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Artikel:
FRIEDHELM HOFMANN, Macht der Diakonat unser Erzbistum Köln diakonaler? In: Lebendiges Zeugnis 52 (1997) 256-259. |
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Macht der Diakonat unser Erzbistum Köln diakonaler?
Die Antwort auf die gestellte Frage wird sich - im Rahmen eines Statements* - auf wenige Kernsätze beschränken. Tatsache ist jedenfalls, daß der Diakonat aus unserem Bistum nicht mehr wegzudenken ist.
I.
Das Besondere des Diakonates ist eine durch Weihe ermöglichte Lebensform, die das Dienen als Grundlage ihres Amtes bejaht. Dieser Dienst umfaßt verschiedene Aufgabenbereiche innerhalb der Liturgie, der Verkündigung und der Caritas. "Wer unter euch der Größte sein will, der sei der Diener aller", so fordert uns Christus auf. Nach der christlichen Lebenssicht ist der Dienende der eigentlich Herrschende, der SichVerschenkende der Gewinnende, der Kleinste der Größte. Jedes Amt in der Kirche ist in diesem Sinne Dienst - nichts anderes.
Anläßlich des 25jährigen erneuerten Ständigen Diakonates im Erzbistum Köln im Jahre 1993 bezeichnete Joachim Kardinal Meisner in seinem Geleitwort der Festgabe "Diakone, Diener der Kirche Gottes" - die "Diakonia als Modus kirchlicher Existenz, sowohl der Einzelexistenz als auch der Gemeindeexistenz". Und weiter führt Kardinal Meisner aus: "Man hat versucht, Diakonia als dienende Liebe neben Martyria als Lehre und Liturgia als gottesdienstliches Handeln zu stellen und zur Einheit zusammenzufassen. Da Diakonia aber das gesamte Sein der Kirche bestimmt, kann man diese drei sogenannten Lebensfunktionen der Kirche nicht beziehungslos nebeneinander aufzählen und hinstellen. Sie durchdringen sich vielmehr gegenseitig und bedingen einander."
Diese grundsätzlichen Ausführungen hatte schon in gleicher Weise Josef Kardinal Frings in seiner Predigt bei der weltweit ersten Weihe Ständiger Diakone am 28. April 1968 im Kölner Dom formuliert: "Wenn man nun all diese Aufgaben des Diakons
1. dem Bereich der Liturgie, der Sakramentenspendung und der Sakramentalien,
2. die Aufgabe der Predigt, des Wortes Gottes und der Katechese,
3. die Sorge für die Armen, der sozialen Dienste und das Helfen in der kirchlichen Verwaltung
zusammenfassen will und das innerste Wesen des Diakonats zu ergründen versucht, dann werden wir sagen müssen: Durch die Diakonatsweihe seid ihr Christus, dem Herrn, ähnlich gestaltet worden und zwar vor allem dem dienenden Christus."
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II. Ein Blick auf die Statistik legt die Anzahl der Diakone im Erzbistum Köln, ihre Altersstruktur und Einsatzbereiche offen. Mit dem 31. Dezember 1996 wurden 223 Diakone im aktiven Dienst gezählt. Davon waren 126 hauptamtlich und 97 Diakone mit Zivilberuf tätig. Genau ein Jahr vorher waren 224 Diakone im Dienst des Bistums. Trotz der fünf im Jahr 1996 Neugeweihten, des Wechsels eines hauptamtlich tätigen Diakons aus einem anderen Bistum in das unsere und zwei Übertritte vom Diakon mit Zivilberuf zum Diakon mit Hauptberuf, gab es unter dem Strich letztlich einen Diakon weniger als im Jahr 1995. Verständlich ist das Minus dann, wenn man bedenkt, daß einer der Diakone zum Priester geweiht wurde, drei beurlaubt und drei weitere in den Ruhestand versetzt wurden. Zur Altersstruktur (Stand 3 1. Dez. 1996):
Älter als 65 Jahre: 24 Diakone Einsatzbereiche aktuell: 198 Diakone arbeiten hauptamtlich oder mit Zivilberuf in der Pfarrseelsorge, im Erzbischöflichen Generalvikariat arbeiten fünf und im Erzbischöflichen Diakoneninstitut zwei Diakone. In den Bereichen der Sonderseelsorge arbeiten zwanzig Diakone: elf in der Krankenhausseelsorge, je einer in der Schul-, Polizei- und Altenseelsorge, drei Diakone sind in der Behindertenseelsorge und drei Diakone in der Seelsorge an Justizvollzugsanstalten tätig. Auf Diözesanebene bzw. Verbänden arbeiten ebenfalls drei Diakone, vier Diakone wurden in der Bundesrepublik für überdiözesane Aufgaben freigestellt. Bei den Ruheständlern arbeiten mit subsidärer Tätigkeit 19 Diakone, ohne subsidiäre Tätigkeit 17 - insgesamt also 48 Diakone. Über die Jahre hinweg sind zwölf Diakone beurlaubt worden, eine Zahl, die nachdenklich stimmt. Die Gesamtzahl der Diakone beträgt somit 271 - das sind vier mehr als beim letzten Stichtag. Erstaunlicherweise arbeiten in der Jugendseelsorge relativ wenige Diakone. Nach meinen Informationen sind es nur 14,3 %. Von den Pfarrern sind 50,3 % in der Jugendarbeit aktiv, der prozentuale Anteil der Kapläne beträgt 32,8 %. Lediglich die Pastoralreferenten/innen rangieren mit 13,2 % noch unterhalb der Prozentzahl der Diakone. Es mag sein, daß die Realität - man denke nur an die Ministrantenarbeit, die von Diakonen getätigt wird - anders gewichtet ist. Bedenkenswert ist dennoch, daß gerade die Erfahrung der Diakone als junge Familienväter sich positiv in der Jugendarbeit niederschlagen könnte. Einsatzbereiche zukünftig: Der Stellenplan in der Pfarrseelsorge sieht bei 220 Seelsorgebereichen im Erzbistum Köln in allen Stadt- und Kreisdekanaten 116 Diakone 257 |
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vor. Demgegenüber stehen 347 Pfarrer, 151 Kapläne, 96 Pastoralreferentenfinnen und 229 Gemeindereferententinnen. Der Stellenplan in der Sonderseelsorge sieht im Generalvikariat dreieinhalb Stellen vor, eine Stelle im Offizialat, zwei Diakone sollen in Diözesaninstituten tätig werden und ebenso zwei Diakone in den Diözesanverbänden (ohne Jugendverbände). Die Krankenhausseelsorge soll zwölf, die Behindertenseelsorge drei und die Alten(heim)seelsorge ebenfalls einen Diakon erhalten. Insgesamt sind also für den Sonderseelsorgebereich 28,5 Stellen durch Diakone zu besetzen. Zahlen sagen - auf das Endergebnis der Tätigkeit hin - letztlich nicht alles aus. Dennoch ist auffällig, daß im Stellenplan für Jugend-, Schul-, Hochschul- und Militärseelsorge keine Stellen für Diakone vorgesehen sind. Auch die Behindertenseelsorge scheint mir mit nur drei Stellen unterbesetzt zu sein - ganz zu schweigen von der Alten(heim)seelsorge mit nur einer Stelle. III. Zurück zu der Frage "Macht der Diakonat unser Erzbistum Köln diakonaler?" Für eine abschließende Beantwortung muß ich schon Erfahrungen aus der Praxis einbringen, die umfassender sind als eine ablesbare Statistik. Überall in den Pfarreien und Seelsorgebereichen, in denen ein Diakon tätig ist, ist der Bischof jederzeit willkommen. Während er sonst durchaus als "Episcopus", als "Aufseher" gesehen und nur mit halbem Herzen aufgenommen wird, spüre ich bei den Diakonen die uneingeschränkte An- und Aufnahme. Bei ihnen ist eine selbstverständliche Akzeptanz der Verzahnung des dreifachen Amtes in dem einen Ordo (Bischof, Priester, Diakon) spürbar. Für die Praxis wünschens- und erstrebenswert ist die Arbeit des Diakons im caritativen Bereich. Die im Schlußvotum des Kölner Pastoralgesprächs (1996) angesprochene Option für die Armen bedingt geradezu eine Besetzung der vakanten Stellen von Dekanats-Caritasbeauftragten auch und gerade durch Diakone. Hier ist nachdrücklich an die Ausführungen im Amtsblatt der Erzdiözese Köln vom 15. September 1991 zu erinnern, wo es heißt: "Die Ernennung des Dekanats-Caritasbeauftragten erfolgt durch den Erzbischof. Der Dechant schlägt nach Rücksprache mit den Seelsorgern des Dekanates und dem Vorstand des jeweiligen Stadt-/Kreiscaritasverbandes den Dekanats-Caritasbeauftragten vor. Es sollte angestrebt werden, daß Ständige Diakone mit diesem Amt beauftragt werden." Die verstärkte Übernahme solcher Aufgaben erfordert neben der Fähigkeit, eine spirituelle Begleitung der im Caritasbereich tätigen Mitarbeiter/innen, auch das Durchsichtigmachen der diakonalen Grundstruktur dieses wichtigen, das Kerygma der Kirche betreffenden Engagements. Wohl ist dabei folgender Gefahr zu wehren: Diakone sind nicht geweihte Sozialarbeiter! Besondere Aufmerksamkeit der Diakone ist auch für die Alten- und Krankenseelsorge sowie die Seelsorge an den Fernstehenden angebracht. Bei Diakonen mit Zivilberuf kommt die große Chance hinzu, da, wo sie ihren Erwerbsberuf ausüben, als "Kirche" das 258 |
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Charisma ihrer Berufung leben zu können. Sie treffen auf Personen, die oft von sich aus nicht mehr den Weg zum Priester, zur Gemeinde oder über die Kirchenschwelle finden. Hier liegt nicht nur ein weites missionarisches Feld offen, hier vollzieht sich oft genug im stillen die Nagelprobe der diakonalen Grundstruktur des Christseins. Hier wird die Berufung und Sendung durch das Sakrament der Taufe und Firmung noch durch die Weihe vertieft und intensiviert. Welch großer Segen mag von hier aus die Arbeitsstätten, aber auch die eigenen Familien erreichen. Sicherlich, von außen läßt sich auch hier nicht einfach der Erfolg ablesen, aber die Wirkweise des Sauerteigs unterliegt dem Prinzip des Gottesreiches. Darum abschließend die Antwort: Ja, der Diakonat macht unser Erzbistum diakonaler.
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