Gott lebt - er ist da -
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| Die charismatische Bewegung ist die älteste und am meisten verbreitete spirituelle Erneuerungsbewegung in den christlichen Kirchen seit Beginn des 20. Jahrhunderts. Bekannt ist diese Bewegung vor allem durch das Hervortreten der besonderen Charismen, von denen Paulus berichtet, etwa das Gebet in unverständlichen Worten oder die Gabe der Heilung. Rita Beer (57), Landau, Diözese Passau, ist bereit, von ihrem persönlichen Weg in und mit der „Charismatischen Erneuerung“ zu erzählen. Auf der Suche Als Studentin der Pädagogik in München von 1963 bis 1966 hatte ich im Fach Religionslehre und Religionspädagogik eine Vorlesung über die Apostelgeschichte belegt. Während dieser Zeit dachte ich oft: So müsste Kirche sein, oder wenigstens so in diese Richtung. In meinem Dienst als Volksschullehrerin erteilte ich auch Religionsunterricht und stellte dabei fest, dass ich den Schülern nichts Überzeugendes über den Heiligen Geist sagen konnte. Ich war ratlos und es regte sich wieder eine Sehnsucht in mir. Viele Jahre arbeitete ich in der Pfarrei bei Kindergottesdiensten und als Kommunion- und Firmhelferin mit. Trotzdem erlebte ich mich selber als frustriert. Ich kritisierte an allem herum und bekam Probleme mit mir und der Kirche. Ich hatte das Gefühl, im Glauben fehlte mir etwas, nur was? Bei Brautleutetagen in unserem Dekanat leitete ich regelmäßig eine der Kleingruppen. Einmal hielt ein junger Kaplan den Gottesdienst. Seine Predigt beeindruckte mich, wir kamen ins Gespräch und er erzählte von einem Glaubensseminar, zu dem ihn sein Pfarrer geschickt hatte und das ihn begeistert hatte. Er lieh mir Kassetten von diesem Seminar und beim Abhören wusste ich: Da sind die Antworten auf meine Sehnsucht. Dazu gefielen mir die neuen geistlichen Lieder sehr gut, die zwischen den Vorträgen gesungen wurden. In uns entstand der Wunsch, vor Ort ein solches Glaubensseminar zu halten. Der Diözesansprecher der Charismatischen Erneuerung (CE) Regensburg, Pfarrer Gustav Krämer und Frau Barbara Busowiez, konnten als Referenten gewonnen werden. Pfarrer Krämer hatte langjährige Erfahrungen mit der CE in Canberra/Australien gemacht. Aber was würde „mein“ Pfarrer dazu sagen? Gott öffnet Türen Als ich mit meinem Anliegen klopfenden Herzens zu ihm kam, erzählte er mir, dass er die CE in Südkorea kennen gelernt habe. Er hatte dann in Freising ein „Leben im Geist-Seminar“ gemacht. Als er selber im Pfarrgemeinderat so ein Seminar anbieten wollte, wurde es abgelehnt. Da beschloss er zu warten und zu beten, bis jemand aus der Pfarrei mit diesem Anliegen komme. So waren Tür und Tor geöffnet. Etwa 40 Leute aus Landau und Umgebung besuchten das Seminar im Oktober/November 1984. Dabei machten wir Erfahrungen mit dem freien Gebet, wir lernten, zuhause die sogenannte „Stille Zeit“ zu halten, übten den Umgang mit der Bibel und wurden über Glaubensinhalte belehrt, besonders über das Wesen und Wirken des Heiligen Geistes und seine Gaben. Wir hatten auch Gelegenheit, in Kleingruppen Fragen, Bedenken und Erfahrungen zu besprechen. Beim Abschlussgottesdienst, als wir ganz unspektakulär durch ein Gebet und das Einlegen der Hostie in die Schale unser Leben Gott übergeben hatten, wurde für jeden Einzelnen mit Handauflegung um den Heiligen Geist gebetet. Da erlebte ich zum ersten Mal eine Freude und einen Frieden in meinem Herzen, wie ich das vorher nicht gekannt hatte. Aus dem Seminar gingen vier Gebetsgruppen hervor, eine davon in Landau. Wir waren zuerst elf Leute und wuchsen zeitweise bis zu dreißig Personen. Ich habe diese Gruppe fünf Jahre lang geleitet. |
Innere Heilung In dieser Zeit wurde mein Gottesbild geheilt, meine persönliche Beziehung zu Gott, meinem himmlischen Vater wurde lebendig, ebenso die zu Jesus und zum Heiligen Geist. Ich wollte auch mehr wissen über Fragen des Glaubens, las viel in der Bibel und bekam Freude am Gebet. Der Besuch der heiligen Messe bekam eine ganz neue Qualität. Als mein jüngstes, damals vierjähriges Kind nach Gebet mit Handauflegung spontan von einer schweren Erkrankung geheilt wurde, stärkte dies meinen Glauben ganz wesentlich. Aber Fehler, Sünden, Charakterschwächen, Empfindlichkeiten, innere seelische Verletzungen verschwanden nicht von selbst. Durch Pater Walter Winopal, einen kompetenten geistlichen Begleiter, konnte ich Verletzungen aus meiner Lebensgeschichte aufarbeiten, eine Lebensbeichte ablegen und einen ganz neuen Zugang zum Sakrament der Versöhnung gewinnen. So wuchs ich langsam selber in die geistliche Begleitung hinein. Das bedeutet in der Praxis: Neue Mitglieder werden auf ihrem geistlichen Weg durch gemeinsames Gebet, Fürbittgebet, Gespräch, Belehrung und Korrektur weitergeführt. Dabei sind besonders die Gabe der Erkenntnis und das Sprachengebet eine gute Hilfe. Alle Mitglieder unseres Kreises wurden mit der Zeit in einen Dienst geführt: Zwei junge Männer wurden Priester, eine junge Frau Pfarrhausfrau, zwei Frauen machen Besuchsdienst im Altenheim, ein Mann ist inzwischen Vorsitzender des Pfarrgemeinderats, einer Kirchenpfleger und unsere älteren Frauen haben das regelmäßige Rosenkranzgebet neu belebt. Kraft für das Leben Ich habe mehrere Jahre Religionsunterricht erteilt und leite eine Gruppe, die Familiengottesdienste vorbereitet. Ich stelle fest, dass ich die Arbeit mit mehr Freude als früher erledige. Ich bin auch selbstsicherer und lockerer geworden im Umgang mit Kritikern und Ungläubigen. Jetzt bereite ich mich in einem längeren Kurs bei der katholischen Laiengemeinschaft St. Petrus in Otzing auf konkrete Seelsorgearbeit vor. Wir bieten Besinnungstage nach dem Konzept von Prof. Dr. Tomislav Ivancic aus Zagreb an. Er hat eine sogenannte „Hagiotherapie“ entwickelt, einen geistlichen Weg der Heilung. Die Laiengemeinschaft in Otzing besteht aus vier Mitgliedern und einem Freundeskreis. Im Evangelisationszentrum Otzing werden vor allem Tage der Orientierung und Tage der inneren Heilung angeboten; es geht um Neuevangelisierung im Sinne Papst Johannes Pauls II. Das Wichtigste und Schönste ist für mich die wachsende Heilsgewissheit: Gott lebt, er ist da, sein Geist ist in mir, ich bin seine geliebte Tochter, ich bin geborgen, der Tod ist der Übergang in ein neues, ewiges Leben. Diese Heilsgewissheit erzeugt immer wieder eine Freude in mir, die nicht von den momentanen Lebensumständen und dem Wohlwollen meiner Mitmenschen abhängt. Im Alltag bin ich ausgeglichener und offensichtlich belastbarer geworden, obwohl meine Familie in den letzten Jahren von einigen Schicksalsschlägen getroffen wurde. Mein Mann, mit dem ich seit 32 Jahren verheiratet bin, sagte kürzlich zu mir: „Das hättest du früher nicht so verkraftet, du hast dich wirklich verändert“. Ich weiß, dass ich diese Veränderung nicht aus eigener Kraft bewirkt habe, sondern dass Gott sie mir ermöglicht hat auf dem geistlichen Weg. |
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