haben, nimmt unübersehbar zu. Das macht diesen jungen Menschen zu schaffen. Sie nehmen wahr, dass die sozioökonomische Entwicklung mit wachsender Korruption immer mehr Menschen in Armut und Abhängigkeit treibt. 

Begleitung
In den Vorbereitungsseminaren, die der Einführung in verschiedene Themen, dem Austausch und der Begegnung dienen, sage ich den jungen Menschen: Sie alle sind getauft, also Geistliche im Sinne des NT, sie sind Jünger/-innen Jesu Christi, die ihr Leben aus der Gemeinschaft mit Jesus Christus in unterschiedlicher Intensität gestalten. Ich erwarte Offenheit der jungen Menschen für das Wachsen in und mit Christus. Jede/r Christ/-in ist dazu berufen, wo und wie immer er/sie lebt, Zeuge zu werden für Jesus und seine Anliegen, die heute durchaus im öffentlichen 
Bewusstsein der Menschen gefragt sind: Einsatz für Gerechtigkeit und Frieden (EINE-Welt-Bewusstsein), aus weltkirchlichem

 Selbstverständnis Dialog der Religionen, Sorge für Ausgegrenzte, Bewahrung der Schöpfung.
Wichtig ist aber auch die Begleitung beim Einsatz vor Ort. Ein paraguayischer Pfarrer hat seiner Gemeinde zwei junge Missionare vorgestellt: „Hier sind zwei junge Menschen, die ihre Familie, ihre Freunde, ihren Reichtum in einem Land zurückgelassen haben, das eine andere Kultur, eine ganz andere Lebensweise aufweist. Sie fühlen anders, sie denken anders und doch haben sie viel mit uns gemeinsam. Sie sind Christen, sie sind Brüder, die ihren Glauben mit uns teilen wollen, die mit uns mitleben wollen, von uns lernen wollen...“.

Bereicherung fürs Leben
Tanja sieht sich auf ihrem Glaubensweg gestärkt durch den Einsatz in einer anderen Ortskirche: „Neben vielem, was um mich herum passiert ist, hat sich auch sehr viel in mir ereignet. Mir fehlte soviel Vertrauen in Gott. Ich habe entsetzlich gekämpft, aber letztendlich habe ich das wahre Licht in mir gefunden, Gottes Sorge, Erbarmen und große Liebe erfahren. Dass ich glauben und beten gelernt habe, das ist das Schönste, was ich wieder mit nach Deutschland nehme. Aus dieser Erfahrung heraus ist mir die Mission noch viel mehr ans Herz gewachsen. Und ich fühle, jetzt in den letzten Monaten ist für mich das Thema Mission in Europa sehr wichtig geworden. Wo immer ich bin und lebe, möchte ich Zeugnis für meinen Glauben abgeben. Einmal Missionarin, immer Missionarin.“
Seit 1980 bis heute haben z.B. mit den Steyler Missionaren und Missionschwestern insgesamt 649 junge Frauen und Männer aus dem deutschsprachigen Raum einen missionarischen Dienst geleistet, eine Lernerfahrung für ihr Leben gemacht. Inzwischen sind sehr viele davon verheiratet, haben selbst Kinder, leben ihre Ehe und Familie als Christen bewusst als Berufung. Eine gute Zahl davon steht in irgendeiner Weise im Dienst der Kirche: so als Religionslehrer/-innen aller Schultypen, Gemeinde- oder Pastoralreferenten/-innen, Bildungsreferenten/-innen oder Sozialarbeiter/-innen (für Kinder, Jugend, Familien und/oder Senioren, für Ausgegrenzte). Andere haben handwerkliche, pädagogische, pflegerische oder medizinische Berufe gewählt. Neun Männer wurden zu Diözesanpriestern geweiht, acht Frauen und vier Männer haben ewige Profess in einem Orden gefeiert.