Symbole&Kirchenraum

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Autor: Eckhard Bieger S.J.
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Umsetzung:
B. Richter nach Vorlage von R. Jouaux


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Kirchen der Karolingerzeit



Das Ende der ersten christlichen Kultur nördlich der Alpen



Auch nördlich der Alpen sind in römischer Zeit christliche Kirchen in der Form der Basilika gebaut worden. Es gab blühende Bischofsstädte entlang dem Rhein und im heutigen Frankreich, so Straßburg, Speyer, Worms, Mainz, Köln, die sich zu einem guten Teil von römischen Namen herleiten, wie Xanten, das von dem Wort Sanctus herkommt und übersetzt "Allerheiligen" heißt. In Trier sind noch die römischen Mauern des Doms erhalten. In Südfrankreich kann man in dem Ort Castres noch eine alte römische Stadt mit ihrer Kirche besichtigen, da die mittelalterliche Stadt an den Berg gebaut wurde und die römische Siedlung erhalten blieb. Auch Nijmegen ist eine römische Gründung. Jedoch sind in den römischen Provinzen nördlich der Alpen von diesen Bauten nur noch Fundamente übrig geblieben, so die Grabkammer der Märtyrer unter der Altarebene im Bonner Münster.
Viele dieser Kirchen wurden auf römischen Friedhöfen gebaut, wohl auch deshalb, weil hier Märtyrer begraben waren. Die Völkerwanderung hatte ein kraftlos gewordenes Reich zum Einsturz gebracht. Bereits 100 Jahre, nachdem Konstantin das Christentum zur Staatsreligion erhoben hatte, eroberte 410 der Westgotenkönig Allarich Rom. Die Bischofsstädte am Rhein, so Speyer, Mainz, Köln wurden von den Germanen verwüstet. Jedes städtische Leben erstarb. Die römische Bevölkerung zog sich in das Gebiet südlich der Loire zurück. Es dauerte Jahrhunderte, bis die germanischen Stämme staatliche Strukturen entwickelten. Das gelang ihnen nicht zuletzt durch das Christentum, das in Spuren überlebte und das überraschenderweise die Germanen überzeugte. Offensichtlich war es der bereits in den römischen Basiliken dargestellte siegreiche Christus, der den Glauben der Germanen gewann. Denn deren religiöse Vorstellungen waren von einem ständigen Kampf zwischen guten und bösen Mächten geprägt. Ihnen war es nicht sicher, ob das Gute siegen würde. Der Gott der Christen war gerade dadurch ausgezeichnet, dass er das Böse überwunden hatte. In den Kirchen des frühen Mittelalters haben diese Ängste in den dämonischen Tierfiguren und Fratzen eine Gestalt gefunden. Das Christentum war auch deshalb anziehend, weil die Christen über die Kulturtechniken verfügten, die für die germanischen Stämme eine zivilisatorische Entwicklung versprachen. Bis diese Völker jedoch eine eigene Kultur entwickeln würden, sollten noch fünf Jahrhunderte vergehen. Denn in der Völkerwanderung ging die Kenntnis der Schrift verloren und damit auch die Basis sowohl für die christliche Überlieferung wie auch für die Administration größerer staatlicher Gebilde. Es waren Anstöße von außen, die eine gewisse Entwicklung des kulturellen Lebens und einer christlichen Praxis brachten. Wandermönche aus Irland gründeten Klöster, die auf den jungen Adel anziehend wirkten und eine kulturelle Ausstrahlung gewannen. St. Gallen und die Klöster auf der Reichenau gehen auf diese Missionare zurück, die auch weiter östlich predigten. Die irische Spiritualität war ganz auf die Abkehr von der Welt gerichtet. Es ging den Wanderpredigern um die Erfahrung der Fremde, denn sie wollten damit ihre Christusnachfolge intensivieren. Das erklärt, warum sie kein Interesse am Aufbau kirchlicher Strukturen hatten. Das war erst das Anliegen der angelsächsischen Mönche, Bonifatius ist der bekannteste von ihnen. Während die Mission der Iren aus eigenem Antrieb erfolgte, lag der Tätigkeit des Bonifatius und seiner Gefährten ein päpstlicher Auftrag zugrunde. Er brachte die römische Organisationsform nach Germanien, denn südlich der Alpen hatte sich die christliche Kirche entsprechend den staatlichen Strukturen der Provinzen organisiert. Bistümer waren Verwaltungseinheiten und ermöglichten es, das christliche Leben organisatorisch zu sichern.

Die Kulturpolitik der Karolinger
Ein erster Entwicklungsschub wurde durch die karolingische Renaissance ausgelöst. Über einige Generationen verfolgten die fränkischen Könige eine intensive Kulturpolitik, die sich auf die Gründung von Klöstern stützte. Waren die merowingischen Könige des Frankenreiches und die Fürsten und Könige der anderen Stämme mit der Konsolidierung ihrer Herrschaft befasst, gelang es den Karolingern, die anderen Stämme zu besiegen und deren Herzöge zu unterwerfen. Damit schufen sie die Basis für ein großes Reich im Westen. Doch dieses Reich konnte nur mit einer Administration und einem gewissen Bildungsstand der Adeligen Bestand haben. Ein Bürgertum gab es nach dem Zerfall und Untergang der Städte bis zum 11. Jahrhundert nicht mehr. Es entwickelte sich erst, als um die Jahrtausendwende wieder Städte entstanden. Das Karolingerreich brauchte eine gültige Kultur, die dem Reich von innen her Zusammenhalt verleihen konnte. Dafür bediente sich Karl d.Gr. der Ressourcen des Christentums. Indem er die benediktinische Regel zur allein zugelassenen in seinem Reich erklärte, schuf er Zentren, wo die alten Schriften abgeschrieben wurden, wo Schulen eingerichtet, eine medizinische Versorgung gewährleistet und die Landwirtschaft voran gebracht wurde. Im Jahr 787 verfügte er in einem Brief "De Litteris Collendis", dass alle Kleriker des Lesens und Schreibens kundig sein müssen. Das englische Clerk für Büroangestellter zeigt seine Wurzeln in dieser Verfügung aus dem 8. Jahrhundert. Es waren dann auch meist Kleriker, die für die Niederschrift von Gesetzen und Rechtsverordnungen sorgten und diese auch abschrieben, damit sie bekannt wurden. In dieser Zeit begann man, auch auf dem Land Kirchen zu bauen und dadurch dörflichen Gemeinschaften ein Zentrum zu geben. Kirchbau war also eine kulturell-gesellschaftliche Strategie zum Aufbau einer Zivilisation, die auf nichts anderes als auf die christliche Kultur zurückgreifen konnte.

Kirchbau
Die karolingische Renaissance war weitgehend rückwärts gewandt. Sie hatte noch nicht den Entwicklungsstand erreicht, etwas Eigenes zu schaffen. Die Baumeister griffen auf die Basilika zurück. In einigen Fällen wurde Baukonzepte aus Byzanz übernommen, so der Rundbau der Aachener Hofkapelle, heute ein Teil des Domes. Viele Kirchen und Abteien sind von den Karolingern, vor allem von Karl d. Gr. und seinem Sohn Ludwig gegründet worden. Dieser Aufbruch vollzog sich zuerst westlich des Rheins bzw. in den Grenzen des Limes, wo es bereits römische Siedlungen gab. Klostergründungen in wenig erschlossenen Gebieten, wie Prüm in der Eifel, dienten der Kultivierung. Allerdings orientierte Karl d. Gr. seine Reichpolitik nach Osten, auch wenn er die Langobarden in Norditalien seinem Reich einverleibt. Zeichen dafür ist die Gründung Aachens, wo auch der repräsentative Kirchbau, die Aachener Hofkapelle, errichtet wurde. Es kam damit auch zu einer Ostwanderung der Franken in die heute noch nach ihnen benannten drei nördlichen Regierungsbezirke Bayerns.
Bereits in karolingischer Zeit hatten die großen Kirchen mehrere Altäre, die nicht nur deshalb aufgebaut wurden, damit die vielen Mönchs- und Kathedralpriester eine Messe feiern konnten. In die Altäre waren Reliquien der Heiligen eingelassen, die man während des Gottesdienstes verehrte.
Die Kirchen auf den Dörfern waren einfache Langhäuser mit einer kleinen Ausbuchtung für den Chor. Nur weniges ist aus dieser Bauperiode noch erhalten, so die Einhardsbasilika im Odenwald, das Langhaus der Justinuskirche in dem Frankfurter Vorort Höchst und einige Dorfkirchen im Altmühltal und anderen Gegenden, die durch kein Bevölkerungswachstum vor die Notwendigkeit gestellt wurden, größere Kirchen zu bauen. So finden sich die Reste der Bauperiode der Karolingerzeit meist nur in den Fundamenten von Bauten, die im frühen und späten Mittelalter anstelle älterer und kleinerer Kirchen gebaut wurden. Die romanischen Dome und die gotischen Kirchen haben für die nachfolgenden Generationen die Gültigkeit behalten, dass man sie nicht durch neue Bauwerke ersetzte und sogar nach Zerstörungen, die durch Kriege oder Brände bedingt waren, wieder instand setzte.
Die karolingische Reichskirche stützte sich auf die Klöster. Dieser Gründerinitiative schlossen sich viele Adelige an, die Klöster vor allem als Kulturzentren sahen. Allerdings waren Klöster auch Orte des Friedens in der durch Erbstreitigkeiten und durch Mord der Erbfolge immer wieder gefährdeten fränkischen Herrschaftsstruktur. Sie dienten weiter der Missionierung. In diesem Sinne ist das Kloster Corvey gegründet. Die Abteikirche wurde in den Jahren 873-885 gebaut. Am Westportal findet sich die Inschrift: "Civitatem istam tu circumda, Domine, et angeli tui custodiant muros illos." Herr, beschütze diese Stadt und deine Engel sollen ihre Mauern beschützen. Die Inschrift bezieht sich auf die Vision im Kapitel 21 der Geheimen Offenbarung, in der das neue Jerusalem beschrieben wird.

 

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