Schweigen

Nicht nur still werden
und den Lärm abschalten,
der mich umgibt.
Nicht nur entspannen
und die Nerven ruhig werden lassen.
Das ist nur Ruhe.
Schweigen ist mehr.
Schweigen heißt: mich loslassen
nur einen winzigen Augenblick
verzichten auf mich selbst
auf meine Wünsche
auf meine Pläne
auf meine Sympathien
und Abneigungen
auf meine Schmerzen
und meine Freuden
auf alles, was ich von mir denke
und was ich von anderen halte
auf alle Verdienste
auf alle Taten.
Verzichten auch auf das,
was ich nicht getan habe,
auf meine Schuld – und
auf alle Schuld der anderen an mir,
auf alles, was in mir Unheil ist.
Verzichten auf mich selbst.
Nur einen Augenblick DU sagen
und Gott da sein lassen.
Nur einen Augenblick sich lieben
lassen
ohne Vorbehalt
ohne Zögern
bedingungslos
und ohne auszuschließen,
dass ich nachher brenne.
Das ist Schweigen vor Gott.
Dann ist im Schweigen
Stille
und Reden
und Handeln
und Leiden
und Hoffen
und Lieben
zugleich.
Dann ist Schweigen:
Empfangen.
Auf dieses Schweigen weiß
ich keine Antwort
als: neues Schweigen
weil Gott größer ist
weil jede versuchte Antwort
zu klein gerät.
Und doch habe ich
keine Angst
zu reden
und zu handeln,
weil das Schweigen
eines Augenblicks
vor Gott
und mit Gott
und in Gott
die lauten Stunden erlöst.

Eine 20jährige Frau in Taizé